Bayern-Torjäger Lewandowski Die Tormaschine stottert

Beim Halbfinal-Rückspiel bei Real Madrid hängt viel von Robert Lewandowski ab: Kann er für den FC Bayern endlich ein großes Spiel entscheiden? Der Torjäger steckt in seiner ersten Münchner Krise.

Robert Lewandowski im Hinspiel
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Robert Lewandowski im Hinspiel

Aus Madrid berichtet Florian Kinast


Für den FC Bayern, das bekannte Karl-Heinz Rummenigge noch am Montag, wird es in Madrid mit jedem Mal schwerer - ein neues Quartier zu finden. "Wenn wir irgendwo verlieren, wechseln wir beim nächsten Mal grundsätzlich das Hotel", meinte der Klub-Boss vor dem Abflug am Münchner Flughafen und schob hinterher: "Ich hoffe, wir haben diesmal das richtige." Die Bayern haben in Madrid zuletzt oft verloren, dreimal in den vergangenen vier Jahren scheiterten sie an einem Klub aus der spanischen Hauptstadt, 2014 und 2017 an Real, 2016 an Atlético, gegen die man im Herbst 2016 auswärts auch im Gruppenspiel der Vorrunde verlor.

Um die Niederlagenserie zu beenden - und damit die abergläubischen Münchner beim nächsten Besuch wie diesmal im "Hotel Plaza España Design" residieren könnten - braucht es nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel wichtige Komponenten. "Mut, Leidenschaft, viel Kampf und mehr Glück", sagte Rummenigge. Was sie aber mutmaßlich auch benötigen, ist ein treffsicherer Robert Lewandowski.

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Bayerns Niederlage gegen Real: Zwei Gegentreffer, zwei bittere Verletzungen

Der polnische Nationalstürmer erlebt in München gerade die schwierigste Phase seit seinem Wechsel zum FC Bayern 2014, und sieht sich immer öfter mit der Kritik konfrontiert, dass es ihm nie gelinge, wirklich bedeutende Spiele für den FC Bayern auch einmal im Alleingang zu entscheiden.

In diesem Punkt schoss sich gerade Oliver Kahn nach dem Hinspiel in München auf Lewandowski ein. "Ich sehe ihn in diesen Spielen zu wenig. Er hat diesen Status, den er haben will. Dem wird er in solchen Spielen aber nicht gerecht."

Seit Wochen kursieren Wechsel-Spekulationen

Fakt ist: Seit Lewandowski in München spielt, erreichten die Bayern nie mehr das Finale der Champions League. Vergangenes Jahr fehlte er gegen Real wegen einer Schulterverletzung im Viertelfinal-Hinspiel, im Rückspiel schoss er immerhin das 1:0, bevor die Bayern in der Verlängerung 2:4 unterlagen. Tatsache ist aber auch, dass der Stürmer an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere angekommen ist. Im August wird er 30, es bleiben nicht mehr viele Jahre, als gut bezahlter Top-Stürmer bei einem anderen europäischen Spitzenklub unterzukommen.

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Noch am Montag erklärte Rummenigge: "Wir sind froh, dass er bei uns ist und auch im nächsten Jahr bei uns sein wird." Eine deutliche Anspielung auf die seit Wochen kursierenden Spekulationen, der Stürmer liebäugle mit einem Wechsel zu Real. Schließlich hatte Lewandowski erst Ende 2016 bis 2021 verlängert. Allerdings: Wer die Gesetze des Transfermarkts kennt, weiß: Verträge sind dazu da, um für stattliche Ablösesummen aufgelöst zu werden.

Freilich hat auch Lewandowski selbst zu all der Unruhe beigetragen, längst hätte er auf all die vielen Nachfragen zu seiner Zukunft mit einem klaren, auch verbalen Bekenntnis zum FC Bayern die Diskussionen beenden können. Doch meist lavierte er nur vage herum, seine Antworten ließen Platz für Interpretationen.

Lewandowski vermittelt seit Jahren auch nie das Gefühl, wie es etwa Franck Ribéry oder Arjen Robben tun: den FC Bayern und München an sich verinnerlicht zu haben. Trotz seiner vielen Tore wurde er nie zum Publikumsliebling, man respektiert ihn, aber man liebt ihn nicht.

Robert Lewandowski im Training
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Robert Lewandowski im Training

Lewandowski, der auch in der Mannschaft eher als Einzelgänger unterwegs ist, will aber, wie es scheint, auch gar nicht Identifikationsfigur eines Vereins sein, den er womöglich nur als Durchgangsstation auf dem Weg zu größeren Klubs sieht. Sein beleidigter Groll, als er den Mitspielern die Schuld gab, 2017 nicht Torschützenkönig der Bundesliga geworden zu sein, dann das Engagement seines neuen und bestens vernetzten Beraters Pini Zahavi - all das warf Fragen auf, ob er wirklich bis zum Karriereende in München bleiben will.

