Bayern-Gegner Zagreb Schlimme Brüder

Mit Dinamo Zagreb kommt ein Klub als Gast zum FC Bayern, dessen Ruf seit Jahren ruiniert ist. Die Brüder Zoran und Zdravko Mamic, Trainer und Präsident, saßen schon in Haft - und haben dennoch bisher alle Skandale überstanden.

Dinamo-Trainer Zoran Mamic: Böse Schlagzeilen im Umlauf
DPA

Dinamo-Trainer Zoran Mamic: Böse Schlagzeilen im Umlauf

Von


Dies könnte so eine schöne Geschichte über Dinamo Zagreb sein.

Man könnte davon erzählen, dass das Team seit 45 Pflichtspielen ungeschlagen ist, von Ante Coric schwärmen, dem 18-jährigen "Messi Kroatiens", und davon, wie das Team zum Champions-League-Auftakt den hoch favorisierten FC Arsenal überrumpelt hat.

Aber wenn der Klub am Abend bei Bayern München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu Gast ist, dominieren doch wieder die hässlichen Schlagzeilen. Die mit den bösen Wörtern Korruption, Manipulation, Veruntreuung, Betrug. Es sind die Schlagzeilen, die die schöne Erfolgsstory von Dinamo kaputtmachen. Und die mit zwei Männern und einem Namen zusammenhängen. Der Name: Mamic. Die zwei Männer: Zoran Mamic, zunächst Sportdirektor, jetzt Trainer von Dinamo. Und vor allem Zdravko Mamic, Präsident seit 2003, zudem Vizepräsident des kroatischen Verbands.

Die Mamic-Brüder verkörpern die "dunkle Seite im kroatischen Fußball", wie es die "Berliner Morgenpost" formulierte. Im Juli saßen die beiden zeitweise in Untersuchungshaft, weil die kroatischen Behörden nach Jahren der Tatenlosigkeit dann doch irgendwann die Ermittlungen aufgenommen hatten. Nach elf Tagen wurden sie wieder entlassen, gerade noch rechtzeitig für Zoran Mamic, um sich zur Champions-League-Qualifikation gegen den luxemburgischen Vertreter CS Fola Esch auf die Trainerbank zu setzen.

Bei Transfers selbst bereichert?

Die Vorwürfe vor allem gegen Zdravko sind in Kroatien seit Jahren im Umlauf: Der Präsident und sein damaliger Sportdirektor sollen sich bei Transfers persönlich bereichert haben. Von Millionensummen ist die Rede, die Mamic bei den Spielerwechseln unter anderem von Luca Modric nach Madrid oder Dejan Lovren nach Lyon einkassiert haben soll. So heißt es, der Präsident habe sich zum Beispiel bei Modric vertraglich zusichern lassen, dass er 20 Prozent von dessen Gehalt bis zum Karriereende des Supertechnikers überwiesen bekomme. Auch beim Transfer des früheren Bayern-Stürmers Mario Mandzukic soll Mamic die Hand aufgehalten haben.

Real-Star Modric: Was lief bei seinem Transfer nach Madrid?
REUTERS

Real-Star Modric: Was lief bei seinem Transfer nach Madrid?

Dinamo hat in der Präsidentschaft von Mamic durch Transfers mehr als 120 Millionen Euro erlöst, ein Viertel davon soll bei den Brüdern gelandet sein. Der Präsident ist ein echter Selfmademan, der im Nachgang des Jugoslawien-Kriegs aufgestiegen ist. Von Schmuggel in den Neunzigerjahren ist die Rede, Zigaretten und Jeans soll er gewinnbringend ins Land geschleust und verkauft haben.

Ermittlungen als "Verschwörung" zurückgewiesen

Den Verein führt der 56-Jährige wie eine Art Privateigentum. Zur Wiederwahl stellt er sich nicht, Journalisten, die kritische Fragen stellen, werden von ihm öffentlich beschimpft, manchmal sogar körperlich bedroht. Dass er bei Dinamo auch Leute wie den früheren Nürnberger Bundesligaprofi Vlado Kasalo beschäftigt, trägt auch nicht zur Verbesserung des Rufes bei. Kasalo fiel einst beim FCN durch eine verdächtige Anhäufung kurioser Eigentore auf, später musste er in Kroatien wegen illegalen Waffenbesitzes ins Gefängnis. Bei Dinamo arbeitete er als Trainer und Scout.

Die Ermittlungen gegen ihn hat Zdravko Mamic als Verschwörung von Kommunisten zurückgewiesen, den kroatischen Innenminister, der die Ermittlungen gegen die Brüder vorangetrieben hat, hat er als "Lügner" abgetan. Kroatiens Verbandschef, der frühere Real-Star Davor Suker, gilt als Vertrauter von Mamic, von ihm ist in dieser Angelegenheit kein Machtwort zu erwarten.

Dinamo-Fans: Champions League als Wellnessbad
AFP

Dinamo-Fans: Champions League als Wellnessbad

Die Mamic-Brüder haben den sportlichen Erfolg auf ihrer Seite, mit einem Teil der Fans haben sie es sich dennoch verdorben. Die Ultras der Bad Blue Boys, zu denen Zdravko Mamic als junger Mann selbst Kontakte hatte, boykottiert die Heimspiele von Dinamo mittlerweile, zur Liga-Partie gegen NK Osijek verloren sich nur ein paar hundert Zuschauer im 35.000 Plätze fassenden Maksimir-Stadion, viele Anhänger haben keine Lust mehr auf die Liga, deren Ruf so ruiniert ist.

Der Erfolg in der Champions League, das Überstehen der Qualifikation, der Sieg über Arsenal zum Auftakt - all das spielt den Mamic-Brüdern derzeit in die Hände. Trainer Zoran, früher als Spieler für den VfL Bochum und Bayer Leverkusen aktiv, hat im Vorfeld der Partie gegen die Münchner genüsslich darauf verwiesen, dass er noch nie gegen die Bayern verloren hat. Die Fans dürsten gerade angesichts all der Negativmeldungen aus dem Verein nach der Königsklasse, nach München reisen 5000 Dinamo-Anhänger an. Und Zdravko Mamic kann sich auf der Tribüne zurücklehnen und fragen: Na, also, was wollt ihr denn?

Im Video: Bayern Münchens Sicht auf Dinamo Zagreb

imago



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.