Bayern im Champions-League-Halbfinale Jupps Arbeitstrupp

Ohne Schönheitspreis, Hauptsache weitergekommen. Dass der FC Bayern auch arbeiten kann, bewies er gegen den FC Sevilla. Und eigentlich steht der nächste Gegner schon fest.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes
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Bayern-Trainer Jupp Heynckes

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Ausgangslage des Spiels: 2:1-Auswärtserfolg. Alles quasi entschieden. Die Bayern haben letztens unter Louis van Gaal eine K.o.-Runde nach einem Auswärtssieg aus dem Hinspiel noch weggegeben. Unter van Gaal, das ist ja annähernd so lange her wie unter Pal Csernai. Aber: Es gab den Vorabend von Rom mit dem Sensationssieg über den FC Barcelona. Er allein speiste noch die Spannung.

Ergebnis des Spiels: 0:0. Ein Unentschieden als Arbeitssieg. Die Bayern stehen also wieder im Halbfinale. Und es gibt nur noch ein spanisches Team, das sie dort herauswerfen könnte.

Die erste Hälfte: Die Spanier gingen von Beginn an rabiat zur Sache, als hätten sie zuvor noch eine Fortbildung bei Sevillas Guardia Civil gemacht, die bei Fußballspielen für ihr ruppiges Vorgehen gegen Gästefans berüchtigt ist. Robert Lewandowski und James Rodriguez hatten darunter besonders zu leiden. Sportlich war es eher unspektakulär. Sevilla kombinierte clever, manchmal gar lässig im Passspiel. Das sah richtig gut aus, man hätte fast vergessen können, dass Sevilla zwei Tore zum Weiterkommen brauchte.

Die zweite Halbzeit: Das Unspektakuläre steigerte sich ins Unspektakulärste. Sevilla ließ immerhin zwei Mal die Halsschlagadern der Bayern-Fans tanzen: Einmal, als Angreifer Joaquin Correa per Kopf die Latte traf. Und dann, als erneut Correa in der Schlussminute Javi Martinez rüde abräumte und dafür Rot sah. Man war fast dankbar für die Aufregung.

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FC Bayern: Torlos ins Champions-League-Halbfinale

Spieler des Spiels: Der Brasilianer Rafinha ist der Unauffällige im Bayern-Team, ein Arbeiter und Renner. Damit also genau der perfekte Spieler für Trainer Jupp Heynckes. Kurz vor der Pause verhinderte er mit einer Grätsche, dass Sevilla frei vor Torwart Sven Ulreich das 1:0 hätte erzielen können. Rafinha kugelte sich dabei fast die Schulter aus, arbeitete und rannte aber tapfer weiter. Für solche Spiele braucht man solche Spieler.

Duell des Spiels: Schon nach zwei Minuten hatte sich Sevillas Innenverteidiger Mercado gegen Lewandowski die Gelbe Karte erarbeitet. Und obwohl ZDF-Kommentator Bela Réthy jubelte: "Der kann sich jetzt nichts mehr erlauben", bearbeitete der Spanier den Bayern-Stürmer weiter unablässig. Aber eben stets so, dass der schottische Schiedsrichter William Collum keinen Anlass für Rot sah. Was aber auch daran liegen mochte, dass Collum im wirklichen Leben Religionslehrer und damit zur Kunst des Verzeihens fast gezwungen ist.

Wechsel des Spiels: Nach 77 Minuten hatte Lewandowski ein paar Kratzer, Dellen und blaue Flecken mehr am Körper. Aber besser ein blauer Fleck als eine Gelbe Karte. Der Pole war wie fünf Teamkollegen mit einer Verwarnung vorbelastet. Und damit es auch dabei blieb, nahm Trainer Jupp Heynckes seinen Stürmerstar eine Viertelstunde vor Schluss lieber vorzeitig vom Feld. Kein Bayernspieler ist fürs Halbfinale gesperrt.

Alarm des Spiels: Es war die achte Champions-League-Partie dieser Saison unter Jupp Heynckes, und zum ersten Mal verließen die Bayern nicht als Sieger das Feld. Es geht also abwärts im Frühjahr. Ist das das Pep-Erbe? Und kein Matthias Sammer mehr, der mahnen könnte.

Erkenntnis des Spiels: Die Bayern haben es geschafft, wenn auch etwas mühsam und mit Hitzfeld-Fußball. Wieder einmal Halbfinale. So wie der Titelverteidiger Real Madrid, zuletzt zweimal über die Bayern triumphierend. Wie der FC Liverpool mit Jürgen Klopp, der auf Revanche für die Finalniederlage 2013 sinnt. Wie der AS Rom. Es wird also Rom.

