Zweifel an ManCity-Trainer Guardiola Verschütteter Kaffee

Manchester City droht im Viertelfinale der Champions League das Aus gegen den FC Liverpool. Plötzlich gibt es Kritik an Trainer Pep Guardiola - während sein Gegenüber Jürgen Klopp dabei ist, Zweifel zu beseitigen.

Pep Guardiola
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Pep Guardiola

Von , Manchester


Es sind zuletzt ein paar Fotos von Pep Guardiola entstanden, auf denen er ganz anders aussieht als gewohnt. Auf denen er den Mund weit aufgerissen und die Augen zusammengepresst hat, auf denen Zorn und Verzweiflung in seinem Gesicht zu erkennen sind.

Einige dieser Bilder hatte die "Times" am Montag auf die Titelseite ihrer Fußball-Beilage gedruckt und dazu in großen Buchstaben die Frage gestellt, die seit knapp einer Woche die Beobachter in England beschäftigt. "What's happening?", lautet sie. Was passiert hier gerade?

Manchester City, Guardiolas Mannschaft, hat bislang eine Saison gespielt, die nahe an der Perfektion ist. Im Grunde steht das Team schon seit Dezember als Meister fest und steuert auf den Rekord für die meisten Punkte und die meisten Tore im Zeitalter der Premier League zu. Doch dann unterlag Manchester City im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Liverpool 0:3 und verlor 2:3 im Stadtderby gegen Manchester United - nach einer 2:0-Führung.

Nun droht das Scheitern im Viertelfinale der Champions League, und es gibt plötzlich Zweifel an Guardiola und an seinem Team vor dem Rückspiel gegen Liverpool an diesem Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky).

Schwächen sind kein Zufall

Die englische Presse hat zum Teil einen verheerenden Ruf, was vor allem den Boulevardblättern zu verdanken ist. Doch im Getöse von "Sun" oder "Daily Mirror" geht oft unter, dass es viele seriöse Institutionen wie den "Guardian", den "Telegraph" oder die "Times" gibt, die sich durch tiefgründige Analysen und Differenziertheit auszeichnen.

Sie ringen angesichts des merkwürdigen, des nicht vorhersehbaren Einbruchs von Guardiolas Mannschaft in den jüngsten beiden Spielen um einen Mittelweg. Ja, Manchester City hat in dieser Saison neue Maßstäbe gesetzt. Ja, Guardiola hat die Grundlage geschaffen für eine möglicherweise Jahre andauernde Dominanz. Ja, alles schön und gut und bewundernswert. Aber die Schwächen, die sich zuletzt offenbart haben, sind eben auch nicht zu übersehen. Und, so lässt sich die veröffentlichte Meinung zusammenfassen, diese Schwächen sind kein Zufall, sondern folgen einem Muster.

Die "Times" schreibt, dass Guardiolas Mannschaft innerhalb von zwei Spielen die Aura der Unbesiegbarkeit verloren habe und leichter aus dem Konzept zu bringen sei als bislang angenommen: "Ohne Ball ist sie anfällig. Sie sieht fehlbar aus - zumindest dann, wenn sie einmal getroffen wurde." Nach Beobachtungen des "Guardian" hat das Team zuletzt "wieder einmal die Neigung gezeigt, unter sehr wenig Druck zusammenzubrechen".

Rätselhafte Leistungsabfälle bei Manchester

Trainer Guardiola gesteht ein strukturelles Problem sogar ein. Er gibt zu, dass seine Mannschaften zu rätselhaften Leistungsabfällen neigen, nicht nur bei Manchester City, sondern auch vorher schon. "Ich habe viele Spiele in der Champions League innerhalb von zehn, 15 Minuten verloren. Vielleicht ist das meine Schuld", sagt er und erinnert an das Halbfinale 2015 mit dem FC Bayern gegen Barcelona, als sein Team durch drei Tore in der letzten Viertelstunde 0:3 unterlag.

Es könnte sein, dass Guardiola in dieser Saison das gleiche Schicksal erlebt wie in seinen drei Jahren in München. Dass er den nationalen Betrieb zwar nach Belieben beherrscht, der Fokus in der öffentlichen Betrachtung gegen Ende der Spielzeit aber auf den wenigen Niederlagen in den wirklich wichtigen Spielen liegt.

Guardiola ist der Auffassung, dass man wirklich große Mannschaften an ihrem Umgang mit Druck erkennen könne, dass wirklich große Mannschaften auch unter Druck so ruhig bleiben, als würden sie eine Tasse Kaffee trinken. Wenn das stimmt, dann hat City zuletzt nachgewiesen, noch keine große Mannschaft zu sein. Dann hat City den Kaffee verschüttet und muss irgendwie versuchen, die Sauerei zu bereinigen.

