ManCitys Debakel beim FC Liverpool Ohne Pep

Kein Schuss aufs Tor des FC Liverpool, drei Gegentreffer in 20 Minuten: Guardiola steht mit Manchester City vor dem Aus in der Champions League. Um noch weiterzukommen, muss er sich von seiner Spielidee entfernen.

Pep Guardiola
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Pep Guardiola


Szene des Spiels: Schiedsrichter Felix Brych hatte die Partie zwischen Liverpool und Manchester City gerade abgepfiffen, da eilte Gäste-Coach Pep Guardiola nach kurzem Handschlag mit seinem Kontrahenten Jürgen Klopp in Richtung Kabine. Dort dürfte der akribische und umtriebige Trainer direkt mit der Nachbereitung des Spiels begonnen haben. Es bleibt nicht viel Zeit, um das Aus in der Königsklasse zu verhindern.

Ergebnis: 3:0 (3:0) gewann der FC Liverpool ohne große Mühe gegen die Citizens und sicherte sich damit eine komfortable Ausgangsposition für das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale kommende Woche Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky). Hier geht's zur Meldung.

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Klopps Sieg gegen Guardiola: 20 Minuten Heavy Metal

Die erste Hälfte: Liverpool war von der ersten Minute an aggressiver in den Zweikämpfen - und auch fußballerisch wusste das Team von Klopp zu überzeugen. Die Belohnung: Mohamed Salah erzielte früh die Führung (12. Minute), allerdings hatte der Ägypter zuvor knapp im Abseits gestanden. Alex Oxlade-Chamberlain per Traumtor aus 20 Metern (21.) und Sadio Mané nach perfekter Flanke von Salah (31.) erhöhten zum 3:0-Halbzeitstand. City wurde in den ersten 45 Minuten überrannt.

Stadionatmosphäre: Während der ersten Hälfte hatte Sky immer wieder mit Tonproblemen zu kämpfen. Kommentator Wolff-Christoph Fuss war nur phasenweise zu hören. Bei der Stimmung in Liverpool war das allerdings fast ein Glücksfall.

Die zweite Hälfte: Am Sky-Mikrofon übernahm Roland Evers in München, Fuss durfte die Partie entspannt anschauen. Auch auf dem Spielfeld wurde es ruhiger: Liverpool verteidigte die Führung bis zum Schluss, City fand keinen Zugang zum Tor der Gastgeber. Einziger Wermutstropfen für Liverpool: Salah musste nach 53 Minuten ausgewechselt werden, der Top-Torjäger der Reds signalisierte Probleme an der Leiste.

Klopp dominiert Pep: 13-mal haben sich Klopp und Pep Guardiola nun als Trainer gemessen. Die Bilanz: siebenmal gewann Klopp, fünfmal setzte sich das Team von Guadiola durch, ein Spiel endete remis. Wie herausragend die Bilanz des Deutschen gegen den Spanier ist, untermauert folgende Statistik: Guardiola hat gegen keinen anderen Trainer, mit dem er sich mindestens dreimal gemessen hat, eine negative Bilanz.

Jürgen Klopp (links), Pep Guardiola
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Jürgen Klopp (links), Pep Guardiola

Das Paradoxon: Kommen wir zu den wesentlichsten Fragen des Spiels. Warum gelang ManCity während der 90 Minuten kein einziger Schuss auf das Tor von Liverpool-Keeper Loris Karius? Und weshalb kassierte der designierte englische Meister drei Gegentore binnen 20 Minuten? Vor dem Spiel hatte Guardiola gesagt, dass Citys Spiel "perfekt für Liverpool" sei und die Reds wie "kein anderes Team der Welt in die Räume stoßen" können. Guardiola wusste also, was Klopp vorhatte. Verhindern konnte er es nicht. Bis Dienstag muss sich der 47-Jährige eine Taktik überlegen, mit der er Klopp überraschen kann. Die bisherige Spielidee wird dazu kaum taugen.

