Favoriten vor dem Achtelfinale Warum Juventus die Champions League gewinnt

Die Champions League als Basar: Nicht ein, nicht zwei, nein, acht Teams haben in dieser engen Saison das Potenzial, den Titel zu gewinnen. Im Achtelfinale werden zwei dieser Mannschaften auf der Strecke bleiben.

Jubelnde Spieler von Juventus
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Jubelnde Spieler von Juventus

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Pep Guardiola weiß sehr gut, wie man die Champions League gewinnt. Er weiß aber auch, wann die entscheidende Phase im wichtigsten Klubwettbewerb beginnt. Das ist nicht im November, wenn die Gruppenphase entschieden wird (und sich in der Regel alle Favoriten durchsetzen). Das ist auch nicht im Februar oder März. Wer die Champions League gewinnen will, benötigt seine Topform im April und Mai.

Guardiola weiß das so gut, weil er mit dem FC Bayern und Manchester City in den vergangenen fünf Jahren fast immer spielend durch die jeweilige nationale Liga marschierte und viermal lange vor Saisonende bereits als Meister feststand sowie Gruppensieger in der Königsklasse wurde - um dann spätestens im Halbfinale auszuscheiden.

Warum also sollte man nun, am Tag der Achtelfinal-Auslosung (lesen Sie hier erste Analysen zu den Spielen im Achtelfinale) über die Topfavoriten in der Champions League sprechen? Weil die Gemengelage in Europas Spitze in dieser Saison eine andere ist als in den Jahren zuvor.

In den vergangenen fünf Spielzeiten ging der CL-Titel stets nach Spanien. Und auch wenn am Ende immer Kleinigkeiten mitentschieden, waren Real Madrid (2014, 2016, 2017, 2018) und der FC Barcelona (2015) - aus eigener Stärke heraus, aber auch weil der Konkurrenz stets etwas fehlte - gut vorherzusehende Sieger. In dieser Saison ist der Favoritenkreis so groß und so schwer prognostizierbar wie lange nicht.

Acht Mannschaften können den Titel gewinnen

Unabhängig von den zum Teil übermächtig wirkenden Gegnern im Achtelfinale sind sieben Vereine auf dem Weg zum Finale am 1. Juni in Madrid chancenlos: Der in der Bundesliga um den Anschluss ans Mittelfeld kämpfende FC Schalke, Gruppensieger FC Porto, Ajax Amsterdam, Olympique Lyon und die AS Rom sowie aus der Premier League der abgestürzte dreimalige Champions-League-Sieger Manchester United und Tottenham Hotspur.

Eine Sonderrolle nimmt Borussia Dortmund ein. Die Leistungen des Bundesliga-Tabellenführers lassen vieles möglich erscheinen. Die beiden Spiele gegen Atlético (4:0 und 0:2) haben gezeigt, dass der BVB an herausragenden Tagen sogar eine der besten Abwehrreihen der vergangenen Jahre in große Verlegenheit stürzen, an einem normalen Tag aber eben auch klar verlieren kann. Der jungen Dortmunder Mannschaft fehlt ein entscheidender Faktor, um die Champions League gewinnen zu können: Erfahrung. Bei diesen acht Klubs sieht das anders aus:

Karim Benzema
REUTERS

Karim Benzema

Real Madrid

Titelverteidigung? Schwierig bis unmöglich. Drei Titel in Serie? Gab es doch das letzte Mal in den Siebzigerjahren. Die Königlichen haben in den vergangenen Jahren ungeschriebene Gesetze missachtet und die Champions League dreimal in Folge gewonnen. Warum also kein vierter Titel, wie es Real in den Anfangsjahren des Europapokals der Landesmeister vorgemacht hatte? Dagegen sprechen der Weggang von Torgarant Cristiano Ronaldo, die daraus resultierende Schwäche in der Chancenverwertung und die Unerfahrenheit von Trainer Santiago Solari. Letztlich weiß aber keine andere Mannschaft in Europa, was es bedeutet, sich auf entscheidende Spiele zu konzentrieren.

Pep Guardiola
NIGEL RODDIS/EPA-EFE/REX

Pep Guardiola

Manchester City

Der englische Meister hat in dieser Saison bereits zwei Niederlagen hinnehmen müssen, gegen Lyon und in der Premier League gegen Chelsea. Zudem hat City mit dem FC Liverpool einen ernsthaften Konkurrenten um die nationale Meisterschaft. Guardiola wird oft vorgeworfen, die Konzentration seiner Teams nicht über neun Monate aufrechterhalten zu können. Für die nötige Spannung könnte nun Liverpools Erfolg sorgen - nur könnte City dann die körperliche Frische fehlen für den ersten CL-Titel. Teams aus England haben wegen der fehlenden Winterpause, der vielen Pflichtspiele und der hohen Leistungsdichte weiterhin einen Nachteil.

Luis Suárez (l.) und Lionel Messi
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Luis Suárez (l.) und Lionel Messi

FC Barcelona

Real Madrid hat bereits fünf Spiele in der spanischen Liga verloren, und Barça steht in der Tabelle trotzdem nur fünf Punkte vor dem großen Rivalen? Ja, auch Barcelona hat in dieser Saison bereits mit massiven Problemen zu kämpfen gehabt. Vier Gegentore gegen Betis in einem Heimspiel ist mehr als ein Ausrutscher. Die Offensive mit Lionel Messi, Luis Suárez, Ousmane Dembélé und Philippe Coutinho ist immer noch fähig, große Partien zu entscheiden. In defensiven Umschaltbewegungen zeigt Barcelona aber vermehrt Schwächen, das können schnell spielende Teams ausnutzen.

