Champions League: Gomez schießt Bayern in Richtung Finale

Von Jan Reschke

Der Traum vom Finale lebt: Dank eines Last-Minute-Treffers von Mario Gomez hat Bayern München gegen Real Madrid gewonnen, die Aussichten für das Rückspiel im Champions-League-Halbfinale sind nun gut. Zuvor hätte Mesut Özil die Hoffnung des FCB fast zerstört.

Bayern gegen Real Madrid: München gewinnt auf dem Weg nach München Fotos
DPA

Hamburg - Mario Gomez ist ein Phänomen: Vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid hatte der Stürmer des FC Bayern im laufenden Wettbewerb in neun Partien sage und schreibe elfmal getroffen. Gegen die Spanier kam im Hinspiel sein vielleicht wichtigstes Tor hinzu, der umjubelte 2:1 (1:0)-Siegtreffer in der 90. Minute. Zuvor hatte Franck Ribéry für die Führung gesorgt (17.), der deutsche Nationalspieler Mesut Özil den Ausgleich für die Spanier markiert (53.).

"Ich denke, insgesamt war das sehr verdient. Wir haben es am Ende geschickt über die Runden gebracht", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Auch Gomez war trotz des Gegentores zufrieden: "Wir haben das heute sehr, sehr gut gemacht bis auf zehn Minuten nach der Halbzeit. In der 90. Minute das Siegtor zu machen, das freut einen."

Es war das Duell zweier Fußball-Giganten: Auf der einen Seite der deutsche Rekordmeister mit 22 nationalen Meisterschaften, auf der anderen Seite der spanische Rekordhalter, insgesamt 31-mal erfolgreich in der Liga. Im Vergleich zu den Spielen am vergangenen Wochenende in den jeweiligen Ligen wurden in beiden Teams etliche Spieler getauscht. Bei den Bayern liefen Lahm, Luiz Gustavo, Toni Kroos, Ribéry und Gomez für Rafinha, Diego Contento, Anatoli Tymoschchuk, Thomas Müller und Ivica Olic auf. Bei Madrid kamen Fabio Coentrao, Xabi Alonso, Angel di Maria und Karim Benzema für Marcelo, Nuri Sahin, José Callejon und Gonzalo Higuain.

Trikots aus der "königlichen" Kabine gestohlen

Bevor die Partie angepfiffen wurde, gab es eine böse Überraschung für Real Madrid: Unmittelbar vor dem Anpfiff hatten Unbekannte sechs Paar Schuhe und einige Trikots aus der "königlichen" Kabine gestohlen.

Beide Teams taten sich zunächst schwer, etliche Zuspiele landeten beim Gegner, gelungene Kombinationen über mehrere Stationen hatten Seltenheitswert. So ergaben sich Chancen denn auch eher nach Fehlern, als dass sie herausgespielt wurden. So auch in der siebten Minute, als Bayern-Keeper Manuel Neuer nach einem Fehler von Bastian Schweinsteiger gegen Benzema parieren musste.

Die Partie war von Zweikämpfen auf engstem Raum geprägt, beide Teams arbeiteten extrem diszipliniert in der Defensive. Etliche hitzige Duelle waren die Folge, Schiedsrichter Howard Webb ermahnte die Spieler immer wieder. In der 15. Minute kam Ribéry im Strafraum zu Fall, Webbs Pfeife blieb aber stumm. "Das Spiel hätte einen besseren Schiedsrichter verdient gehabt", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge im Anschluss.

Es blieb bei der knappen Münchner Führung zur Halbzeit

Nur zwei Minuten später stand erneut Ribéry im Blickpunkt: Nach einer Ecke bekam Reals Verteidiger Sergio Ramos den Ball nicht weg, Ribéry ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und schoss aus zehn Metern das 1:0. Beim Treffer stand Luiz Gustavo aber im passiven Abseits. "Das kann passieren, dass der Schiedsrichter mal einen Fehler macht", zeigte sich Madrids Trainer José Mourinho ungewohnt gelassen.

Reals Antwort auf dem Platz: Ein Freistoß von Ronaldo, der drüber ging. Nachdem in der 28. Minute ein Schuss von Schweinsteiger neben dem Tor der Spanier gelandet war, scheiterte in derselben Minute Ronaldo aus ähnlicher Position.

Viel tat sich anschließend nicht auf dem Spielfeld. Benzema konnte in der 40. Minute Neuer ebenso wenig bezwingen wie Bayern-Stürmer Gomez auf der anderen Seite Iker Casillas. So blieb es bei der knappen Münchner Führung zur Halbzeit. "Die Bayern machen es sehr, sehr gut", sagte Bundestrainer Joachim Löw zur Pause: "Man spürt, dass zu jeder Zeit auf beiden Seiten etwas passieren kann."

