Liverpools Kantersieg gegen Rom Das Ding ist durch, oder?

Mohamed Salah ist gegen seinen Ex-Klub AS Rom an gleich vier Treffern beteiligt. Liverpool verneigt sich vor seinem Stürmerstar - und muss bizarrerweise trotzdem um die Endspielteilnahme fürchten.

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Mann des Abends: Mohamed Salah, wie immer. Seit Januar ist er Afrikas Fußballer des Jahres, seit diesem Montag auch in England. Und spätestens nach seinem Führungstreffer im Champions-League-Hinspiel gegen AS Rom ist der Ägypter eine LFC-Klublegende! Anfang März im Ligaspiel gegen Manchester United blieb Salah letztmals in einem Pflichtspiel ohne eigenen Treffer. Beeindruckender als all seine Statistiken (s.u.) waren aber die Selbstverständlichkeit, mit der der Stürmer den Ball zunächst punktgenau in den Winkel platzierte (Foto, 35. Minute), und die Ruhe, mit der er kurz vor der Pause noch einmal nachlegte.

Salah trifft zum 1:0
DPA

Salah trifft zum 1:0

Ergebnis: Liverpool gewinnt die Neuauflage des Landesmeister-Endspiels von 1984 in einem spektakulären Spiel an der Anfield Road 5:2 (2:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Warmer Empfang: Vor dem Viertelfinal-Hinspiel war der Mannschaftsbus von Manchester City bei der Ankunft an der Anfield Road mit Flaschen beworfen worden. Ein beschämender Vorfall, wie Trainer Jürgen Klopp in einer Botschaft an die Fans der Reds noch einmal betonte: "Bitte zeigt dem Gegner den Respekt, den er verdient." Größere Gegenstände flogen diesmal zwar nicht, durch dichten roten Nebel musste sich der Bus der Römer trotzdem quälen.

Liverpool-Fans erwarten den gegnerischen Bus
Getty Images

Liverpool-Fans erwarten den gegnerischen Bus

Die erste Hälfte: Der Tabellendritte der Serie A begann auch beim Tabellendritten der Premier League in der 3-4-3-Grundordnung, die im Rückspiel gegen Barcelona so gut funktioniert hatte. Liverpool überließ dem Gegner zu Beginn den Ball, setzte selbst konsequent auf sein Umschaltspiel und seine drei schnellen Spitzen Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané. Letzterer vergab die beiden ersten großen Chancen der ersten Hälfte (28./29. Minute) leichtfertig - für die Reds war es dennoch der Startschuss.

Drang und Sturm: Eine halbe Stunde lang schien eine gut organisierte Roma alles im Griff zu haben, Aleksandar Kolarov traf nach einem Aussetzer von LFC-Keeper Lorius Karius sogar die Latte (18.), mit Manés Doppelchance aber kippte die erste Hälfte komplett. Neben Salahs zwei Geniestreichen kam Liverpool in diesen 17 Minuten zu weiteren acht (!) Torschüssen.

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Liverpools Sieg gegen die Roma: Salah-ha-ha

Die zweite Hälfte: Trainer Klopp freute sich weiter über "ein geiles Spiel", wie er nach dem Abpfiff mehrfach am Sky-Mikrofon sagte. Zunächst. Mané erhöhte kurz nach Wiederanpfiff (56.), Firmino anschließend gegen hilflose Römer sogar doppelt zum zwischenzeitlichen 5:0. Kurzum: Es war der perfekte Fußballabend für den FC Liverpool - zumindest 80 Minuten lang. Dann verkürzten die Italiener jedoch noch auf 2:5 und hatten sogar noch kleinere Gelegenheiten zu einem dritten Treffer. Pro-Tipp: Jürgen Klopp besser in Interviews nicht fragen, ob "das Ding durch" ist.