Der unheimliche Milner: Woran denken Sie, wenn es um die Top-Vorlagengeber im europäischen Spitzenfußball geht? Mesut Özil? Kevin De Bruyne? Auf Ihrer Liste fehlt: James Milner. Gegen ManCity bereite der 32-Jährige sein siebtes Tor in der laufenden Champions-League-Saison vor. Ähnliche Werte verzeichneten in den vergangenen Jahren nur Zlatan Ibrahimovic (sieben Torvorlagen, 2012/2013) und Neymar (acht Torvorlagen, 2016/2017).

Liverpools Heimserie hält: Zuletzt konnte Real Madrid im Europapokal bei FC Liverpool gewinnen, das war im Oktober 2014. Seitdem ist der Klub vor eigenem Publikum ungeschlagen. In der Europa League und der Champions League gab es zehn Siege und fünf Unentschieden.

Und Citys Wochenende? Am Samstag empfangen die Citizens im Stadtderby Manchester United (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Durch einen Sieg wäre City Meister. Die Gedanken von Pep Guardiola werden jedoch beim Rückspiel gegen Liverpool sein.

FC Liverpool - Manchester City 3:0 (3:0)
1:0 Salah (12.)
2:0 Oxlade-Chamberlain (21.)
3:0 Mané (31.)
Liverpool: Karius - Alexander-Arnold, Lovren, van Dijk, Robertson - J. Henderson - Oxlade-Chamberlain (85. Moreno), Milner - Salah (53. Wijnaldum), Roberto Firmino (71. Solanke), Mané
Manchester: Ederson - Walker, Otamendi, Kompany, Laporte - Fernandinho, De Bruyne - Gündogan (57. Sterling), Silva, L. Sané - Gabriel Jesus
Schiedsrichter: Brych (Deutschland)
Gelbe Karten: Henderson / De Bruyne, Gabriel Jesus, Otamendi
Zuschauer: 54.074



insgesamt 48 Beiträge
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doppelnass 05.04.2018
1. Vercoacht
Guardiola kann zwar Ligaalltag, aber vor den großen Spielen bekommt er Muffensausen und vercoacht sich regelmäßig. Schon bei Bayern war das so. Es war kein schlauer Schachzug, Sterling draußen zu lassen und DeBruyne defensiver als normal zu stellen. In solchen Spielen fällt ihm nach Rückstand nichts mehr ein. Bayern kann ein Lied davon singen.
RalfHenrichs 05.04.2018
2. Pep bleibt der Trainer, der am meisten überschätzt wird
Er hat eine Spielidee, die funktioniert, wenn er mit sehr viel Geld, die passenden Spieler dafür kaufen kann. Wenn ein anderer Verein eine Taktik dagegen entwickelt, kann Pep nicht reagieren. Deswegen verliert er in der Regel auch die wichtigen Spiele. War bei Bayern genauso. Nur bei Barca hatte er eine Mannschaft, die stark genug war, um Peps taktische Unfähigkeit auszugleichen.
Lagrange 05.04.2018
3.
Ist schon krass, dass es die "Neureichen" wie PSG und ManC irgendwie nicht auf die Kette bekommen. Nach der Vorrunde hab ich ja gedacht diesmal, diesmal gewinnt einer von diesen beidem Teams. Jetzt sieht es doch wieder so aus, als gewinnen wieder die üblichen verdächtigen.
Grünstein 05.04.2018
4. Herrlich,
was für eine Stimmung , was für eine erste Halbzeit. Liverpool ist noch nicht durch. Wenn im Rückspiel Salah fehlt und Agüero wieder dabei ist, wird es ein völlig anderes Fußballspiel.
krokodilklemme 05.04.2018
5. Tolles Spiel
... zumindest in der ersten Hälfte. Klopp-Fussball macht halt richtig Spaß; JK hat Liverpool in den letzten zwei Jahren wirklich zu einem Sehnsuchtsort für Fussballenthusiasten gemacht. Und einen schönen Gruß an alle, die der Meinung sind, in englischen Stadien gäbe es keine Stimmung; dafür bräuchte es zwingend Ultras. You ll never walk alone!
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