BVB-Trainer Klopp vor CL-Finale: "Wir sind das interessanteste Projekt der Welt"

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Bongarts/Getty Images

BVB-Trainer Klopp: "Wir sind kein Unternehmen"

Für Trainer Jürgen Klopp gibt es derzeit nichts Reizvolleres in der Fußballwelt als seinen Job in Dortmund. Vor dem Londoner Champions-League-Finale gegen den FC Bayern buhlt er in einem "Guardian"-Interview um die Unterstützung der neutralen Fans. Denn der BVB sei ein "Arbeiterverein".

Hamburg - Klopp spricht im "Guardian" von Borussia Dortmund als dem "interessantesten fußballerischen Projekt der Welt". Der BVB sei "ein sehr besonderer Verein - ein Arbeiterverein", so der Trainer. Unerwähnt bleibt, dass der Club aus dem Ruhrgebiet mittlerweile ein finanziell ausgesprochen erfolgreicher Arbeiterverein ist - der für das Gesamtgeschäftsjahr 2012/2013 laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke 250 Millionen Euro Umsatz anpeilt.

Den Gegner am kommenden Samstag im Wembley-Stadion, den FC Bayern, attackiert Klopp zwar nicht direkt. Wenn er jedoch sagt: "Wir sind ein Verein, kein Unternehmen", dann ist deutlich, in welche Richtung das zielt.

Wenn der neutrale Fan am Samstag, so Klopp, "die Geschichte der Bayern respektiert, dann soll er sie unterstützen. Aber wenn er eine neue Geschichte bevorzugt, eine besondere Geschichte, dann muss er auf Dortmunder Seite sein. Ich denke, in diesem Moment in der Fußballwelt, muss man auf unserer Seite sein".

Ein Interview für eine Erwähnung

Sätze, die bewusst auf das englische Publikum in Wembley abzielen. Im Mutterland dieses Sports werden Anspielungen auf "die romantischen Wurzeln" ("Guardian") des Fußballs schließlich stets mit großer Sympathie aufgenommen. Die Bundesliga gilt vielen englischen Fans als beispielgebend, wie sich Spitzenfußball und moderate Ticketpreise vertragen. Auch dass es in Deutschland noch Stehplätze in Stadien gibt, wird in England neidvoll registriert. Gezielt bezeichnet Klopp den BVB deshalb als "ganz besonderen Arbeiterverein".

Der Weggang von Nationalspieler Mario Götze zum FC Bayern sei ein schwerer Rückschlag für ihn und den Verein gewesen, machte der Coach zudem deutlich. Als er es erfahren habe, sei es "wie eine Herzattacke" gewesen. Auch einige seiner Spieler seien von dieser Nachricht so geschockt gewesen, dass "sie nicht schlafen konnten".

Bemerkenswert an dem Interview ist neben den inhaltlichen Aussagen auch die Tatsache, dass es offenbar auf Vermittlung eines Club-Sponsors zustande kam. Der "Guardian"-Text endet unvermittelt mit der Zeile: "Jürgen Klopp is proud to wear Puma - who are also a partner of Borussia Dortmund." Zuvor wird im Text ausdrücklich erwähnt, dass der Reporter sich mit Klopp "im Puma-Gebäude" getroffen habe. Auch Bildmaterial zu dem Stück wurde von Puma zur Verfügung gestellt.

Was in Deutschland zurzeit noch nicht denkbar ist, ist in der englischen Sportberichterstattung mittlerweile aber annähernd Normalität: Interviews, die von einer Firma ermöglicht werden - im Gegenzug wird das Unternehmen erwähnt.

aha

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insgesamt 264 Beiträge
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1. Klopp hat recht...
warndtbewohner 21.05.2013
der BVB ist der Verein der kleinen Leute, der FCB der Verein der Großkotze...
2.
joey55 21.05.2013
Zitat von sysopFür Trainer Jürgen Klopp gibt es derzeit nichts Reizvolleres in der Fußballwelt als seinen Job in Dortmund. Vor dem Londoner Champions-League-Finale gegen den FC Bayern buhlt er in einem "Guardian"-Interview um die Unterstützung der neutralen Fans. Denn der BVB sei ein "Arbeiterverein". Champions League: Klopp lobt Borussia Dortmund für seine Vision - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-klopp-lobt-borussia-dortmund-fuer-seine-vision-a-900908.html)
Herrlich wie Dortmund und Klopp an einer Legende stricken. Da werden Homm und die verpulverten Börsen-Millionen bewußt verschwiegen...
3. Aktiengesellschaft
burgerman 21.05.2013
Moment...habe ich irgendetwas verpasst...spricht der Jürgen Klopp da von der Dortmunder Aktiengesellschaft, wenn er sagt, wir sind ein Verein und kein Unternehmen. Wenn er da nicht mal wieder Ärger mit der Börsenaufsicht und den Anlegern bekommt...
4. Überheblickeit par excellence
jaidru 21.05.2013
Dortmunder Überheblichkeit, wohin mal blickt. Erst dieser Watzke, jetzt Klopp. Aber was soll's, glaubt Ihr nur an Eure Einzigartigkeit. In meinen Augeh haben die BVB-Verantwortlichen ihre Bodenhaftung schon vor längerer Zeit verloren. Ich werde daher - als eigentlich neutraler Fußballfan - den Bayern die Daumen drücken!
5. Bezichtigt Klopp den FC Bayern des Steuerbetrugs?
wainwright 21.05.2013
Scheinbar ist SPON der folgende Satz von Klopp im Guardian-Interview nicht aufgefallen: "It could not be our way to do things like Real and Bayern and not think about taxes – and let the next generation pick up our problems." Damit unterstellt er explizit dem FC Bayern (und NICHT etwa Uli Hoeneß), dass es der Verein mit den Steuern nicht so genau nimmt. Das Zitat wurde von Donald McRae, der das Interview für den Guardian geführt hat, inzwischen via Twitter bestätigt. Klopp wird doch sicher Belege für diese kühne These vorlegen können. Ansonsten wäre das ein klarer Fall von Verleumdung.
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