Klopp gegen Guardiola Der perfekte Gegner

Manchester City ist im Viertelfinale der Champions League gegen Liverpool Favorit. Doch wenn ein Team der Mannschaft von Pep Guardiola wehtun kann, dann ist es der FC Liverpool mit Jürgen Klopp.

Jürgen Klopp und Pep Guardiola
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Jürgen Klopp und Pep Guardiola

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Jürgen Klopp hat nur gescherzt, als er über die Ambitionen seines FC Liverpool im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Manchester City an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sprach. Doch wenn man sich den Scherz ein bisschen genauer anschaut, enthält er ein großes Stück Wahrheit. "Es wäre cool, die Partie zu elft zu beenden", hat Klopp gesagt.

Um den Scherz zu verstehen, muss man zurückblicken auf den 9. September. Liverpool hielt eine halbe Stunde lang ordentlich mit in Manchester, die Mannschaft trat mutig auf, machte Citys Abwehr Probleme und hatte gute Chancen zur Führung. Doch gegen Ende der ersten Halbzeit sah Liverpools Angreifer Sadio Mané die Rote Karte. In Unterzahl brach das Team zusammen und verlor 0:5.

Zu elft, davon ist Klopp überzeugt, hätte Liverpool einen Punkt oder sogar drei Punkte erbeutet, und beim zweiten Treffen in dieser Saison zwischen den beiden Mannschaften klappte es dann auch mit einem Sieg. Das 4:3 an der Anfield Road im Januar war nicht nur das spektakulärste Spiel der Premier League in der laufenden Spielzeit, sondern stellt auch die bislang einzige Niederlage für die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola dar.

Klopp besitzt geeignetes Gegenmittel für Guardiolas Fußball

Manchester City dominiert den Betrieb in der Liga nach Belieben, kann am Wochenende mit einem Sieg im Stadtderby gegen Manchester United Meister werden, sieben Spieltage vor Schluss, und hat 18 Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten Liverpool. Doch es stimmt: Wenn Klopps Mannschaft davon absieht, sich mit Platzverweisen selbst zu schwächen, kann sie City schlagen, als vielleicht einziges Team in England, und ist im Kampf um den Einzug ins Halbfinale der Champions League nicht chancenlos.

Es sprechen viele Indizien dafür, dass Klopp das geeignete Gegenmittel für Guardiolas Fußball besitzt. Aus den bislang zwölf Duellen der beiden Trainer - die Begegnungen aus vergangenen Bundesliga-Tagen eingerechnet - holte Klopp sechs Siege, so viele wie kein anderer Kollege gegen Guardiola. In der Premier League trafen die beiden Übungsleiter viermal aufeinander, Liverpool verlor davon nur die Partie im September.

Liverpool-Star Mohamed Salah
DPA

Liverpool-Star Mohamed Salah

Dass Klopps Team eine Art Angstgegner für City ist, hängt mit der Herangehensweise der beiden Trainer zusammen. Für Guardiolas dominantes Ballbesitzspiel muss die Abwehr weit aufrücken. Die Außenverteidiger werden oft zu Außenstürmern. Liverpool ist unter seinem deutschen Coach auf schnelle Gegenangriffe spezialisiert und verfügt dank der rasend schnellen Angreifer Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah, dem Toptorjäger der Premier League, über genug Tempo, um den Platz hinter Citys Abwehr zu nutzen.

Guardiola gesteht sogar, dass seine Mannschaft der ideale Gegner für Liverpool ist. "Unser Spiel ist perfekt für Liverpool. Die Mannschaft kann wie kein anderes Team der Welt in die Räume stoßen. Das weiß ich", sagt er.

Klopp hat Vollgasfußball nach England importiert

Und, noch ein Unterschied zu vielen anderen Gegnern: sie macht das auch. Klopp hat seinen Vollgasfußball nach England importiert. Er verlangt von seiner Elf, mutig zu spielen, die Kontrahenten zu attackieren und Fehler zu erzwingen. City dagegen ist es in dieser Saison gewohnt, dass sich die Konkurrenz am eigenen Strafraum verschanzt. Mit Liverpools Draufgängerfußball hat die Mannschaft Probleme. Das war im Januar zu besichtigen, beim 4:3 für Klopps Team, das von ungewohnten Aussetzern in Citys Abwehr begünstigt wurde.

John Stones ließ sich von Firmino abschütteln wie ein Anfänger, Nicolás Otamendi vertendelte den Ball gegen Salah, selbst der mit dem Fuß sonst so sichere Torwart Ederson spielte den Ball bei einer Rettungstat vor dem Strafraum zielgenau zum Gegner. Die Partie hat gezeigt, dass die Defensive von Guardiolas Team anfällig ist, wenn man sie unter Druck setzt. Mehr noch: Dass sie davonschwimmen kann wie Treibholz bei schwerer See, wenn der Gegner mit so viel individueller Klasse im Angriff anrückt wie Liverpool.

Natürlich, Manchester City ist Favorit auf das Weiterkommen in der Champions League, das weiß auch Klopp. Doch er sieht keinen Grund, sich zu verstecken. "In einigen Momenten sind wir auf dem gleichen Niveau", sagt er. Er hofft auf möglichst viele solcher Momente. Und natürlich darauf, dass seine Mannschaft zu elft bleibt.



