Bayern-Trainer Heynckes "Auslosung ist kein Wunschkonzert"

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hat im Gegensatz zu seinem Präsidenten keinen Wunschgegner fürs Habfinale der Champions League. Er hält Borussia Dortmund als Gegner für genauso schwer wie Madrid oder Barcelona. Den Favoriten Barça hat er schon genauestens studiert.

Bayern-Coach Heynckes: "Am besten ganz locker und gelöst"
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Bayern-Coach Heynckes: "Am besten ganz locker und gelöst"


SPIEGEL ONLINE: Ist der Präsidentenwunsch, Borussia Dortmund als nächsten Halbfinalgegner in der Champions League zu bekommen, jetzt Befehl?

Heynckes: Die Auslosung ist kein Wunschkonzert, weil die vier Mannschaften im Halbfinale absolute Top-Mannschaften sind. Jeder von den vier Teams kann die Champions League gewinnen. Deswegen habe ich keine Präferenz. Ich denke auch nicht, dass man das haben sollte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gar keinen Wunschgegner? Nicht einmal ihren ehemaligen Club Real Madrid?

Heynckes: Nein. Sie wissen immer erst nach den Halbfinalspielen, ob das ein gutes Los gewesen ist oder nicht. Es hängt im Halbfinale von vielen Faktoren und Kleinigkeiten ab, ob man alle Spieler fit hat, dass keiner verletzt ist, dass alle wichtigen Spieler dabei sind und wie das beim Gegner ist. Meine Erfahrung sagt mir, es ist am besten, wenn man da ganz locker und gelöst drangeht.

SPIEGEL ONLINE: Gegen Turin haben die Kleinigkeiten ja gestimmt, wenn man von der Anfangsphase absieht.

Heynckes: Keine Mannschaft der Welt kann nach Turin fahren und sagen, wir beherrschen den Gegner 90 Minuten. Das ist Juventus Turin. Nach 25, 30 Minuten haben wir die Kontrolle über das Spiel übernommen. Und in der zweiten Halbzeit haben wir dann unsere ganze Klasse, unsere ganze Stärke demonstriert und haben dann sicher letztendlich auch verdient gewonnen.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Situation mit zwei spanischen und zwei deutschen Top-Clubs im Halbfinale etwas Besonderes?

Heynckes: Immer wieder gibt es Spekulationen und Wünsche über zwei deutsche Teams im Endspiel. Man sollte dabei nicht vergessen, dass im vergangenen Jahr das Endspiel vorher schon vergeben war mit Real Madrid und Barcelona - und dann kam es anders (Anm. der Red.: FC Bayern - FC Chelsea). Ich finde, wir sollten jetzt auch in das Halbfinale reingehen, wie wir das auch in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben. Ganz souverän und ohne große Aufregung.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich der Stellenwert des deutschen Fußballs mit diesen zwei guten deutschen Mannschaften verändert?

Heynckes: Ich denke, dass in den vergangenen Jahren schon der Respekt vor dem deutschen Fußball im Ausland größer geworden ist. Als ich in Spanien Trainer war, hat die Bundesliga dort überhaupt nicht stattgefunden. Nun sind im deutschen Fußball sehr viele junge hochtalentierte Spieler rausgekommen, sehr gute Mannschaften, der Respekt ist groß geworden in Spanien. Wenn man von der Auslosung spricht, denke ich, dass sich nicht jeder gerade Bayern München wünscht.

SPIEGEL ONLINE: Muss sich der FC Bayern in seiner derzeitigen Verfassung immer noch klein machen und sagen, Barcelona lieber erst im Finale? Oder ist man auf Augenhöhe?

Heynckes: Ich nehme jeden Gegner so wie er kommt. Ich kenne den FC Barcelona wie aus dem Effeff, besser als meine Mannschaft vielleicht. Weil ich über viele Jahre immer Real Madrid gegen Barcelona angeschaut habe, kenne ich die Spielphilosophie, die Taktik, die ganzen Spieler. Und wenn Barcelona kommt, dann nehmen wir Barcelona an. Aber Barcelona hat in den vergangenen Jahren den internationalen Fußball beherrscht und bestimmt, war sehr erfolgreich. Ich denke aber, Real Madrid oder Borussia Dortmund sind genauso schwer.