"Vier Tore schoss Lewandowski"

Die Verantwortlichen nahmen ihn natürlich am Montag in Schutz. "Robert ist eine Tormaschine, die Diskussionen sind lächerlich", murrte Klub-Chef Rummenigge, während Trainer Jupp Heynckes gar Vergleiche mit sich selbst zog: "Wir hatten viele große Torjäger in Deutschland, Klaus Fischer, Gerd Müller, und ich kann mich sicher auch dazu rechnen. Solche Durststrecken haben wir alle mal gehabt."

Heynckes machte klar, dass Lewandowski am Dienstag von Anfang an spielen und er den zuletzt überzeugenden Sandro Wagner höchstens als Joker bringen werde. "Sandro kann eine Waffe werden während des Spiels. Wenn ich riskieren muss, kann es sein, dass ich ihn neben Lewandowski hinstelle."

Vierfach-Torschütze Lewandowski im BVB-Trikot
REUTERS

Vierfach-Torschütze Lewandowski im BVB-Trikot

Zum Ende erinnerte Heynckes an ein großes Spiel, in dem Lewandowski durchaus überzeugte. An das 4:1 von Borussia Dortmund 2013 im Halbfinal-Hinspiel. Ebenfalls gegen Real Madrid. "Vier Tore schoss Lewandowski. Schauen Sie nur mal. Wer weiß, was morgen passiert."

Trifft er also? Oder nicht? Wird er gefeiert oder wird die Kritik noch lauter? Eine Gratwanderung. Stürmer-Schicksal.