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Pless1 04.04.2018
1. Ein Trauerspiel
Es ist wahrlich ein Trauerspiel, dass sich diese beiden Trainer, die zu den besten ihres Fachs zählen, nicht mehr in der Bundesliga gegenüberstehen. Sie sind sich in vielem ziemlich ähnlich und lassen doch jeweils einen gänzlich anderen Fußball spielen als der andere. Dass beide auf der Insel gelandet sind ist eine der vielen Facetten, an denen man die Bedeutungsverschiebung im europäischen Fußball ablesen kann. Beide Fußballschulen haben ihren Reiz. Mit einem wirklichen Spitzenteam muss man eigentlich den Anspruch haben, ein Spiel zu dominieren wie es der Guardiola-Fußball vorsieht. Das größere Spektakel bietet hingegen der Kloppsche Vollgasfußball. Prallt beides aufeinander kann es ein großes Fußballfest werden. Ein solches Fußballfest wird es in Deutschland mangels Qualität wohl in den nächsten Jahren nicht geben können, denn es braucht mindestens zwei für einen Tango. Aktuell haben wir aber nur noch einen Tänzer in Deutschland und auch bei diesem steht noch ein Fragezeichen hinter der Entwicklung in den nächsten Jahren: Hoeneß will es heimelig behalten, sich dem ganz großen Business entziehen und auf "Mia san Mia", Lederhosen und Gutsherrenart setzen. Rummenigge würde lieber heute als morgen die 50+1 Regel kippen und den FCB als internationale Top-Marke etablieren. Dieser seit Jahren ungelöste Richtungsstreit bedroht die Entwicklung des FC Bayern. Ob es den Münchnern noch gelingen kann, auch in der Generation nach Robben und Ribery, Boateng und Hummels noch die besten der Welt dauerhaft zu binden muss sich noch erweisen. Die 17 sogenannten Gegner in der Bundesliga braucht man nicht einmal mehr näher zu betrachten, wenn es um internationalen Spitzenfußball geht.
payblack 04.04.2018
2. Die Ligatabelle lügt nicht.
Liverpool ist in der Liga genauso weit weg von ManCity wie Bayern vor Schalke und Dortmund. Liverpool reiht sich auch noch hinter einem rechten "grottigen" Manchester United ein. Seit dem Double 2012 hat Klopp auch nicht (mehr) beweisen können, dass er nachhaltig ein Spitzenteam formen kann. Ab und an Lichtblicke stehen auch desaströse Auftritte entgegen. Und eins ist sicher: Auch Liverpool gibt sehr sehr viel Geld aus, angeblich zahlen die höhere Personalkosten als Bayern München.
tomaraya 04.04.2018
3.
Zitat von payblackLiverpool ist in der Liga genauso weit weg von ManCity wie Bayern vor Schalke und Dortmund. Liverpool reiht sich auch noch hinter einem rechten "grottigen" Manchester United ein. Seit dem Double 2012 hat Klopp auch nicht (mehr) beweisen können, dass er nachhaltig ein Spitzenteam formen kann. Ab und an Lichtblicke stehen auch desaströse Auftritte entgegen. Und eins ist sicher: Auch Liverpool gibt sehr sehr viel Geld aus, angeblich zahlen die höhere Personalkosten als Bayern München.
Lesen Sie den Bericht ruhig mal durch, bevor Sie hier so einen Quatsch schreiben...
Wolfgang Porcher 04.04.2018
4. Glueck gehoert dazu,
sonst nützt alles nichts, siehe gestern der FCB. Zuerst das Glueckslos und dann 2 Glueckstreffer.
maxi_stulz 04.04.2018
5. Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten
Zitat von Pless1Es ist wahrlich ein Trauerspiel, dass sich diese beiden Trainer, die zu den besten ihres Fachs zählen, nicht mehr in der Bundesliga gegenüberstehen. Sie sind sich in vielem ziemlich ähnlich und lassen doch jeweils einen gänzlich anderen Fußball spielen als der andere. Dass beide auf der Insel gelandet sind ist eine der vielen Facetten, an denen man die Bedeutungsverschiebung im europäischen Fußball ablesen kann. Beide Fußballschulen haben ihren Reiz. Mit einem wirklichen Spitzenteam muss man eigentlich den Anspruch haben, ein Spiel zu dominieren wie es der Guardiola-Fußball vorsieht. Das größere Spektakel bietet hingegen der Kloppsche Vollgasfußball. Prallt beides aufeinander kann es ein großes Fußballfest werden. Ein solches Fußballfest wird es in Deutschland mangels Qualität wohl in den nächsten Jahren nicht geben können, denn es braucht mindestens zwei für einen Tango. Aktuell haben wir aber nur noch einen Tänzer in Deutschland und auch bei diesem steht noch ein Fragezeichen hinter der Entwicklung in den nächsten Jahren: Hoeneß will es heimelig behalten, sich dem ganz großen Business entziehen und auf "Mia san Mia", Lederhosen und Gutsherrenart setzen. Rummenigge würde lieber heute als morgen die 50+1 Regel kippen und den FCB als internationale Top-Marke etablieren. Dieser seit Jahren ungelöste Richtungsstreit bedroht die Entwicklung des FC Bayern. Ob es den Münchnern noch gelingen kann, auch in der Generation nach Robben und Ribery, Boateng und Hummels noch die besten der Welt dauerhaft zu binden muss sich noch erweisen. Die 17 sogenannten Gegner in der Bundesliga braucht man nicht einmal mehr näher zu betrachten, wenn es um internationalen Spitzenfußball geht.
sind die internationalen Erfolge dieser beiden in den letzten Jahren sehr bescheiden. Guardiola hatte seine größten internationalen Erfolge mit Barcelona. Danach kam nicht mehr viel. Die Bedeutungsverschiebung nach England hat zumindest erfolgstechnisch nicht stattgefunden trotz dieser absurden Summen dort. Ein Spektakel ist es. Nur erfolgreich ist man damit nicht. Die englische Liga wird überschätzt. Wenn es hart auf hart kommt, setzen sich meistens z.B. die Spanier durch. Angesichts der Gelder dort ein Armutszeugnis.
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