Champions-League-Halbfinalisten Was haben die, was Bayern und Dortmund fehlt?

Erstmals seit 2009 ist kein Bundesligist im Champions-League-Halbfinale vertreten. Die Gründe dafür liegen nicht nur auf dem Platz. Dennoch können Bayern und der BVB von den vier besten Teams Europas lernen.

Robert Lewandowski (Mitte), Matthias Ginter (unten), Sokratis
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Robert Lewandowski (Mitte), Matthias Ginter (unten), Sokratis

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So unterschiedlich die Vorzeichen des Ausscheidens, so unterschiedlich waren auch die Bewertungen der beiden deutschen Teams. Die Münchner suchten die Gründe für das Aus in der Champions League gegen Real Madrid vor allem in Schiedsrichter-Fehlentscheidungen. Bayerns Vorstandschef sprach nach der Pleite in Madrid von "wahnsinniger Wut" und sagte: "Wir sind beschissen worden."

Deutlich mehr Verständnis wurde nachvollziehbarerweise dem Ausscheiden von Borussia Dortmund entgegengebracht. BVB-Trainer Thomas Tuchel verwies in Sachen Kritik zu Recht auf das Bombenattentat auf den BVB-Bus: "Man muss aufpassen, dass man diese beiden Spiele nicht zu hoch bewertet und die Leistung der Spieler als alleinigen Maßstab nimmt", sagte Tuchel nach dem Rückspiel in Monaco.

Durch das Aus der beiden deutschen Top-Teams ist die Bundesliga erstmals seit 2009 nicht im Halbfinale der Champions League vertreten. Bei ihren Analysen können Bayern und Dortmund auch einen Blick auf die verbliebenen Teams in der Champions League werfen. Auf AS Monaco, Real Madrid, Juventus und Atlético Madrid. Jedes dieser Teams besitzt Eigenschaften - oder profitierte von Umständen -, die ihnen einen entscheidenden Vorteil in der Königsklasse verschafften.

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Borussia Dortmund in der Einzelkritik: Kein Zauberer
  • Die AS Monaco beispielsweise hat im Gegensatz zu den beiden deutschen Teams in Falcao und Kylian Mbappé zwei Spitzenangreifer, die gesund und in Top-Form sind. Bayern ist hingegen auf Robert Lewandowski angewiesen; als dieser im Hinspiel ausfiel, bekamen die Münchner Probleme. Dortmund hat für Pierre-Emerick Aubameyang ebenfalls keinen gleichwertigen Ersatz.
  • Real Madrid hingegen hat die bessere Kaderzusammensetzung. Das Team besteht aus routinierten Superstars wie Toni Kroos, Sergio Ramos und Ronaldo, gleichzeitig schießen aber auch Nachwuchskräfte - wie Marco Asensio am Dienstag - wichtige Tore. Bei Bayern stagnieren die jungen Kräfte wie Joshua Kimmich oder Kingsley Coman, zudem wartet ein größerer Umbruch auf den Rekordmeister. Und dass Dortmunds Kader vor allem aus Talent, weniger aber aus Routine besteht, sagt sogar Tuchel.
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Bayern München in der Einzelkritik: Kampfeslustiger Krieger
  • Juventus ist taktisch überragend und mannschaftlich disziplinierter als Bayern und Dortmund. Ein Beleg: In zwei Spielen kassierten die Italiener gegen das Barcelona-Sturmtrio Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez kein Tor. Dortmund hingegen hat seine Defensivschwäche in dieser Saison einige Male unter Beweis gestellt, auch die Münchner zeigten gegen Real in beiden Spielen massive Ordnungsprobleme, als sie durch Platzverweise in Unterzahl gerieten.
  • Bliebe noch Atlético Madrid. Ganz so überragend wie in den vergangenen Jahren ist das Team von Diego Simeone nicht mehr, doch in diesem Jahr hatten sie etwas, was zum Beispiel die Bayern nicht hatten: Losglück. Arsenal im Achtelfinale war zwar noch nicht die ganz große Herausforderung für die Münchner, Real im Viertelfinale hingegen schon. Atléticos Gegner in der K.o.-Runde: Bayer Leverkusen und Leicester City.

