Liverpools Mittelfeldspieler Milner Klopps Wellenbrecher

Keine großen Namen, kein Glamour: Im Vergleich zur furiosen Angriffsreihe fällt das Mittelfeld des FC Liverpool ab. Doch im Halbfinal-Rückspiel in Rom kommt es gerade auf Spieler wie James Milner an.

James Milner
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James Milner

Aus Rom berichtet


Die Antwort war kurz und klar. Nach dem 5:2-Erfolg seines FC Liverpool im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen AS Rom wurde Trainer Jürgen Klopp gefragt, ob er im zweiten Treffen am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Italiens Hauptstadt einen anderen Auftritt des Gegners erwarte. "Yes", sagte Klopp, garniert mit einem gelangweilten Blick und einem Schulterzucken.

Für ihn steht fest, dass der Einzug ins Endspiel noch nicht geschafft ist, trotz der blendenden Ausgangslage. Es scheint für ihn das Selbstverständlichste auf der Welt zu sein, dass seiner Mannschaft ein schwerer Gang bevorsteht im Olympiastadion in Rom, gegen einen Gegner, der nach der Wiederholung der jüngeren Geschichte trachtet. Im Viertelfinale war dem Klub aus Italien eine erstaunliche Verwandlung geglückt. Gegen den FC Barcelona gab es nach der 1:4-Niederlage im Hinspiel ein 3:0 vor eigenem Publikum. Ein solches Ergebnis würde Rom auch gegen Liverpool zum Weiterkommen reichen.

Ohne das Mittelfeld könnte Salah nicht tun was er tut

Bei Klopps Mannschaft dürften deshalb nicht wie üblich die furiosen Angreifer Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané im Blickpunkt stehen. Stattdessen wird es wohl auf Profis ankommen, die dem Spiel Ordnung geben, die als Wellenbrecher vor der Abwehr gegen die zu erwartenden Angriffe agieren und, wenn sich die Gelegenheit ergibt, schnelle Gegenstöße einleiten. In Rom könnten die Mittelfeld-Arbeiter James Milner und Jordan Henderson ihren großen Auftritt haben. Sie liegen in der Glamour-Wertung zwar deutlich hinter der Sturmreihe, haben zuletzt aber schon gezeigt, wie wichtig sie sind. "Ohne das Mittelfeld könnte Salah nicht tun was er tut", beschrieb "The Times" nach dem 5:2 im Hinspiel die Abhängigkeiten in Liverpools Spiel.

Gerade Milner ist eine interessante Erscheinung. Er entstammt der Nachwuchsabteilung von Leeds United, spielte bei Vereinen wie Swindon Town, Newcastle United oder Aston Villa. Vor drei Jahren wechselte er von Manchester City nach Liverpool. Mit seinen 32 Jahren ist er der einzige Profi in Klopps Stammelf, auf den die Bezeichnung Routinier zutrifft. Er hat eine wenig auffällige Art, auf und neben dem Platz, und wird als "boring Milner" verspottet, als langweiliger Milner. Es gibt auch einen entsprechenden Twitteraccount.

Milners neun Vorlagen sind Champions-League-Rekord

Ein Spieler wie er bekommt keine Schlagzeilen, trotzdem brauchen erfolgreiche Mannschaften Typen dieser Bauart. Zuletzt ist Milner mehrfach über sich hinausgewachsen, im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester City und im Hinspiel gegen Rom. "Eine Maschine. Er trotzt der Schwerkraft", urteilte der "Daily Mirror" nach dem 5:2-Erfolg.

Milners Stärken sind seine Leidenschaft und sein Kampfgeist. Gleichzeitig verfügt er über Ruhe und Abgeklärtheit. Doch es wäre nicht richtig, ihn darauf zu reduzieren. Gegen Rom bereitete er schon das neunte Tor in dieser Saison in der Champions League vor. So viele Vorlagen leistete überhaupt noch kein Spieler in der Geschichte des Wettbewerbs. Er überholte damit Wayne Rooney und Neymar. "Du hast diese ganzen Weltklasse-Spieler. Und der Mann mit den meisten Assists ist James Milner. Das ist wirklich cool", sagt Klopp. Er könnte auch sagen: vollkommen irre.