insgesamt 32 Beiträge
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molli55 01.05.2018
1. Mein Gott, was
für Luxussorgen...der Typ kassiert 12 Mios im Jahr, minimum...und ist eine Mensch, und keine Maschine. Und auch ohne Triple geht das Leben beim FCB komfortabel weiter.
Freidenker10 01.05.2018
2. Schönwetterspieler
Das Problem der Bayern, zumindest international, sind die fehlenden Gewinnertypen. Einzig Ribery und Robben wollen immer gewinnen und tun auch alles dafür. Ein Lewandowski ist ein Spieler der top spielt wenn es sowieso läuft, aber wenn nicht dann ist auch von ihm nichts zu sehen. Er ist ein Spielertyp wie Özil oder Kroos, also ein Topspieler aber kein Gewinnmonster. Vidal würde ich noch nennen, aber er ist recht limitiert als Spieler, zumindest die Mentalität stimmt auch wenn er manchmal überdreht und rot kasiert. Ein Müller will auch gewinnen, kann aber weder ein Spiel noch die Mannschaft drehen wenns schlecht läuft. Typen wie Kahn, Effenberg und co. fehlen den Bayern und wenn Robben fehlt weiß doch der Gegner das man nur Ribery kaltstellen muss und das wars dann. Da hat Bayern wenn sie den Umbruch schaffen wollen, noch ganz schön was zu tun auf dem Transfermarkt, denn Mitläufer hat man schon genug...
Sal.Paradies 01.05.2018
3. EIne breite AUswahl an guten Hotels
Da müssen sich die Bayern keine Sorgen machen. In und um Madrid gibt es noch etliche gute Absteigen, so dass auch die nächsten Jahre keine echten Probleme aufkommen solten. Was aber ist eigentlich, wenn die Bayern die Heimspiele (wie letzte Woche) verlieren? Braucht es da auch gleich ein neues Übungsgelände oder steht gar ein Umzug nach Nürnberg an, weil die AA verhext scheint? Was Lewa angeht, war der schon immer unterkühlt und das wird sich nicht mehr ändern. Wobei schon die Frage ist, ob die Bayern noch jemanden für`s Herz oder einen Torjäger benötigen? Und das ein R.Lewandowski seine Karriere in München beendet ist absolut unwahrscheinlich. Jemand wie er geht mind. noch nach China oder USA, um nochmals sein karges Salär ein weing aufzuhübschen. Und wo dieser "große Club" sein soll, zu dem Lewa wechselt, möchte ich gerne wissen? Also in Europa werden wir da wohl eher nicht fündig. Oder glaubt irgend jemand, dass z.B. Real für einen 30`jährigen XXX-Mio.€ bezahlt? Absurd. Und warum gerade Real, die den ultimativen Goalgetter haben einen Mittelstürmer benötigen, ist mir nicht völlig klar? Um Ronaldo Tore und damit die Schau zu stellen? Wohl eher nicht. Blieben noch Barca und PSG, aber die kaufen lieber "junge" Leute und niemanden, der kurz vor der Rente steht. Und das war`s dann schon mit "großen" Clubs, lieber SPON. Oder ordnet Ihr jetzt Clubs wie ManCi/ManUnited/Juve "größer" als den FCB ein? Eine lächerliche Idee, aber euch in Hamburg ist so eine Narretei durchaus zuzutrauen. Für heute Abend jedenfalls alles gute, liebe Bayern. Möge die Macht mit Lewa sein.....
pythagoräische Bohne 01.05.2018
4. Genöhle aus Bayern
Zitat von Sal.ParadiesDa müssen sich die Bayern keine Sorgen machen. In und um Madrid gibt es noch etliche gute Absteigen, so dass auch die nächsten Jahre keine echten Probleme aufkommen solten. Was aber ist eigentlich, wenn die Bayern die Heimspiele (wie letzte Woche) verlieren? Braucht es da auch gleich ein neues Übungsgelände oder steht gar ein Umzug nach Nürnberg an, weil die AA verhext scheint? Was Lewa angeht, war der schon immer unterkühlt und das wird sich nicht mehr ändern. Wobei schon die Frage ist, ob die Bayern noch jemanden für`s Herz oder einen Torjäger benötigen? Und das ein R.Lewandowski seine Karriere in München beendet ist absolut unwahrscheinlich. Jemand wie er geht mind. noch nach China oder USA, um nochmals sein karges Salär ein weing aufzuhübschen. Und wo dieser "große Club" sein soll, zu dem Lewa wechselt, möchte ich gerne wissen? Also in Europa werden wir da wohl eher nicht fündig. Oder glaubt irgend jemand, dass z.B. Real für einen 30`jährigen XXX-Mio.€ bezahlt? Absurd. Und warum gerade Real, die den ultimativen Goalgetter haben einen Mittelstürmer benötigen, ist mir nicht völlig klar? Um Ronaldo Tore und damit die Schau zu stellen? Wohl eher nicht. Blieben noch Barca und PSG, aber die kaufen lieber "junge" Leute und niemanden, der kurz vor der Rente steht. Und das war`s dann schon mit "großen" Clubs, lieber SPON. Oder ordnet Ihr jetzt Clubs wie ManCi/ManUnited/Juve "größer" als den FCB ein? Eine lächerliche Idee, aber euch in Hamburg ist so eine Narretei durchaus zuzutrauen. Für heute Abend jedenfalls alles gute, liebe Bayern. Möge die Macht mit Lewa sein.....
Zumindest Schweinsteiger sieht es anders: "Bayern Munich is a big club but Manchester United is bigger." Im Kontext war das allerdings nicht bezogen auf aktuelle Stärke, sondern auf weltweite Bekanntheit/Popularität, denn da gehört Bayern nicht unbedingt zu den ganz großen. Überhaupt ist das Erreichen des HFs zwar durchaus honorig, aber für Bayern als praktisch automatischer Gruppenkopf und auch dieses Mal wieder mit Losglück nicht allzu überraschend. In den letzten Jahren war an den großen internationalen Gegner jedenfalls kein Vorbeikommen. Das heutige Spiel wird daran kaum etwas ändern, immerhin könnte Lewandowski versuchen, sich zu profilieren. Es ist nämlich doch ziemlich unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren mit alternden Robben und Ribery ein Sieg in diesem Wettbewerb möglich sein wird, da sind andere besser aufgestellt.
briancornway 01.05.2018
5. Läuft
Zitat von Freidenker10Das Problem der Bayern, zumindest international, sind die fehlenden Gewinnertypen. Einzig Ribery und Robben wollen immer gewinnen und tun auch alles dafür. Ein Lewandowski ist ein Spieler der top spielt wenn es sowieso läuft, aber wenn nicht dann ist auch von ihm nichts zu sehen. Er ist ein Spielertyp wie Özil oder Kroos, also ein Topspieler aber kein Gewinnmonster. Vidal würde ich noch nennen, aber er ist recht limitiert als Spieler, zumindest die Mentalität stimmt auch wenn er manchmal überdreht und rot kasiert. Ein Müller will auch gewinnen, kann aber weder ein Spiel noch die Mannschaft drehen wenns schlecht läuft. Typen wie Kahn, Effenberg und co. fehlen den Bayern und wenn Robben fehlt weiß doch der Gegner das man nur Ribery kaltstellen muss und das wars dann. Da hat Bayern wenn sie den Umbruch schaffen wollen, noch ganz schön was zu tun auf dem Transfermarkt, denn Mitläufer hat man schon genug...
Das sagt man über viele Spieler, wobei es auch heißen könnte, dass es für die ganze Mannschaft nicht gut läuft, wenn der Spieler seine individuelle Klasse nicht auf den Platz bringen kann. Lewandowski wird bei Real seit 5 Jahren ein mit Hochachtung beobachteter Spieler sein, und inzwischen versuchen die Gegner auch, ihn von Anfang an aus dem Spiel zu nehmen. Das bringt seinen Mitspielern ein Plus an Raum, lässt ihn aber schlecht aussehen. Wenn er heute nicht glänzen kann, werden vielleicht auch Reals Begehrlichkeiten ein bisschen leiser, das wird die Bayern wohl kaum stören. Und falls er seine Mannschaft zum Sieg führt, sowieso nicht.
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