FC Bayern München - FC Sevilla 0:0 (0:0)
Bayern: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels, Rafinha (86. Süle) - Javi Martinez - Müller, James - Robben, Ribéry (71. Thiago) - Lewandowski (77. Wagner)
Sevilla: Soria - Jesus Navas, Mercado, Lenglet, Escudero - N'Zonzi, Banega - Sarabia (70. Sandro Ramirez), Vazquez (81. Nolito), Correa - Ben Yedder (65. Muriel) Schiedsrichter: Collum (Schottland)
Gelbe Karten: Wagner - Banega, Mercado, N'Zonzi
Rote Karte: Correa
Zuschauer: 70.000



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hileute 12.04.2018
1. rom sollte auch nicht unterschätzt werden,
mit einer Leistung wie heute hat Bayern gegen die wohl kaum eine Chance. Dennoch wäre es für Bayern angenehmer nicht auf real zu treffen, wobei diese heute wieder Mal bewiesen haben das sie nicht unbesiegbar sind , im Endeffekt hat bayern gegen alle 3 Halbfinalisten realistische Chancen ins Finale zu kommen
nichtswisser84 12.04.2018
2. Motivation
Ich finde auch in solchen Spielen sollten die Bayern nicht mit gezogener Handbremse spielen. meiner Meinung nach, müssen sie die Spannung halten. Gegen ein Real oder such Liverpool wird so eine Leistung nicht reichen. Für den deutschen Fussball wäre ein Finaleinzug der Bayern, ein versöhnlicher Abschluss einer verkorksten internationalen Saison. Und da gibt es natürlich noch Leipzig in der Euroleague... Man wird ja noch träumen dürfen.
andreasm.bn 12.04.2018
3. schaltet endlich diesen unsäglichen Rette ab!
Der Mann ist nicht zu ertragen, da ist ja das Zuhören einer Wanderdüne aufregender und spannender.Für sowas müssen wir Rundfunkbeitrag zahlen, Folter!
stoffi 12.04.2018
4. Unterirdische Leistung
des Schiris. Gleich zu Beginn setzte er an Sevilla das Signal: Ihr könnt schlagen treten usw, ich habe heute meinen Hund zu Hause gelassen. Ein Wunder, das nicht einige FCB Spieler vom Platz getragen werden musste, aber auch so war es einfach nur schauderhaft, wie der Schiri pfiff und wie Sevilla spielte. Die hatten es mehr auf die Spieler, als auf den Ball abgesehen.Das hatten sich die Emutionen derart hoch geschaukelt, das es zum Ende des Spiels um ein Haar noch zu einer rüden Rauferei gekommen wäre. Dieser Schiri sollte noch mal lernen, wofür ER auf dem Platz steht. Für den FCB heisst es jetzt, Mund abwischen und ab ins Halbfinale
mother_sky 12.04.2018
5. Genialer Jupp
Gerackert haben sie alle, nicht nur Rafinha, Martinez und Jamez. Und ja, es war ein Spiel ohne Brillanz, aber mit Dominanz der Bayern, wenngleich ohne Torerfolg. Heynckes, der alte Fuchs, wusste, wie unberechenbar diese spanische Mannschaft ist und hat sein Team optimal eingestellt, nach der Devise: Nur ja kein (frühes) Tor kassieren und sich selbst in Bedrängnis bringen! Allerdings hätte ich viel früher Lewandowski, der ein ums andere Mal rüde attackiert wurde, durch den robusten, bulligen Sandro Wagner ersetzt. Vermisst habe ich auch Thiago (kam erst in der 71. Minute für Ribery), der gleich seine überragende Technik aufblitzen ließ, und Tolisso, und zwar für Müller, der leider nicht wie gewohnt überzeugen konnte, vielleicht auch weil es Robben immer wieder in die Mitte zog und dadurch Müllers Raum und Entfaltungsmöglichkeit eingeengt war. - Fazit: "Wohltemperierte" Bayern auf dem besten Weg die CL zu gewinnen - dank eines hervorragenden Trainers und einer herausragenden Persönlichkeit (und natürlich auch einer sehr guten Leistung der gesamten Mannschaft). Man muss ihn einfach mögen, diesen Jupp Heynckes, der in den Spielern nicht nur Schachfiguren sieht, sondern Menschen und darüber hinaus die Größe hat, den gescheiterten Ancelotti zu loben.
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