Bayerns Sieg gegen Anderlecht Wie Falschgeld

Miese erste Hälfte, Geldbündel auf dem Feld, Thiago schwer verletzt: Der FC Bayern hat in Anderlecht einen unerfreulichen Abend verlebt. Immerhin bleibt der Gruppensieg möglich - zumindest in der Theorie.

Von Sabrina Knoll


Das Fernduell: Während Paris Saint-Germain Celtic Glasgow mit 7:1 (4:1) aus dem Parc des Princes schoss, gelang den Bayern, die PSG doch so gern noch die Tabellenführung in Gruppe B streitig machen würden, lediglich ein mühsamer und glanzloser Sieg gegen den Gruppenletzten RSC Anderlecht.

Das Ergebnis: 1:2 (0:0). Der FC Bayern München hat sich gegen punkt- und torlose Belgier lange schwergetan, sich aber zumindest die theoretische Chance auf den Gruppensieg erhalten. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte : Nach 16 Minuten der erste harmlose Torschuss aus der Distanz, nach 45 Minuten der erste Freistoß aus vielversprechender Position: Vom FC Bayern war in der Hälfte der Gastgeber kaum etwas zu sehen. Mehr noch: Die Bayern leisteten sich einige Nachlässigkeiten, die immer wieder in Chancen für laufstarke Gegner mündeten. RSC-Angreifer Lukasz Teodorczyk kam gleich zu vier guten Gelegenheiten. Die Belgier schienen schlicht zu überrascht ob all dieser Möglichkeiten, sodass sie es nicht schafften, diese Chancen auch zu nutzen. Den Freistoß kurz vor der Pause setze Robben übrigens ebenfalls weit über Mauer und Kasten hinweg.

Marco Friedl
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Marco Friedl

Der Neue: Im Hinspiel war sein Name erstmals auf der Kaderliste der Bayern zu finden, in Anderlecht stand er nun in der Startelf: Marco Friedl, 19 Jahre, Defensivkraft aus Österreich, seit 2008 in München. Der Kumpel von David Alaba machte seine Sache ordentlich. Gut genug vielleicht, damit Trainer Jupp Heynckes sich künftig auch an den Namen seines Nachwuchsspielers erinnert. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Celtic Glasgow sprach er von der neuen Kraft im Kader, oder er wollte es, sagte aber nur: "Ich weiß nur, Marco heißt er mit Vornamen." Vielleicht hätte er Sportdirektor Hasan Salihamidzic fragen sollen. Andererseits lassen sich Nachnamen schwer über YouTube recherchieren.

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Bayerns Erfolg beim RSC Anderlecht: Friedl, Freude, Eierkuchen

Die zweite Hälfte: Nachdem kurz vor der Pause bereits Thiago verletzt ausgewechselt werden musste, zeigte kurz nach Wiederanpfiff auch Arjen Robben nach einem Zweikampf an: Für mich geht es nicht weiter. Wie ausgewechselt, wie es auch im übertragenen Sinne gerne heißt, kamen die Bayern zwar nicht aus der Kabine, dafür aber deutlich williger. So viel williger immerhin, dass sie auf den Ausgleich durch Sofiane Hanni (63.) nach Robert Lewandowskis Führungstreffer (58.) direkt eine Antwort durch Corentin Tolisso (77.) parat hatten.

Der Aufreger: Bis zu 100 Euro sollten die Tickets für dieses Gruppenspiel im Brüsseler Constant Vanden Stock Stadium für die Gäste-Anhänger kosten. Zu viel, fanden die Fans. Einige boykottierten die Auswärtsfahrt, andere protestierten auf und von den Rängen. "Kriegt ihr den Hals nicht voll? Is your greed now finally satisfied?" stand auf den Protest-Bannern im Gäste-Block. Gleichzeitig flogen Euro- und Dollarbündel aufs Spielfeld, die vor dem nächsten Eckball von einem Torschiedsrichter eingesteckt, ähm, weggeräumt wurden.

Ein Torschiedsrichter sammelt Spielgeld auf
DPA

Ein Torschiedsrichter sammelt Spielgeld auf

Die Erkenntnis des Abends: Dass es den Bayern gelungen ist, ihr schlechtestes Spiel in dieser Champions-League-Saison zu gewinnen, spricht ja fast schon wieder für die Münchner. Und doch bleibt selbst für Heynckes, der nun seinen neunten Pflichtspielsieg in Folge abhaken darf, einiges zu tun. Denn nun müssen die Bayern am 5. Dezember gegen Paris (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky) nicht nur gewinnen, sondern auch das 0:3 aus dem Hinspiel übertreffen. Und das ohne Thiago, der laut Salihamidzic "wohl mehrere Monate" ausfallen wird, vielleicht auch ohne Robben. Andererseits scheint unter Serien-Held Heynckes dieser Tage ja alles möglich.

RSC Anderlecht - Bayern München 1:2 (0:0)
0:1 Lewandowski (51.)
1:1 Hanni (63.)
1:2 Tolisso (77.)

Anderlecht: Sels - Appiah, Spajic, Kara, Deschacht - Trebel, Kums - Gerkens (64. Onyekuru), Dendoncker, Hanni (70. Bruno) - Teodorczyk (82. Harbaoui)
München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Süle, Friedl - Tolisso, Rudy - Robben (47. Martinez), Vidal (87. Hummels), Thiago (44. James) - Lewandowski
Schiedsrichter: Taylor (England)
Gelbe Karten: Spajic, Dendoncker / Boateng, Lewandowski, Ulreich
Zuschauer: 20.000



insgesamt 81 Beiträge
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kortumsonne 23.11.2017
1. Frühes Aus
Die Bayern werden Gruppenzweiter, damit droht ein starker Gegner im Achtelfinale...und das schnelle Aus. Leider bald bittere Realität, die Mannschaft hat insgesamt nicht die Qualität für mehr. Heynckes ist kein Zauberer...
stoffi 23.11.2017
2. Miese erste Hälfte, ja aber
Warum sollten sie höher springen, als sie müssen? das sie sich nicht auf Zweikämpfe einlassen wollten, liegt sicher auch daran, das sie bereits weiter sind und wussten, wie rustikal die Belgier zur Sache gehen. Hat sich dann ja auch bestätigt, denn es musste verlezungsbedingt ausgewechselt werden. Der Schiri hat es nicht verstanden, solche Fouls der Belgier zu unterbinden. So wurde einfach nur ein Arbeitssieg daraus. Gehts aber um was, können sich die Bayern enorm steigern, so das sie JEDEM Gegener gewachsen sind.
Barças Superstar 23.11.2017
3. erster oder zweiter, egal
@ 1: ein frühes Aus kann auch als Gruppenzweiter drohen, für jeden Verein übrigens. Anderlecht hat wenigstens gezeigt, wie man es macht gegen die Bajuvaren, wenn auch ohne zählbares Ergebnis.
joshuapeik 23.11.2017
4. @kortumsonne
Na das ist ist ja mal ne steile These! Warum sollte das frühe Aus drohen? Es gibt in der aktuellen CL-Saison einige Top-Mannschaften auf Augenhöhe, und dazu gehört auch sicherlich der FC Bayern.
romeov 23.11.2017
5. Abbuzze
...und weiter, das ist Fußball!
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