Champions League Harmlose Bayern scheitern am AC Milan

Der Champions-League-Traum des FC Bayern ist ausgeträumt: Gegen clevere Mailänder verspielte der deutsche Meister seine gute Ausgangsposition aus dem Hinspiel in der ersten halben Stunde. Wie in den letzten fünf Jahren bleibt den Münchnern damit die Runde der letzten Vier verwehrt.


München - Bayern München hat die große Chance auf einen zweiten Triumph in der Champions League vorzeitig und leichtfertig verschenkt. Durch ein 0:2 (0:2) gegen den AC Milan im Rückspiel des Viertelfinales verpassten die Münchner im eigenen Stadion den Einzug in die Runde der besten vier Mannschaften in Europa.

Dabei hatten sich die Münchner acht Tage zuvor durch ein glückliches 2:2 in Mailand eine hervorragende Ausgangssituation für das Erreichen des Halbfinales geschaffen. Nach einem guten Beginn der Gastgeber zerstörten Clarence Seedorf (27.) und Filippo Inzaghi (31.) frühzeitig alle Hoffnungen der Münchner, es vielleicht sogar bis ins Endspiel am 23. Mai in Athen zu schaffen.

Nach der Pause zeigten sich die Bayern vor 66.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena noch einmal wild entschlossen, blieben im Angriff aber zu harmlos. Seit seinem Finalsieg 2001 gegen den FC Valencia kam der FC Bayern damit nicht über das Viertelfinale der "Königsklasse" hinaus. Im vergangenen Jahr war es bereits im Achtelfinale ebenfalls der AC Milan gewesen, der die Münchner vorzeitig aus allen Träumen gerissen hatte (1:1, 1:4). Insgesamt scheiterte Bayern München schon zum vierten Mal in der K.o.-Runde eines europäischen Wettbewerbs an den Rossoneri. Der 17malige italienische Meister trifft nun am 24. April und am 2. Mai auf den englischen Tabellenführer Manchester United, der sich am Vortag mit einem spektakulären Schützenfest gegen AS Rom (7:1/1:2 im Hinspiel) durchgesetzt hatte.

"Besonders defensiv sind wir sehr gut gestanden", sagte der herausragende Spieler der Partie, Clarence Seedorf. "Nach dem Führungstreffer haben wir uns bestens organisiert weitergespielt und so konnte der Tag eigentlich nicht besser laufen", so der Niederländer.

Viertelfinal-Rückspiele

Begegnung Ergebnis
Bayern München - AC Mailand 0:2 (2:2)
FC Liverpool - PSV Eindhoven 1:0 (3:0)
Manchester United - AS Rom 7:1 (1:2)
FC Valencia - FC Chelsea 1:2 (1:1)
In Klammern die Hinspielergebnisse

Dabei hatten die Bayern die Partie vielversprechend begonnen, getreu der Forderung von Vereinspräsident Franz Beckenbauer: "Hinten reinstellen wäre verkehrt, man muss zeigen, wer Herr im Haus ist." Nach acht Minuten hob der für den verletzten Bastian Schweinsteiger aufgebotene Christian Lell den Ball über Torhüter Dida hinweg, doch Abwehrspieler Massimo Oddo klärte gerade noch auf der Linie. Vier Minuten später schoss Lukas Podolski freistehend und etwas überhastet aus zehn Metern den Mailänder Schlussmann an.

"In den ersten 20 Minuten hätten wir ein Tor machen müssen, das haben wir aber nicht", sagte Hasan Salihamidzic. "Gegen so eine gut organisierte Mannschaft ist es immer schwer. Gleichzeitig sind sie immer gefährlich. In der zweiten Halbzeit haben wir sie eigentlich im Sack gehabt. Aber ohne Torerfolg war leider nicht mehr möglich."

Nach den guten ersten 20 Minuten stand Trainer Ottmar Hitzfeld erstmals gestikulierend an der Seitenlinie, weil seine Mannschaft immer mehr in die Defensive geriet. Seine böse Ahnung wurde schnell bestätigt. Zunächst verloren Lell und Podolski im Mittelfeld den Ball, Kaka legte für Seedorf auf - 1:0 (27.). Nur vier Minuten später traf der einzige Stürmer Inzaghi schon zum sechsten Mal in der Champions League gegen die Münchner (31.), allerdings übersah das spanische Schiedsrichter-Trio um Manuel Mejuto Gonzalez, dass der Torschütze im Abseits stand.

Ohne die aufmerksame und entschlossene Abwehrarbeit von Lucio hätte den Münchnern im Anschluss sogar noch weiteres Unheil gedroht. "Zwei Tore durch die Mitte, das darf nicht passieren. Das sind Fehler, die man sich gegen Milan nicht erlauben kann", analysierte Beckenbauer während der Halbzeitpause beim Fernsehsender Premiere und suchte Beistand bei überirdischen Kräften, um die zweite Champions-League-Heimniederlage in der Arena nach November 2004 (0:1 gegen Juventus Turin) zu verhindern: "Da müsste jetzt schon ein Wunder geschehen, wir müssen alle Glücksgötter dieses Universums anrufen."