Jordan Henderson (l.), Jürgen Klopp
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Jordan Henderson (l.), Jürgen Klopp

Sein Kapitän Henderson stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik , was auch damit zu tun hatte, dass er als Spielführer ein schweres Amt zu erfüllen hat. Die Armbinde bringt ihm automatisch Vergleiche mit Liverpool-Legenden wie Graeme Souness, Alan Hansen oder Steven Gerrard ein, denen er nicht immer standhalten kann. Doch seit Anfang des Jahres und einer überwundenen Muskelverletzung ist Henderson in guter Form und zeigte beim Hinspiel gegen Rom eine der besten Leistungen seiner Karriere. Er fing im Mittelfeld gegnerische Konter ab und gab dem Team Halt mit einem Auftritt, der von der englischen Presse als eines Kapitäns würdig eingestuft wurde.

Bei der Reise in Italiens Hauptstadt steht Liverpool vor einer ähnlichen Aufgabe wie im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester City. Nach einem 3:0 im ersten Treffen sah sich die Mannschaft in der ersten Halbzeit dem Dauerdruck des Gegners ausgesetzt. Doch sie bewältigte die Mission mit Erfolg, hielt den Schaden mit nur einem Gegentor in Grenzen und nutzte die eigenen Chancen nach dem Wechsel ohne Gnade.

Damit das auch in Rom gelingt, kommt es besonders auf Milner und Henderson an. Auf Liverpools Wellenbrecher ohne speziellen Glanz.

insgesamt 9 Beiträge
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peter-11 02.05.2018
1. Auch in Rom ...
... wird Liverpool mit dieser Offensivkraft für das eine oder andere Tor gut sein. Ich gönne es den Reds auch, denn sie haben im Hinspiel einen wunderbaren Fussball gespielt. Ich muss lange zurück denken, so eine schnelles und kampfbetontes Spiel gesehen zu haben.
Marhaus 02.05.2018
2. Guter Ausdruck: Wellenbrecher.
Wie es Schweinsteiger einer war. Oder früher Arturo Vidal, der leider auch nicht mehr seine Leistung erreicht. Deshalb hat Heynckes in Madrid verloren, weil bei einer auf Konterfussball gedrillten Mannschaft wie Madrid das Spiel nur von dem bremsenden Mittelfeld gewonnen wird. Die Ibero-Bayern spielen gefällig, doch wenn´s hart auf hart kommt gehen die ein. Man beachte, kein Gelb für die lammfrommen Ibero-Bayern. Die glaubten, sie können das Spiel im Sonntagsanzug gewinnen. Im übrigens bin ich der Meinung, dass der max. mittelmässige neue Bayern-Trainer Kovac nur eine Übergangslösung ist, bis Klopp kann.
tuffgong 02.05.2018
3.
Bei den Liverpool-Fans ist Milner schon länger einer der Lieblingsspieler, denn er ist der erfahrene Wühler im Mittelfeld, den es auch einfach braucht, um dem gegnerischen Druck was entgegenzusetzen. Mit den Assists wundert mich allerdings, ich hätte eher gedacht, der größte Teil seiner Flanken landet im Nirvana. Aber eines kann er bis heute nicht: Ecken. Ganz schlimm! Egal, Milner ist extrem wichtig. Wenn er auf's Spielfeld kommt, weiß man, alles wird gut. Come on, Reds! YNWA.
solltemanwissen 02.05.2018
4.
Zitat von peter-11... wird Liverpool mit dieser Offensivkraft für das eine oder andere Tor gut sein. Ich gönne es den Reds auch, denn sie haben im Hinspiel einen wunderbaren Fussball gespielt. Ich muss lange zurück denken, so eine schnelles und kampfbetontes Spiel gesehen zu haben.
Das kann man nur unterstreichen. Das Liverpool Spiel war auch bei Weitem attraktiver und auf höherem Niveau als das, was man gestern und beim Hinspiel am letzten Mittwoch gesehen hat. Liverpool hätte den Titel absolut verdient.
Skakesbier 02.05.2018
5. Für einen
analogen Bericht über die Roma reicht's bei SPON nicht, wie!? Keiner da, der außer Juve irgendwas kennt!? Grundhaltung: Immer schön einseitig, immer schön mit dem Kopf ins Schlüsselloch! Dessen ungeachtet und sowieso: Forza Roma! Immer dran denken: Liverpool hat, gerade 'dank' Klopp, nur so was Ähnliches wie eine 'Abwehr'.
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