Aufgezeichnet von Christian Kunz, dpa



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Seite 1
semper-idem 11.04.2013
1. Heynckes
ist der fähigste, vernünftigste und erfahrendste Trainer der Bundesliga, vielleicht sogar europaweit. Seine unprätentiöse Art ist vorbildlich. Ich wünche ihm den CL Sieg - danach sollte er sich keinen Trainerjob - Schalke schon gar nicht - mehr antun.
Schotty 11.04.2013
2. @semper-idem und Don Jupp
Ich habs an anderer Stelle schon geschrieben und bleib dabei: Ich glaube Jupp hätte gern noch ein Jahr bei Bayern drangehängt. Ich kann mir vorstellen, dass er nach dem zu erwartetenden Abgang von Mou einfach an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt und bei Real in Rente geht. So gut und positiv geil auf Fußball wie er im Moment ist und bei Bayern vor die Tür gesetzt für einen Klinsmann 2.0, da wird der seinen "Freunden" schon zeigen, was ein großer Trainer ist.
john923 11.04.2013
3.
Zitat von SchottyIch habs an anderer Stelle schon geschrieben und bleib dabei: Ich glaube Jupp hätte gern noch ein Jahr bei Bayern drangehängt. Ich kann mir vorstellen, dass er nach dem zu erwartetenden Abgang von Mou einfach an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt und bei Real in Rente geht. So gut und positiv geil auf Fußball wie er im Moment ist und bei Bayern vor die Tür gesetzt für einen Klinsmann 2.0, da wird der seinen "Freunden" schon zeigen, was ein großer Trainer ist.
Dann hätte er es letzten Sommer auch so sagen sollen. Aber er hat letzten Sommer zu Uli Hoeneß gesagt dass er dazu tendiert seinen Vertrag nicht zu verlängern und hat dies im Dezember nochmal bekräftigt. Damals sagte er, er sei nur bereit "nochmal drüber zu reden" falls der Verein keinen adäquaten Nachfolger findet (gute Trainer stehen ja meistens auch nicht auf der Straße (außer eben Guardioala diesmal)). Was soll also der FCB machen? Er hat nen 67jährigen Trainer dessen Vertrag ausläuft und der augenscheinlich nicht weitermachen will. Da ist der Verein doch verpflichtet sich auf dem Markt nach einem neuen Trainer umzuschauen. Und als sich die Chance ergab Guardiola zu bekommen, was hätten sie dann anders machen sollen? Hätten sie zu Guardiola sagen sollen "du Pep, wir wollen dich schon, aber eigentlich nur dann wenn der Jupp nicht mehr will und das wissen wir aber noch nicht so genau, weil so 100% klar hat er es nicht gesagt, aber vielleicht kannst du bis März 2013 warten, dann können wir dir definitiv Bescheid geben" ? WIe lächerlich ist das denn. Jupp Heynckes wollte eigentlich nicht mehr...zumindest damals, der Verein musste reagieren und hat reagiert...dass Jupp nun evtl (weiß ja niemand genau) mit den aktuellen Erfolgen doch weitermachen würde wollen...ja, hätte er sich dann eben vorher überlegen sollen.
stefansaa 11.04.2013
4.
Zitat von semper-idemist der fähigste, vernünftigste und erfahrendste Trainer der Bundesliga, vielleicht sogar europaweit. Seine unprätentiöse Art ist vorbildlich. Ich wünche ihm den CL Sieg - danach sollte er sich keinen Trainerjob - Schalke schon gar nicht - mehr antun.
So fähig Heynckes auch ist, fand ich ihn in den letzten Jahren sehr merkwürdig. Als er in Leverkusen war meinte er, das ist seine letzte Station. Ich denke Leverkusen hätten auch mit ihm verlängert. Er geht lieber zu den Bayern. Nun gut. Seis drum. In meinen Augen gibt es in Europa einen Trainer der sie alle schlägt und das ist Sir Alex Ferguson. Auch wenn dieser menschlich schwierig ist, insbesondere zu Presseleuten, halte ich ihn für den größten Trainer, den es je gab. Auf nationaler Ebene ist Heynckes jedoch ungeschlagen, da gebe ich Ihnen Recht.
schwerpunkt 11.04.2013
5.
Noch mehr als für den FCB als Verein, freue ich mich für Jupp Heynckes, wenn dieser das Tripel schaffen sollte. Wie kann man denn besser und glanzvoller so eine Karriere beenden?
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