Thomas Tuchel (l.) und Neymar
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Thomas Tuchel (l.) und Neymar

Paris Saint-Germain

Seit PSG am ersten Spieltag der Gruppenphase in Liverpool verlor, stand für deutsche Medien fest: Trainer Thomas Tuchel steht massiv unter Druck und im Umkehrschluss unmittelbar vor der Entlassung. Letztlich gewannen die Pariser ihre Gruppe doch noch, Tuchel hat seinem Team mehr taktische Möglichkeiten an die Hand gegeben. PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi kann die Kritik an seinem Coach ohnehin nicht nachvollziehen: "Für mich ist Tuchel der beste Trainer der Welt", sagte er nach dem Sieg im Rückspiel gegen Liverpool. Das größte Problem für Paris: Der im Grunde jetzt schon feststehende Titelgewinn in Frankreich.

Alisson Becker
PETER POWELL/EPA-EFE/REX

Alisson Becker

FC Liverpool

Der Vorjahresfinalist hat zwei Schwachpunkte im Kader ausgewechselt. Torhüter Alisson Becker hat eine sehr geringe Fehlerquote, mit dem starken Innenverteidiger Virgil van Dijk steht so die beste Abwehr der Premier League zur Verfügung. Die Auswärtsniederlagen gegen Neapel, Belgrad und Paris in der Champions League haben aber gezeigt, dass die Reds immer am oberen Limit spielen müssen, um zu gewinnen. Es gilt wie bei ManCity: Sollte Liverpool bis Mai im Titelkampf der Premier League gefordert sein, wird der in der Breite schwächer werdende Kader nicht im Drei-Tages-Rhythmus Topleistungen abrufen können.

Niko Kovac
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Niko Kovac

FC Bayern

Wie kann eine Mannschaft, die in Heimspielen gegen Augsburg (1:1), Freiburg (1:1) und Düsseldorf (3:3) durch späte Gegentore sechs Punkte verloren hat, zum Favoritenkreis der Champions League gezählt werden? Weil es eben nicht die eine alles überragende Mannschaft gibt und Bayern anders als der BVB sehr viel Erfahrung mitbringt. Die Probleme werden durch ein 4:0 in Hannover nicht weggewischt. Der Kader bleibt überaltert, Trainer Niko Kovac fehlen Wechseloptionen, gegen schnell umschaltende Mannschaften fehlt Tempo in der Rückwärtsverteidigung und zu viele Stammspieler sind nicht in Topform. Nun ist den Münchnern auch noch das Losglück abhandengekommen - gegen Liverpool droht das ungewohnt frühe Aus.

Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo

Atlético Madrid und Juventus

In Deutschland blicken alle auf das Achtelfinale zwischen Bayern und Liverpool. Es gibt aber noch ein zweites Spitzenduell, bei dem einer der Titelfavoriten auf der Strecke bleiben wird. Mit großer Routine, Abgeklärtheit und Zweikampfstärke stellen Atlético und Juventus die besten Defensivreihen Europas. Während sich die Madrilenen aber kaum weiterentwickeln und auf hohem Niveau stagnieren, hat sich Juve mit Cristiano Ronaldo entscheidend verstärkt. Der Portugiese war in 21 Pflichtspielen bereits an 20 Toren direkt beteiligt. Wie in den Vorjahren in Madrid verleiht Ronaldo Juventus eine spezielle Siegermentalität, die gegen Ende der Saison entscheidend sein kann. Die Niederlagen gegen Manchester United und Young Boys Bern haben gezeigt, dass Turin keine Übermannschaft ist - auch wenn sie letztlich nicht entscheidend waren. Übrig bleibt das überragende Zusammenspiel von Offensive und Defensive.

Fazit: Juventus gewinnt die Champions League.



insgesamt 42 Beiträge
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hileute 17.12.2018
1. Oder einfacher gesagt
die Mannschaft wo cr7 spielt?? Schon eine interessante Schlussfolgerung??????
Dr.Zou 17.12.2018
2. Richtig ist
Eintracht Frankfurt gewinnt den Uefa Cup
wahn-sinn 17.12.2018
3. Ausnahmsweise mal richtig analysiert!
Normalerweise hat DER SPIEGEL zwei Ressorts, in denen er selten glänzt: Kultur/Kino und Fußball. Doch dieser Analyse kann ich fast uneingeschränkt zustimmen. In der Tat haben ManCity und Liverpool eine Chance, aber das ist mit enormen Kraftakten verbunden, zumal die Engländer die wohl härteste Liga in Europa haben: selbst zwischen Weihnachten müssen sie spielen - da liegen die Bayern- und Dortmundstars irgendwo in der Karibik! Und Barca und Real traue ich es nicht wirklich zu. Real ist einfach diese Saison zu schlecht, und Barca hinten extrem anfällig in der Defensive. Ergo: Juve ist bockstark. Alle die sich hier über die Analyse wundern verfolgen entweder nicht die tal. Liga, oder haben in dieser Saison kein Spiel der Turiner gesehen. Die sind bockstark und defintiv einer der Kandidaten auf einen Sieg in der CL!
spmc-125536125024537 17.12.2018
4. Armer Gigi Buffon
Das wäre die Höchststrafe, wenn Juve nach seinem Wechsel zu PSG die CL gewinnt
milkyway23 17.12.2018
5.
Das was anderen Mannschaften wie dem FC Bayern die letzten beiden Jahre unter anderem gefehlt hatte, war ein Schiedsrichter der - In zwei aufeinanderfolgenden Jahren - eklatante Fehlentscheidungen für das Team pfeift. Das sollte man nicht vergessen. Real hat die letzten beiden Jahre nicht aus eigener Kraft gewonnen. Dazu kommen die regelmäßig gesteuerten Auslosungen der UEFA....
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