Bayern-Remis in Valencia: Punkt und gut
Der FC Bayern steht dank des Unentschiedens bei Valencia im Achtelfinale der Champions League, doch ein Nachgeschmack bleibt. Grund war eine andere Partei, rund 3500 Kilometer entfernt - sie raubte dem Spiel der Münchner jegliche Spannung.
Versprach das Champions-League-Spiel des FC Bayern beim FC Valencia im Vorfeld noch Spannung, wurde diese rund eine Stunde vor dem Anpfiff auf ein Minimum reduziert. Grund dafür war die Partie zwischen Bate Borissow und dem OSC Lille rund 3500 Kilometer nordöstlich von Valencia. Weil die Weißrussen 0:2 verloren hatten, war klar: Valencia war bereits für das Achtelfinale qualifiziert, die Bayern benötigten nur noch einen Punkt für die K.o.-Runde, den sie durch das 1:1 bei den Spaniern auch einheimsten.
Weil die beiden Partien der Gruppe F nicht zeitgleich stattfanden, verkam das Spiel der Münchner unfreiwillig zum Langweiler. Auch wenn Bayern-Stürmer Mario Gomez nach seinem ersten Pflichtspiel-Kurzeinsatz in dieser Saison behauptete: "Der Trainer hatte uns auf Sieg eingestellt." Doch die Münchner hatten offensichtlich Probleme bei der Umsetzung dieser Vorgabe.
Immerhin: Die Bayern machten von Beginn an den Eindruck, dass sie den letzten benötigten Punkt für das Weiterkommen unbedingt schon an diesem Abend holen wollten. Und schließlich ging es zwischen München und Valencia auch um Platz eins in der Gruppe F.
Besonders risikofreudig gingen die Bayern aber nicht zu Werke. Die ersten beiden Chancen des Spiels ergaben sich nach Standards: Dante köpfte zunächst deutlich am Tor vorbei (8. Minute), dann zwang der Verteidiger Valencias Torwart Vicente Guaita zu einer Glanztat (18.). Die Bayern störten früh und spielten oft gefällig nach vorne. Weil es ihnen aber mindestens genauso wichtig war, nicht in Konter zu laufen, kamen sie kaum in Überzahlsituationen. Wie gut die Gäste defensiv standen belegt die Tatsache, dass die sonst so heimstarken Spanier erstmals in der 32. Minute auf das Bayern-Tor schossen, Keeper Manuel Neuer allerdings mit einer Glanztat parierte.
Der einzige echte Aufreger in Halbzeit eins ereignete sich eine Minute später, als Valencias Antonio Barragan aus vollem Lauf in David Alaba hineinrutschte. Der Bayern-Profi konnte gerade noch abheben und eine schlimme Verletzung verhindern. Die Rote Karte war hochverdient, Barragan und seine Mitspieler reklamierten nicht einmal.
Für die Bayern war der Platzverweis taktisches Gift. Sie nutzten ihre Überzahl lediglich für den Versuch, den Gegner zu kontrollieren und müde zu spielen. Doch dabei erlahmte das Gegenpressing, Valencia kam zu Chancen. "Mit elf gegen elf haben wir fast besser gespielt. Wir haben mehr Räume gehabt, aber zu wenig Chancen rausgespielt", sagte Toni Kroos später.
Das 1:0 für Valencia durch Feghouli in der 77. Minute war zwar nach einem unberechtigten Freistoß und einem unglücklich abgefälschten Schuss gefallen; doch es war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unverdient, weil Valencia die besseren Möglichkeiten gehabt hatte. Allein der eingewechselte Mario Mandzukic hätte für die Bayern die Führung erzielen können, sein Kopfball landete aber am Außenpfosten (71.).
Doch nach dem Rückstand ging es bei den Bayern plötzlich ganz schnell - der eine Punkt war ja nun in Gefahr. Fünf Minuten später fiel der Ausgleich. Eine scharfe Hereingabe von Philipp Lahm ließ der drei Minuten zuvor eingewechselte Mario Gomez für Thomas Müller abtropfen, und der traf ins rechte Eck.
Damit hatten die Bayern ihren Punkt, waren ebenso im Achtelfinale wie Valencia. Aber diese Konstellation in der Gruppe F mit zwei Spielen, die zu verschiedenen Zeiten angepfiffen wurden, warf doch Fragen auf. Als die Bayern Anfang Oktober bei Borissow 1:3 verloren, war die Partie noch um 20.45 Uhr deutscher Zeit angepfiffen worden. Weißrussland hat im vergangenen Jahr die Winterzeit abgeschafft, nach der Umstellung auf diese in Mitteleuopa beträgt der Zeitunterschied derzeit zwei Stunden. Das Spiel gegen Lille hätte also Ortszeit 22.45 Uhr angepfiffen werden können - für die Uefa offensichtlich zu spät. Das wirft die Frage auf, ob das in Zukunft nicht geändert werden muss.
FC Valencia - Bayern München 1:1 (0:0)
1:0 Feghouli (77.)
1:1 Müller (82.)
Valencia: Guaita - Barragán, Rami, Ricardo Costa, Cissokho - Tino Costa, Parejo (75. Jonas) - Feghouli, Banega (80. Albelda), Guardado (86. Valdez) - Soldado
München: Neuer - Lahm, Dante, Badstuber, Alaba - Martínez, Schweinsteiger - Müller, Kroos (66. Shaqiri), Ribéry (79. Gomez) - Pizarro (66. Mandzukic)
Schiedsrichter: Webb (England)
Zuschauer: 35.407
Rote Karte: Barragán (Valencia) wegen groben Foulspiels (33.)
Gelbe Karten: Barragán, Soldado (3), Guaita - Dante (2), Martínez (2)
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- Mittwoch, 21.11.2012 – 11:14 Uhr
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