Aus im CL-Halbfinale: Barcelona verzweifelt an Chelseas Bollwerk

Von Jan Reschke

Der FC Chelsea hat die Sensation geschafft: In einem dramatischen Champions-League-Halbfinale gelang den Londonern gegen den FC Barcelona der Einzug ins Endspiel - obwohl Kapitän John Terry früh eine Rote Karte gesehen hatte. Bei Titelverteidiger Barça verschoss Lionel Messi einen Elfmeter.

CL-Halbfinale: Messis Drama, Chelseas Triumph Fotos
AFP

Damit hat nun wahrlich kaum jemand gerechnet: Der FC Chelsea steht im Finale der Champions League. Im Halbfinal-Rückspiel spielten die Engländer 2:2 (1:2) beim FC Barcelona, dank des 1:0-Erfolgs im Hinspiel reichte das Ergebnis aber zum Einzug ins Endspiel am 19. Mai in München. Die Führung für die Spanier durch Sergio Busquets (35. Minute) und Andrés Iniesta (43.) glichen Ramires (45.+1) und Fernando Torres (90.+1) aus - obwohl John Terry bereits in der 37. Minute wegen einer Roten Karte des Feldes verwiesen worden war. Bei ihrem Erfolg gegen den Titelverteidiger profitierten die Londoner von einem verschossenen Foul-Elfmeter durch Lionel Messi (49.).

"Im Fußball gewinnt nicht immer der Favorit oder die bessere Mannschaft. Barcelona ist die beste Mannschaft der Welt - das war für uns die Extra-Motivation", sagte Torschütze Torres. "Die Freude ist riesig. In der Kabine sind gerade alle etwas ausgeflippt", so Chelseas spanischer Mittelfeldspieler Juan Manuel Mata: "Es schien so, als würde alles gegen uns laufen. Aber am Ende haben wir uns zusammengerissen und für unseren Traum gekämpft."

Im Vergleich zum Hinspiel bot Barcelonas Trainer Josep Guardiola Piqué und Isaac Cuenca für Dani Alves und Adriano auf. Bei Chelsea gab es hingegen keine Änderungen. Warum auch, siegte das Team doch im Hinspiel in London 1:0.

Guardiola hatte sein Team extrem offensiv ausgerichtet, in der dritten Minute schoss Messi einen Ball ans Außennetz. Chelseas Taktik war so einfach wie eindeutig: totale Verteidigung. Phasenweise stand sogar Stürmer Didier Drogba am eigenen Strafraum und versuchte, das Offensivspiel der Spanier zu unterbinden. Sogar als Außenverteidiger versuchte sich der torgefährliche Angreifer hin und wieder.

Die Engländer kamen nur selten zu Entlastungsangriffen

Chelseas Strategie benötigte in der 12. Minute allerdings einer kleinen Korrektur: Gary Cahill musste verletzt ausgewechselt werden, für ihn kam José Bosingwa, offensiver wurde das Spiel der Engländer dadurch aber nicht. Im Gegenteil, Messi tauchte in der 19. Minute vor Petr Cech auf, doch der parierte.

Es hatte etwas von einer Handball-Partie: Barcelonas Team ließ den Ball um den Strafraum der Gäste zirkulieren, auf die kleinste Lücke lauernd, um einen gefährlichen Ball zu spielen. Chelsea verteidigte mit allem, was laufen konnte. Javier Mascherano versuchte die massive Verteidigung mit einem Distanzschuss zu überwinden, der Ball ging aber drüber (22.).

Die Engländer kamen nur selten zu Entlastungsangriffen, Drogba scheiterte in der 25. Minute am Außennetz. Kurz darauf mussten auch die Spanier wechseln, nach einem Zusammenprall mit Keeper Valdes musste Piqué wenige Minuten später ausgewechselt werden (26.). Für ihn kam Dani Alves.

Terry sieht früh die Rote Karte

Chelseas Zerstörungstaktik zeigte Wirkung, Barcelona tat sich schwer, gute Gelegenheiten herauszuspielen. Der Schuss von Andrés Iniesta war nicht mehr als ein Zeichen der Hilflosigkeit (31.). So unansehnlich das destruktive Spiel von Chelsea war, so erfolgreich funktionierte es zunächst - bis zur 35. Minute, da traf Busquets nach einer tollen Vorarbeit von Cuenca freistehend zum 1:0.

Und es kam noch bitterer für die Gäste, nur zwei Minuten später sah John Terry die Rote Karte, er hatte seinem Gegenspieler Sanchez mit Absicht einen Kniestoß versetzt. Vom aufmerksamen türkischen Schiedsrichtergespann wurde das bemerkt und mit dem Feldverweis geahndet.

Wieder nur sechs Minuten später erhöhte Iniesta, nach einem feinen Pass von Messi, auf 2:0. Jeder im Stadion und vor den Fernsehschirmen hätte in diesem Moment wohl darauf gewettet, dass das die Entscheidung zugunsten der Spanier war, doch es kam anders: Wie aus dem Nichts tauchte Ramires am gegnerischen Strafraum auf und lupfte den Ball gefühlvoll über Torwart Valdes - 2:1, und damit ausreichend für Chelsea, um ins Finale einzuziehen.