Doch die Götter hörten nicht. Beim eher blinden Anrennen in der zweiten Halbzeit entstanden zwar bisweilen tumultartige Szenen im Mailänder Strafraum, mehr als ein gefährlicher Schuss durch Mark van Bommel (63.) und ein Kopfball des eingewechselten Claudio Pizarro (80.) kam aber nicht auf das Tor von Dida. Vielmehr musste Bayern-Torhüter Oliver Kahn gegen Kaka sogar noch einen weiteren Gegentreffer verhindern (65.).

"Die Enttäuschung sehr groß. Wir hatten große Hoffnung", fasste Bayern-Coach Hitzfeld die Stimmung beim letzten deutschen Champions-League-Teilnehmers in dieser Saison zusammen: "Wir haben 20 Minuten gut gespielt. Da hat uns aber das Glück des Tüchtigen gefehlt." Mittelfeldspieler Mark van Bommel sah es ein wenig anders: "Wir waren heute einfach nicht gut genug."

Bayern München - AC Mailand 0:2 (2:2)
0:1 Seedorf (27.)
0:2 Inzaghi (31.)
München: Kahn - Salihamidzic, Lucio, van Buyten, Lahm - Ottl (46. Santa Cruz), Hargreaves, van Bommel, Lell (77. Görlitz) - Makaay (61. Pizarro), Podolski. - Trainer: Hitzfeld
Mailand: Dida - Oddo, Nesta, Maldini, Jankulovski - Gattuso (87. Cafu), Pirlo, Ambrosini, Seedorf (80. Gourcuff) - Kaka - Inzaghi (70. Serginho). - Trainer: Ancelotti
Schiedsrichter: Manuel Mejuto Gonzalez (Spanien)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: van Bommel (3), Salihamidzic (2)

fpf/sid

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Seite 1
Tomislav, 09.08.2006
1.
---Zitat von sysop--- Am Freitag startet die 44. Saison der Fußball-Bundesliga. Viele Stars wie Michael Ballack haben die Liga verlassen. Können die deutschen Vereine dennoch international mithalten? ---Zitatende--- Mit den französischen denke ich schon. Aber mit englischen und spanischen wird es schon etwas schwer. Die italienischen lasse ich mal außen vor. ;)
Dino, 09.08.2006
2.
---Zitat von sysop--- Am Freitag startet die 44. Saison der Fußball-Bundesliga. Viele Stars wie Michael Ballack haben die Liga verlassen. Können die deutschen Vereine dennoch international mithalten? ---Zitatende--- Leider ist außer den Bayern derzeit keine deutsche Mannschaft in der Lage international ganz oben mitzuspielen. Vielleicht schaffen die Bremer dieses Jahr den Anschluß? Eine sehr sympathische Truppe mit einem klugen Management und einem hervorragenden Trainer. Für den HSV sehe ich dieses Jahr einen Platz im oberen Mittelfeld. Gruß Dino
Luers 09.08.2006
3.
---Zitat von sysop--- Am Freitag startet die 44. Saison der Fußball-Bundesliga. Viele Stars wie Michael Ballack haben die Liga verlassen. Können die deutschen Vereine dennoch international mithalten? ---Zitatende--- Natürlich ist immer mal wieder auch ein deutscher Sieg in Championsleague oder dem UEFA-Pokal möglich. Diese werden aber eher positive Ausrutscher bleiben. Auf breiter Front und auf lange Sicht kann die Bundesliga nämlich nicht mit den starken Ligen in Spanien und England mithalten. Es ist schon bezeichnend, dass kein Bundesligist sich beim Juve-Ausverkauf bedient hat und der einzige umworbene Top-Star van Nistelrooy dann doch die spanische Liga vorgezogen hat. Erst mal abwarten muss man, was aus der italienischen Serie A nach dem Skandal wird, aber auch da bleibt zu befürchten, dass sie weiter deutlich vor der Bundesliga rangiert. Wenn nicht mal Liga-Krösus FC Bayern international mehr richtig konkurrenzfähig ist, zeigt sich, dass die Bundesliga grundsätzliche Probleme hat, die vor allem in den hohen Nebenkosten der Spieler begründet liegen. Andere Länder locken die Top-Stars mit Steuernachlässen. Bundesligisten müssen deutlich mehr Geld ausgeben, damit die Spieler das gleiche Nettogehalt wie in anderen Ligen bekommen.
Atos_67 09.08.2006
4.
Wenn es in der Bundesliga guter Fussball gezeigt und es spannend bleibt, ist es mir egal ob die Vereine international erfolgreich sind.
stawrogin 09.08.2006
5.
Ich schaue mir lieber eine international zweitklassige Bundesliga an als eine jenseits aller sportlichen Grundsätze opererierende, mafiotische Serie A. Die Bundesliga hat fantastische Stadien, ausverkaufte Häuser und wird diese Saison auch mal wieder etwas spannender (wenigstens bleibt das zu hoffen). Insofern sollte man nicht bewundernd in die inzwischen wahrhaft langweilig gewordene Premier League oder nach Spanien gucken. Die dortigen Klubs sind mit ihren waghalsigen und mehr als fragilen Finanzierungsmodellen von einem mehr als skurrilen Mäzenatentum abhängig. Das sollte keine Schule machen.
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