Unterhaltsame Stabilisierung in Liverpool

Die öffentliche Wahrnehmung von Liverpools Trainer Jürgen Klopp lief und läuft entgegengesetzt zur Wahrnehmung Guardiolas. Er hat zu Beginn der Spielzeit viel Kritik bekommen, weil alles darauf hindeutete, dass er auch in seiner dritten Saison im Amt die bekannten Probleme seiner Mannschaft nicht in den Griff bekommen würde, konkret die Schwächen in der Abwehr.

Videoanalyse zu Liverpool-Sieg: "Nicht so gut, wie es aussieht"

SPIEGEL ONLINE/ AP

Doch seit dem Jahreswechsel - und der Rekord-Verpflichtung von Innenverteidiger Virgil van Dijk - macht Liverpool einen stabileren Eindruck. Und das unter Beibehaltung von Klopps Prinzipien. Er hat an seinem angriffslustigen Umschaltfußball festgehalten, er sieht Fußball auch weiterhin als Unterhaltung. Aber eben als Unterhaltung mit Sicherheitsnetz. So gelingen der Mannschaft Pflichtsiege in der Liga mittlerweile genau so wie Gala-Abende im Europapokal.

Während bei Manchester City zum Ende einer herausragenden Saison plötzlich Störgeräusche zu vernehmen sind, hat man bei Liverpool den Eindruck, dass endlich alles zusammenfindet: dieser emotionale Trainer und der emotionale Klub, dazu die passende Spielweise, neuerdings gepaart mit einer soliden Abwehr. Während Guardiola plötzlich angezweifelt wird, ist Klopp gerade dabei, Zweifel zu beseitigen.

Sollte Liverpool den Einzug ins Halbfinale der Champions League schaffen und City ausscheiden, würde sich der Trend bestätigen. Auf beiden Seiten.



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sischwiesisch 10.04.2018
1. Tja
Da sieht man mal wieder, wie schwer früher der Gewinn des Europapokals war. Keine Gruppenspiele, KO-System ab der ersten Runde. Ein schlechtes oder unglückliches Spiel und das war's zuweilen. Diesen Zeiten hänge ich nach. Aber gut. Heute kostet ja manch ein 20jähriges "Talent", der noch nichts erreicht hat , schon über 100 Mio € Ablösung plus Gehalt. Das Geld muss natürlich generiert werden und beschert mir Spiele des Vierten aus England gegen den Vierten aus Spanien in der "Champions-League" , die mich (ganz subjektiv) nicht die Bohne interessieren.
Papazaca 10.04.2018
2. BVB-Fans für Klopp, Bayern-Fans für Pep?
NÖ, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Klar sind BVB-Fans eher für Klopp. Obwohl ich es gut fand, das Klopp ging. Ich glaube an Peps Idee, das viele Trainer nach 3 Jahren besser gehen, weil Sie nicht mehr richtig motivieren können. Oder was auch immer ... Ja, das Verhältnisder Bayern-Fans zu Pep empfand ich immer als gespalten. Wahre Liebe war es sicher nicht, aber viel Respekt. Und dann verlor Pep schon damals wichtige Spiele, im Gegensatz zu Jupp. Na ja, Jupp ist wirklich das Beste, was den Bayern passieren konnte. Bin gespannt, was nach Jupp kommt.
doppelnass 10.04.2018
3. @ Nr. 2
Ich denke, das Verhältnis war gar nicht gespalten. Es gibt halt immer welche, die nörgeln. ich mochte Pep, allerdings glaube ich, dass er sich auch wirklich ein paar Mal vercoacht hat. Das allerdings bedeutet nicht, dass ich ihn nicht für einen herausragenden Trainer halte. So wie übrigens auch Ancelotti. Und auch Klopp. Was ich allerdings nie verstehen werde: Wieso geht der zu solch einem Club? Wäre er zu ManU oder Arsenal gewechselt, hätte ich das cool gefunden. Aber City? Dieses Scheich-Gebilde, wo es gar keine Identifikation gibt? Nee, da dachte ich, Pep wäre nicht so käuflich. Aber er ist es offenbar doch.
Frank_Heckert 10.04.2018
4. Peinlich
Sollte Liverpool heute Abend verlieren, wird Pep bestimmt schnell wieder zum Überflieger hochgeschrieben – und an Klopp nagen dann erneut „berechtigte journalistische Zweifel“. Das passt ins SPON-Bild, aber die ständigen Übertreibungen auf dieser Seite kann man ja eh' nicht mehr ernst nehmen.Hier geht (am liebsten) ständig die Welt unter. Von „Einordnung“ keine Spur mehr, egal, ob es um Klopp, Trump oder Sexpraktiken à la bento geht. Peinlicher Sensationsjournalismus, völlig enthemmt. :-)
Weltfinanzexperte 10.04.2018
5. Das kommt mir spanisch vor!
Ich glaube ja, dass Pep ein spanisches U-Boot ist, mit dem Auftrag die jeweiligen Landesligen und -nationalmannschaften zu destabilisieren. Siehe Bayern München... Deutsche Nationalspieler auf die Bank und dafür irgendwelche drittklassigen spanischen Rumpelfussballer ("Thiago oder nix") hinterherziehen... ;)
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