Schweinsteiger bereits in der 61. Minute ausgewechselt

Nach dem Wechsel hatte Robben die Gelegenheit zu erhöhen (52.), der FC Bayern kontrollierte die ersten Minuten. Umso überraschender fiel der Ausgleich: Ronaldo tauchte frei vor Neuer auf, schloss aber äußerst schwach ab. Weil die Münchner Abwehr sich aber im kollektiven Tiefschlaf befand, konnten sich Benzema und Ronaldo anschließend den Ball nach Belieben hin und her schieben, bis er am Ende bei Özil landete und der aus kürzester Distanz keine Mühe hatte, zum 1:1 zu vollenden (53.).

Nur wenig später reagierte Heynckes: Schweinsteiger musste runter (61.). Für ihn kam Müller. In der 62. Minute wurde Gomez im Strafraum von hinten geschoben und kam zu Fall, einen Strafstoß gab es aber nicht. Die Partie wurde in der Folge immer verbissener geführt, Gelbe Karten gegen Xabi Alonso, Fabio Coentrao, di Maria und Lahm waren Beleg der gestiegenen Intensität.

Es dauerte bis zur 71. Minute, ehe die Bayern sich erneut eine gute Gelegenheit erspielen konnten, Gomez stand bei seinem Versuch aus kurzer Distanz im Abseits. Zwei Minuten später scheiterte er mit einem Kopfball.

Und Gomez war es auch, der in der Schlussphase zum entscheidenden Mann wurde: In der 87. Minute kam er nach einer harten, aber fairen Attacke von Ramos im Strafraum zu Fall. Drei Minuten später hatte Gomez aber das bessere Ende für sich, eine Hereingabe von Lahm drückte der Stürmer zu seinem zwölften Champions-League-Treffer über die Linie. "Diesmal habe ich Mario endlich mal gefunden, seit langer Zeit mal wieder", sagte Lahm, "jetzt muss in Madrid der Gegner ein bisschen kommen, das spielt uns natürlich in die Karten."

Das Rückspiel am 25. April (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird zeigen, wie wichtig der Treffer von Gomez war. Für den Torschützen auf Seiten Madrids, Özil, ist klar: "Zu Hause gewinnen wir das Spiel. Wir sehen uns wieder in München." Dort findet am 19. Mai das Finale statt.

Bayern München - Real Madrid 2:1 (1:0)
1:0 Ribery (17.)
1:1 Özil (53.)
2:1 Gomez (90.)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Schweinsteiger (61. Thomas Müller) - Robben, Toni Kroos, Ribery - Gomez
Real: Casillas - Arbeloa, Pepe, Ramos, Coentrao - Alonso, Khedira - Di Maria (80. Granero), Özil (69. Marcelo), Ronaldo - Benzema (84. Higuain)
Schiedsrichter: Howard Webb (Rotherham)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Badstuber (2), Robben, Lahm (2) - Alonso (4), Coentrao (2), Di Maria, Ramos (2), Higuain (2), Marcelo

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insgesamt 89 Beiträge
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1. Einfach nur geil!
Brandolino 17.04.2012
Zitat von sysopDer Traum vom Finale lebt: Dank eines Last-Minute-Treffers von Mario Gomez hat Bayern München gegen Real Madrid gewonnen. Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales erzielte Franck Ribéry die Führung, dann traf Mesut Özil zunächst zum Ausgleich. Champions League: Gomez schießt Bayern in Richtung Finale - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828169,00.html)
Davon kann die Provinztruppe aus Dortmund nur träumen...
2.
4waystreet 17.04.2012
sind die Bayern. Klauen dem Ronaldo die Schuhe und hoffen auf dessen Blasen im Rueckspiel :-)
3.
jorein 17.04.2012
Zitat von sysopDer Traum vom Finale lebt: Dank eines Last-Minute-Treffers von Mario Gomez hat Bayern München gegen Real Madrid gewonnen. Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales erzielte Franck Ribéry die Führung, dann traf Mesut Özil zunächst zum Ausgleich. Champions League: Gomez schießt Bayern in Richtung Finale - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828169,00.html)
Schade das der BVB heuer nicht mitspielen durfte. Die hätten Madird mit Sicherheit mit 5:0 aus der Allianzarena geschoßen ;-)
4.
hhe 17.04.2012
Mann Mann Mann, ist sonst in der großen weiten Welt nix los, dass ein Fußballspiel als Top-Meldung ganz oben platziert werden muss?
5. obwohl...
yk007 18.04.2012
Zitat von sysopDer Traum vom Finale lebt: Dank eines Last-Minute-Treffers von Mario Gomez hat Bayern München gegen Real Madrid gewonnen. Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales erzielte Franck Ribéry die Führung, dann traf Mesut Özil zunächst zum Ausgleich. Champions League: Gomez schießt Bayern in Richtung Finale - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828169,00.html)
das war nicht Gomez der der Held war, sondern eine schwache Leistung vom Castilla der Torwart, der nicht mal sich bewegt hat, obwohl der Ball über 20m in seiner Richtung flieg. Na ja, so hat Bayern auch glück gehabt dass kein Offsides gepfiffen wurde mit dem ersten Tor und auch kein Handspiel nach Ronaldos Freistoß.
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