Messi vergibt Elfmeter

Diese Hoffnung wäre in der 48. Minute beinahe zerstört worden, nach einem Foul von Drogba an Fabregas entschied Schiedsrichter Cüneyt Cakir auf Strafstoß. Messi, mit 14 Toren in der aktuellen Champions-League-Saison der erfolgreichste Torschütze, trat an - und vergab (48.). Besser machte es auch Sanchez in der 54. Minute nicht, sein Kopfball landete knapp neben dem Tor.

Und in der 62. Minute rettete Cech sein Team erneut, als er einen Schuss von Cuenca parierte. Auf der Gegenseite retteten Carles Puyol und Valdes gemeinsam vor Salomon Kalou (68.). In der Folge tat sich Barça extrem schwer, fand kaum eine Lücke, einzig Busquets Schuss sorgte für etwas Gefahr (78.).

Aufregung gab es in der 82. Minute: Alves spielte nach Meinung der Schiedsrichter aus dem Abseits heraus einen Pass auf Xavi, den dieser auch verwandelte, doch der Treffer zählte nicht. Nur eine Minute später lenkte Cech einen Schuss von Messi aus 18 Metern an den Pfosten. Ein Treffer fiel aber doch noch: Der Ausgleich zum 2:2 durch Fernando Torres in der Nachspielzeit.

Für Barcelona der bittere Schlusspunkt.

FC Barcelona - FC Chelsea 2:2 (2:1)
1:0 Busquets (35.)
2:0 Iniesta (43.)
2:1 Ramires (45.+1)
2:2 Torres (90.+1)
Barcelona: Valdes - Puyol, Pique (26. Alves), Mascherano - Busquets - Xavi, Iniesta - Cuenca (67. Tello), Messi, Fabregas (74. Keita) - Sanchez
Chelsea: Cech - Ivanovic, Cahill (12. Bosingwa), Terry, Cole - Mikel, Meireles - Mata (58. Kalou), Lampard, Ramires - Drogba (80. Torres)
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir
Zuschauer: 95.000
Rote Karten: Terry (37.) wegen einer Tätlichkeit
Gelbe Karten: Iniesta, Messi (2) - Mikel (2), Ramires (3), Ivanovic (3), Cech, Lampard (2), Meireles (5)
Besonderes Vorkommnis: Messi (FC Barcelona, 49.) schießt Foulflfmeter an die Latte

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insgesamt 63 Beiträge
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1.
kornfehlt 24.04.2012
Gratulation! Eine spanische Mannschaft weniger. Morgen wird Real in die Champignonspause geschickt. Ich freue mich schon auf die langen Gesichter.
2. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
Freifrau von Hase 24.04.2012
Wie geil ist das denn bitteschön???? Liebe Bayern, jetzt MÜSST ihr einfach gegen Madrid gewinnen! Das Traumfinale, Bayern gegen Chelsea. Mit echten Siegchancen für die heißgeliebten Bayern. Die arroganten Spanier schauen hoffentlich alle nur zu. Wollten die das Finale nicht schon nach Spanien verlegen, Classico und so? Und an die paar deutschen Barcafanboys, die nach dem Hinspiel ein 5:0 im Rückspiel vorhergesagt hatten: *Ätschebätsch*
3.
butterfield 24.04.2012
Zitat von sysopDer FC Chelsea hat die Sensation geschafft: In einem dramatischen Champions-League-Halbfinale gelang den Londonern gegen den FC Barcelona der Einzug ins Endspiel - obwohl Kapitän John Terry früh eine Rote Karte gesehen hatte. Bei Barça verschoss Lionel Messi einen Elfmeter. Aus im CL-Halbfinale: Barcelona verzweifelt an Chelseas Bollwerk - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,829567,00.html)
Was für ein Spiel. Gratulation an Chelsea! Wird ein Super-Finale gegen Real in München. Herrlich!
4. Gerecht
Currie Wurst 24.04.2012
...nicht das Ergebnis nach destruktivem Spiel. Aber die Aufrechnung gegenüber dem Halbfinale vor 3 Jahren, als Iniesta in der allerletzten Minute damals den Ball in einer Verzweiflungstat ins Tor drosch. Vorher zwei nicht gegebene Elfmeter usw., viel ungerechter ging es nicht und nur dank des Auswärtstores kam Barcelona weiter und wurde Sieger. Folglich Revanche mit umgekehrten Vorzeichen. Und der Gewinner des morgigen Spiels wird dadurch unerwartet zum Favoriten. Uli Hoeneß wird bestimmt kaum schlafen können bei diesem Gedanken :-)
5. Aus die Maus
Systemrelevanter 24.04.2012
Erst gegen Real und nun gegen die alten Herren von Chelsea zu Recht verloren. Übrig bleibt ein entzaubertes Barca und ein haufen Barca-Fantoys, die jetzt wieder alles mit Glück rechtfertigen.
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