Losglück ist natürlich nichts, was Bayern oder Dortmund beeinflussen können. Taktische Disziplin und Kaderzusammensetzungen hingegen schon.



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insgesamt 134 Beiträge
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Starmoon 20.04.2017
1. Stimmt
Was soll man da noch sagen. Junge Spielr in Deutschen Vereinen der Spitzenklasse sind immer so was wie die Kleinen am Geburtstag von Opa. Gummal, wie der süße Joshua schon laufen kann und unser kleiner Kingsley kann schon bis 12 zählen. In den europäischen Spitzenvereinen hauen diese Kleinen schon drauf was das Zeug hält. Siehe Monaco und/oder Real. Bei Atleti und Juve ist es die unglaubliche Diziplin und der eine oder andere Geniestreich der Spitzenkräfte wie Griezman oder Dyballa. Die Oberbosse in Bayern und im Pott dürften nächstes Jahr in der CL mit noch weniger Glück rechnen. Denn das muss man sich erarbeiten.
dasistdasende 20.04.2017
2. Vielleicht
Lassen wir die Gruppenphase weg, jede Mannschaft die eigtl. in die CL gehört muss da ohne Probleme durchkommen. Die Gruppen sind einfach zu aufgebläht um sie komplett mit Spitzenteams zu füllen. Für den Rest Kurzform: Real Madrid: Super viel Geld (also so richtig viel, eher noch mehr), beste Liga Europas Atletico Madrid: beste Liga Europas Monaco: Knapp gegen ManU und Losglück/besondere Umstände (sorry BvB, ist halt diese Saison so) Juve: Losglück und aktuell desolates Barca verfrühstückt (was geht bei denen ab ?) Es gibt sowieso nur eine kleine Handvoll Mannschaften mit realistischen Aussichten auf den Titel. Beim diesem Restfeld würde es mich wundern wenn Real es nicht schafft. Was wir bräuchten: Eine stärkere Liga ! Was kommen wird: Ein FCB der den Rest einer international noch schwächer werdenden BuLi noch weiter abhängt. Nur wird dies international auch dem FCB nichts bringen. Aber Double ist halt gebucht.
sapalot 20.04.2017
3.
Wenn ich nur die beiden deutschen Vereine vergleiche, so sehe ich, dass Dortmund leider immer noch regelmäßig ihre Topspieler ziehen lassen muss - auch in Richtung München. So kann man dauerhaft leider keine internationale Spitzenmannschaft formen. Die Bayern hingegen haben dieses Problem nicht und dürfen natürlich mit der katastrophalen Schiedsrichterleistung hadern, aber auch mit dem verlorenen Hinspiel: Heimspiele hat man in der CL-KO-Runde zu gewinnen^^
-volver- 20.04.2017
4. ...
hmmm... eine mischung kann ich bei real nicht erkennen. ronaldo hat die bayern quasi im alleingang rausgeschossen... er ist ebenfalls für real unersetzlich. asensios tor war im grunde nur noch für die statistik. junge Neuzugänge wie isco oder james rodriguez konnten nicht integriert werden. wirklich weltklasse ist bei real also auch nur die ältere garde. real wird aber auch in zukunft den glanz und die anzugsfähigkeit von weltklassespielern nicht verlieren. bayern spielt aber noch nicht sooo lange in der allerobersten Riege europas mit... wenn sie das ruder nicht rumgerissen bekommen, könnten die tage im elitären kreis zusammen mit barca und real gezählt sein.
mesut2012 20.04.2017
5.
Die spanischen Teams und Juventus haben noch weitere Vorteile: a) alle 11 Spieler können den Ball stoppen b) der gestoppte Ball wird nicht gleich wieder verloren sondern ballsicher geführt c) die Spieler kriegen es hin, den behaupteten Ball dann auch mal über drei bis vier Meter so abzuspielen, dass er bei einem Mitspieler und nicht beim Gegner ankommt
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