Duell der Wunderstürmer: Salah gegen Edin Dzeko. Während der ehemalige Wolfsburger Rom zumindest eine Resthoffnung für das Rückspiel am kommenden Mittwoch eröffnete, erzielte Salah gegen seinen Ex-Klub im 47. Pflichtspiel bereits sein 43. Tor und jagt dem Liverpooler Vereinsrekord von Ian Rush (47 Saisontreffer 1983/1984) nach. Salahs zwei Vorlagen vor dem 3:0 und dem 4:0 bedeuteten zudem seine 55. Torbeteiligung der Spielzeit, nur Barcelonas Lionel Messi kommt auf noch mehr Scorer-Punkte (58). Was ziemlich gut beschreibt, in welchen Dimensionen Salah inzwischen unterwegs ist.

Jubiläum: 150 Spiele? Wirklich schon? Gefühlt ist der Mann doch gerade noch mit dem Laster um den Borsigplatz gefahren.

Erkenntnis des Abends: Sein Team könne nur das Finale erreichen, wenn es zwei überragende Spiele abliefere, hatte Klopp vor der Partie gesagt. Lange sah es so aus, als könnte eines reichen. Die nachlässigen letzten zehn Minuten sorgen in Kombination mit dem 1:4 der Roma im Hinspiel beim FC Barcelona nun dafür, dass wohl doch ein weiterer starker Auftritt her muss. Ein erneutes 3:0 würde den Römern ja auch diesmal genügen. Das Argument, ein Salah in dieser Form sei genug, zieht sicher nicht. Barça hatte schließlich Messi.

FC Liverpool - AS Rom 5:2 (2:0)
1:0 Salah (35.)
2:0 Salah (45.)
3:0 Mané (56.)
4:0 Firmino (61.)
5:0 Firmino (69.)
5:1 Dzeko (81.)
5:2 Perotti (85., Handelfmeter)
Liverpool: Karius - Robertson, van Dijk, Lovren, Alexander-Arnold - Milner, Henderson, Oxlade-Chamberlain (18. Wijnaldum) - Mané, Firmino (90.+3 Klavan), Salah (75. Ings)
Rom:
Alisson - Jesus (67. Perotti), Manolas, Fazio - Kolarov, Strootman, De Rossi (67. Gonalons), Florenzi - Nainggolan, Ünder (46. Schick) - Dzeko
Zuschauer: 50.685
Schiedsrichter: Felix Brych
Gelbe Karten: Alexander-Arnold, Lovren, Henderson / Jesus, Fazio

insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
muiavnae 25.04.2018
1. Unterschiede
Aber während Barcelona Ballbesitzfußball spielt, ist es eine der größten Stärken von Liverpool schnellen Konterfußball zu spielen. Da wird es für Rom nochmal schwerer wenn man noch 3 Tore erzielen muss und keins bekommen darf.
spon-41d-frm9 25.04.2018
2. Bayern : Liverpool im Finale
Glückwunsch Kloppo, das war doch große Klasse. Falls Real ins Finale kommt gönne ich Dir die CL!!! Ansonsten dem Jupp Heinckes, der soll bitte die Bayern zum 2.x zum Triple führen
meresi 25.04.2018
3. Die Seele...
...als Klopp die Seele des Spiels, aus verständlichen Gründen tauschte, war es als ob auf wundersame Weise die Römer auferstanden sind, wie einst Lazarus. Klopp war sichtlich verärgert, ich wäre es auch als Trainer.Die Jungs waren offensichtlich schon beim Champagner
alaba27 25.04.2018
4. Das Ding ist durch !
Liverpool wird sich nicht so blöd anstellen wie Barcelona und Wunder geschehen nicht immer wieder. Selbst Weser-Wunder passierten dann und wann mal, aber irgendwann ist Werder dann doch 'rausgeflogen. Und das wird auch der Roma passieren, Dzeko in Topform hin oder her.
K:F 25.04.2018
5. Durch ist das noch nicht
Dazu muss Liverpool in Rom betehen. Im Fußball ist alles möglich.
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