Champions League Es werde Licht in Eindhoven

Die PSV Eindhoven ist nach neun Jahren das erste niederländische Team in der K.-o.-Runde der Champions League. Zu verdanken hat es dies vor allem seinem Trainer: Phillip Cocu hat den Verein gründlich entstaubt.

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Bongarts/Getty Images

Der Fußballlehrer Phillip Cocu und die antike ägyptische Königin Kleopatra haben eines gemeinsam: Beide sind berühmt für ihre Nase. Cocu, einst ein großer Spieler beim FC Barcelona, bekam daher bereits in seiner aktiven Zeit den Spitznamen Pinocchio verpasst. Was insofern ungerecht ist, da Cocu schon als Profi für seine direkte, ehrliche Art bekannt war und somit das Gegenteil von einem, dessen Nase bei jeder Lüge weiterwächst.

Cocu ist mittlerweile in den Trainerjob gewechselt, sein gutes Näschen ist ihm als Coach der PSV Eindhoven in jedem Fall erhalten geblieben. Mit einem ausgeprägte Blick für Talente hat es der 45-Jährige geschafft, die PSV wieder als Marke im niederländischen Fußball zu etablieren. In der Liga ist man Tabellenführer vor dem ewigen Kontrahenten Ajax Amsterdam. Und in der Champions League steht das Team am Abend im Achtelfinale gegen Atletico Madrid (20.45 Uhr ZDF, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Das ist seit fast zehn Jahren keinem Team der Ehrendivision mehr gelungen.

2007 war die PSV sogar ins Viertelfinale vorgedrungen, der Abwehrchef damals hieß Phillip Cocu, es war seine letzte Saison als Profi im großen Fußball, bevor er noch eine Saison im fußballerischen Abklingbecken in den Vereinigten Arabischen Emiraten verbrachte. Danach sammelte er seine Trainererfahrungen als Assistent bei der Elftal, der Nationalmannschaft, sowie als Co-Trainer bei PSV. Seit drei Jahren ist er der Chef, und dem Verein konnte nichts besseres passieren.

Vor ein paar Jahren schien Ajax Amsterdam enteilt

Als er den Klub übernahm, hatte man sich in Eindhoven fast schon daran gewöhnt, dass man den Anschluss an den Rivalen Ajax verloren hatte. Die Amsterdamer hatten mit ihrem Coach Frank de Boer aus ihrer Sicht wieder das Naturrecht der ewigen Meisterschaft an sich gerissen. Die PSV mit Trainerroutinier Dick Advocaat dümpelte mit Abstand hinterher, für die Champions League hatte man sich seit 2009 nicht mehr qualifizieren können. Es sah ziemlich düster aus in der Lichtstadt Eindhoven.

Es musste vielleicht erst ein gebürtiger Eindhovener kommen, einer, der zudem noch einen Vornamen trägt, der so klingt wie der Weltkonzern Philips, der in Eindhoven beheimatet ist. Das Unternehmen, das diese ansonsten so schmucklose Stadt mindestens so geprägt hat wie der Fußball. Das Unternehmen, das nicht nur dem Stadion, sondern dem ganzen Verein den Namen gegeben hat: die PSV, die Philips Sport Vereniging.

Cocu - wie De Boer als Defensivspezialist Mitglied der großen Oranje-Elf der späten Neunzigerjahre, wie De Boer Profi bei Barca unter Louis van Gaal, einer mit 101 Länderspielen, unzähligen Champions-League-Einsätzen - ein Fußballdenkmal in Eindhoven. Ein Denkmal, das den Klub vom Sockel geholt und ihn entstaubt hat.

Eine Mischung aus Talenten und Routiniers

Unter ihm haben sich junge holländische Spieler etabliert wie Torwart Jeroen Zoet, Jürgen Locadia und Davy Pröpper. Gemixt mit Routiniers wie dem am Abend allerdings gelbgesperrten Ex-Gladbacher Luuk de Jong und dem Mexikaner Andres Guardado hat Cocu ein Team zusammengestellt, das in der Gruppenphase zwar hinter dem VfL Wolfsburg nur Rang zwei belegte, aber immerhin Manchester United hinter sich ließ. United mit Cocus altem Lehrmeister van Gaal. Cocu hat ihm bewiesen, dass er ausgelernt hat.

