Sieg in Marseille Großkreutz schießt Dortmund ins Champions-League-Achtelfinale

Was für eine Dramatik, was für ein glückliches Ende für Borussia Dortmund: Dank eines späten Tores von Kevin Großkreutz steht der Club im Achtelfinale der Champions League. Dabei hatte es bis kurz vor Schluss nach einem Ausscheiden des BVB ausgesehen.

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AP/dpa

Hamburg - Sie haben es doch noch geschafft: Nach der Heimniederlage gegen den FC Arsenal schien Borussia Dortmund schon so gut wie ausgeschieden, nun steht der Club im Achtelfinale der Champions League. Der BVB gewann bei Olympique Marseille 2:1 (1:1), Kevin Großkreutz erzielte in der 87. Minute den entscheidenden Treffer.

Das Tor war immens wichtig, weil der SSC Neapel zu Hause 2:0 (0:0) gegen den FC Arsenal gewann. Bei einem Unentschieden wäre der BVB ausgeschieden. So aber haben sowohl Dortmund als auch Arsenal und Neapel zwölf Punkte. Und weil die Borussia in den direkten Vergleichen dieser drei Teams am besten abgeschnitten hat, ist sie sogar noch Gruppensieger geworden - dabei waren die Voraussetzungen alles andere als günstig.

Für die entscheidende Partie in Marseille musste Dortmunds Trainer Jürgen Klopp aufgrund von Verletzungen und Sperren in der Defensive mal wieder umstellen: In der Innenverteidigung absolvierte U-19-Nationalspieler Marian Sarr sein erstes Pflichtspiel für den BVB. Im defensiven Mittelfeld lief Kapitän Sebastian Kehl von Beginn an neben dem rechtzeitig genesenen Nuri Sahin auf.

Wenigstens offensiv konnte Klopp seine besten Spieler aufbieten. Und der torgefährlichste von ihnen demonstrierte schon kurz nach dem Anpfiff seine Klasse: Nach Pass von Erik Durm setzte sich Robert Lewandowski gegen Lucas Mendes durch und lupfte den Ball über den heraus stürmenden Olympique-Torwart Steve Mandanda hinweg ins Tor - 1:0 (4. Minute).

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Mit diesem Ergebnis wäre Dortmund sicher im Achtelfinale gewesen, unabhängig vom Ausgang des Spiels zwischen Neapel und Arsenal. Doch die komfortable Situation war nur zehn Minuten nach dem Führungstreffer wieder dahin. Bei einer Freistoßflanke von Dimitri Payet kam Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller aus seinem Tor - und gegen Saber Khelifa zu spät. Der Tunesier köpfte an die Unterkante der Latte, den von dort abprallenden Ball drückte Souleymane Diawara per Kopf ins Netz. Allerdings wurde Kehl unmittelbar vor dem Treffer gefoult.

Dortmund wirkte nach dem Ausgleich nur kurzzeitig schockiert, schließlich reichte ja auch ein 1:1, sofern Neapel nicht gewinnen würde. Der BVB übernahm nach dem Gegentreffer schnell wieder die Initiative, doch er schloss die sich bietenden Möglichkeiten zu ungenau ab. Häufig kam der entscheidende Pass nicht an oder der Torabschluss war zu ungenau. Vor allem Henrich Mchitarjan agierte häufig unpräzise.

Nach einer halben Stunde griff dann Schiedsrichter Marijo Strahonja entscheidend ins Geschehen ein. Bei einem Zweikampf zwischen Sahin und Payet im Dortmunder Strafraum wollte der Kroate eine Schwalbe des kurz zuvor bereits verwarnten Olympique-Spielers gesehen haben. Die Folge: Gelb-Rot, Platzverweis. Eine zu harte Entscheidung, da Sahin den Franzosen berührt hatte. Mehr noch: Es gibt Referees, die wegen so eines Kontakts auch auf Elfmeter entscheiden.

Champions-League-Achtelfinalisten

Gruppensieger
Manchester United, Real Madrid, Paris Saint Germain, FC Bayern München, FC Chelsea, Borussia Dortmund, Atlético Madrid, FC Barcelona

Gruppenzweite
Bayer 04 Leverkusen, Galatasaray Istanbul, Olympiakos Piräus, Manchester City, FC Schalke 04, FC Arsenal, Zenit St. Petersburg, AC Mailand
In Überzahl war der BVB nun klar spielbestimmend, doch es blieb dabei: Die Dortmunder krönten ihre sehenswerten Spielzüge nicht mit einem weiteren Tor. So auch unmittelbar nach dem Seitenwechsel, als Mchitarjan von rechts auf den vor dem Tor lauernden Lewandowski passen wollte, aber in den Rücken des Polen spielte (46.). Den Kopfball von Jakub Baszczykowski parierte Olympique-Schlussmann Mandanda auf der Linie (57.), Marco Reus' Schuss landete am Pfosten (58.).

Der negative Höhepunkt im Auslassen von Großchancen war dann aber die Aktion von Lewandowski, der sich einen zu kurz geratenen Rückpass von Diawara schnappte, Mandanda umkurvte - und das leere Tor nicht traf, sondern nur das Außennetz (67.). Und weil Reus aus kurzer Distanz freistehend über das Tor schoss 69.), kam es, wie es kommen musste: Gonzalo Hugaín brachte Neapel gegen Arsenal in Führung (73.), später erhöhte José Callejon auf 2:0 für die Italiener.

Dortmund wäre damit ausgeschieden gewesen und war gezwungen, einen weiteren Treffer zu erzielen. Doch der BVB konnte sich trotz drückender Überlegenheit zunächst keine weiteren Chancen erspielen. Bitter: Nach Mandandas Attacke gegen Lewandowski hätte es Elfmeter für die Borussia geben müssen (85.), stattdessen gab es Freistoß für Marseille. Doch dann kam Großkreutz und zog von der Strafraumgrenze ab - der Rest war schwarz-gelber Jubel.

"Wir haben alles richtig gemacht und am Ende doch so viel falsch. Wir haben so viele Chancen nicht genutzt. Aber es ist jetzt ein großartiges Gefühl", sagte Klopp nach der Partie.

Olympique Marseille - Borussia Dortmund 1:2 (1:1)
0:1 Lewandowski (4.)
1:1 Diawara (14.)
1:2 Großkreutz (87.)
Marseille: Mandanda - Fanni, Diawara, Mendes (46. Abdallah), Mendy - Lemina, Cheyrou - Thauvin (79. Imbula), Khalifa (55. Morel), Payet - Gignac
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Sarr, Sokratis, Durm - Kehl (78. Piszczek), Sahin - Blaszczykowski (66. Hofmann), Mchitarjan, Reus (78. Schieber) - Lewandowski
Schiedsrichter: Strahonja (Kroatien)
Zuschauer: 35.000
Gelbe Karten: Gignac / Sarr
Gelb-Rote Karten: Payet (34./Unsportlichkeit)

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