Champions League Feldspieler hält zwei Elfmeter und wird zum Helden

Weil der Torwart von Ludogorets Rasgrad die Rote Karte sah, musste Verteidiger Cosmin Moti ins Tor - und wurde zum Helden. Im Elfmeterschießen hielt er zweimal und traf auch selbst. Nun soll eine Stadiontribüne nach ihm benannt werden.

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SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Dramatischer hätte der bulgarische Klub Ludogorets Rasgrad seine erste Champions-League-Teilnahme wohl nicht perfekt machen können: Im Playoff-Rückspiel gegen Steaua Bukarest in letzter Minute in die Verlängerung gerettet, Torwart durch Rote Karte verloren und doch noch 6:5 im Elfmeterschießen gewonnen. Dabei wurde Cosmin Moti zum Helden: Der Verteidiger musste am Ende ins Tor, parierte zwei Elfer und verwandelte selbst.

Eigentlich schien die Partie in Sofia schon entschieden. Steaua, das das Hinspiel 1:0 gewonnen hatte, stand im Grunde schon als Sieger fest. Dann gelang Wanderson in der 90. Minute mit einem Sonntagsschuss nach einer Ecke doch noch der Treffer für Gastgeber Rasgrad. Es ging in die Verlängerung, in der Torwart Wladislaw Stojanow kurz vor Ende wegen einer Notbremse die Rote Karte sah (119. Minute). Da Ludogorets schon dreimal gewechselt hatte, musste ein Feldspieler ins Tor.

Die Wahl fiel auf den Rumänen Moti, der früher lange für Steauas Erzrivalen Dinamo Bukarest gespielt hatte. Im Trikot des Ersatztorwarts trat Moti zum ersten Elfmeter für sein Team an - und traf. Dann wehrte er die Schüsse von Paul Parvulescu und Cornel Rapa ab und machte sich zumindest in Rasgrad unsterblich. "Es war das erste Mal, dass ich als Torwart gespielt habe", sagte Moti: "Es war ein hartes Spiel, aber wir sind ein gutes Team und haben gut gespielt. Wir hätten schon vor dem Elfmeterschießen gewinnen müssen."

Heimspiele womöglich im Ausland

Für Ludogorets ist die Champions-League-Teilnahme der bislang größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Der Verein wurde erst 2001 gegründet und 2010 vom bulgarischen Unternehmer Kyril Domustschiew übernommen. Mit dem Geld des Oligarchen gelang der Aufstieg von der zweiten in die erste Liga. Und in der ersten Saison in der sogenannten A Grupa holte Rasgrad sofort die Meisterschaft. Auch 2013 und 2014 gewann der Klub den Titel, in der vergangenen Saison erreichte die Mannschaft bereits das Achtelfinale der Europa League.

Wahrscheinlich muss Ludogorets seine Champions-League-Spiele außerhalb von Rasgrad (35.000 Einwohner) austragen. Denn das Stadion entspricht nicht den Uefa-Regularien für die "Königsklasse". Klub-Besitzer Domustschiew sagte, er werde vorschlagen, eine neue Tribüne für die derzeit 8000 Zuschauer fassende Arena zu bauen. Diese solle dann nach Moti benannt werden. "Er ist ein großartiger Spieler mit einer tollen Persönlichkeit", sagte Domustschiew: "Wenn wir nur mehr Spieler wie ihn hätten."

Bereits das Playoff-Rückspiel war in Sofia ausgetragen worden, weil dort das einzige geeignete Stadion des Landes steht. Womöglich müssen die drei Heimspiele in der Gruppenphase nun in einem anderen Land ausgetragen werden. Denn auch das Wassil-Lewski-Nationalstadion erfüllt nicht die Uefa-Bedingungen für die Vorrunde der Champions League. "Ich hoffe, sie erlauben uns, die Voraussetzungen hier zu verbessern, damit wir hier spielen können", sagte Domustschiew. Zuvor hatte nur ein bulgarischer Klub die Gruppenphase erreicht: Lewski Sofia 2006.

max/dpa/Reuters

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insgesamt 13 Beiträge
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FrancoP 28.08.2014
1. Wahnsinn!
Solche Sachen gibt's nur im Fußball! Wobei er beim entscheidenden Elfmeter viel zu früh die Linie verlassen hat - aber solange der Schiedsrichter nichts sieht.
DeutscherimAusland 28.08.2014
2. Es ist erfreulich,...
das auch Mal ueber die "kleinen" europaeischen Vereine hier berichtet wird. Da ich 30% meiner Jahresarbeitszeit u.a. mit/in Bulgarien verbringe. habe ich diese Truppe schon laenger auf dem Schirm! Mit "Herzblut" spielen ist immer noch der schoenste Fussball! Ich wuensche den Jungs, das das Stadion was sie verdienen bald entsteht!!!
qawsed 28.08.2014
3. ähem ... regelwiedrig
Ich weiß, alle Torwarte versuchen schnell von der Linie zu kommen. Aber hier springt er anderthalb Meter nach vorn, bevor der Schütze am Ball ist. Beide Versuche sind eigentlich ungültig. Waren aber auch sehr schlecht geschossen, besonders der zweite.
plagueis 28.08.2014
4. Oligarch?
Bulgarischer Unternehmer = Oligarch??? Lieber SPON, Du hast den Anspruch nicht die BILD zu sein. Dann schreibe entsprechend. Mit der gleichen Logik kann man Frau Klatten oder Herr Piëch als Oligarchen bezeichnen.
Kismett 28.08.2014
5. Ludogorets Rasgrad
Alleine der Name ist schon Melodie. Danach sollten die eine Marmelade benennen. Oder ein Seifenmittel. Ein Auto könnte man Ludo nennen, die Turbo-Version Ludogarret und die Sportversion "Lude ras´ grad".
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