Von den Fortschritten, die die PSV gemacht hat, darf sich am Abend auch das deutsche Fernsehpublikum ein ausführliches Bild machen. Die Partie wird live im ZDF übertragen. Die Mainzer hätten wohl um einiges lieber aus Turin von der Gala des FC Bayern berichtet, aber da die Münchner schon am Dienstag spielten und das ZDF derzeit noch nur den Zugriff auf die Mittwochsspiele hat, rutscht nun Eindhoven ins deutsche Free-TV.

Und bringt auch damit wieder ein bisschen internationalen Glanz in den niederländischen Fußball. Der so gelitten hat im Vorjahr, als sich die Elftal mit der verpassten EM-Qualifikation bis auf die Knochen blamierte. Cocu kennt das Gefühl, er war als Spieler dabei, als Oranje 2001 in den Playoffs die WM-Teilnahme für 2002 verspielte.

Die alten Erfolge von Oranje, sie sind nicht viel wert. Cocu weiß das und hat das oft genug gesagt. In Holland sind sie gern geneigt, sich in den alten großen Zeiten zu verlieren; Johan Cruijff, der große Lenker und Denker der Elf von 1974, hatte im Land zeitweilig gottähnlichen Status.

Und auch bei PSV kramen sie nur zu bereitwillig die alten großen Namen heraus, die Romarios und Ronaldos, die hier Weltstars wurden. Die Elf von 1988, die den Europapokal der Landesmeister mit dem damals aufstrebenden Coach Guus Hiddink gewann, kann jeder PSV-Fan noch herunterbeten: Hans van Breukelen im Tor, davor Ronald Koeman, Sören Lerby und Berry van Aerle im Mittelfeld, vorn im Sturm Wim Kieft.

Aber das ist 28 Jahre her. Und es ist mal wieder höchste Zeit für einen frischen Coup. Es werde Licht in der Lichtstadt Eindhoven.

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wolleb 24.02.2016
1.
Der Herr Ahrens mal wieder in seiner Traumwelt. Der Holländische Vereinsfußball ist international nur noch drittklassig. Das Eindhoven noch dabei ist, kann man wohl als einmaligen Glücksfall bezeichnen.Hochgelobte Talente wie Depay schaffen es nicht mal bei einer Gurkentruppe wie Manchester United einen Stammplatz zu erobern. Es wächst nichts mehr nach im Holländischen Fußball. Wo sind die Nachfolger von Robben, van Nistelroy, Davids, Kluivert, Bergkamp, van Basten? Weit und breit nichts zu sehen.
Kernspalter01 24.02.2016
2. Holland
Es werden auch wieder Zeiten kommen, wo die Holländer wieder Weltstars hervorbringen. Zur Zeit ist nur Robben von großer internationaler Klasse. Allerdings wird der holländische Fußball auch dann nicht an die alten Zeiten herankommen. Sie sind, zusammen mit den Belgiern, eine der großen Verlierer des Bosman-Urteils. Vor dem Urteil konnten sie ihre Talente wenigstens bis zum 23-25 Lebensjahr in der Ehrendivision halten und damit immer wieder auch Mannschaften in die Runde schicken, die um Eurotitel mitgespielt haben. Seit dem Urteil verlieren sie ihre Talente teilweise schon mit 18 oder 19
deltonas 25.02.2016
3. Depay
@Wolleb Depay ist nur 20 jahren alt, hat nur 1 gutes Saison bei PSV hinter sich. Beurteil Ihn in 2 bis 3 Jahre. Und es gibt monentan vielen spieler in die Premier Leaque die in die vergangen Jahren in die Eredivisie spielten, die scheinen sich meistens zimlich Muhelos an zu passen. Und wenn ich mich dass nivo von Barcelona, Real und Bayern (oder in die Vergangenheit Ajax) anschaue, bin ich auch nicht so begeistert von die rest des Bundesligas.
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