Von Benjamin Knaack
Hamburg - Das Spiel war schon gelaufen, Dortmund war sicher fürs Champions-League-Achtelfinale qualifiziert, da zeigte Jürgen Klopp Erbarmen. In der 70. Minute nahm der BVB-Trainer Mario Götze vom Feld, den alles überragenden Akteur an diesem Abend - und erlöste Spieler, Verantwortliche und Fans von Ajax Amsterdam.
Der Nationalspieler hatte zuvor die Amsterdamer Mannschaft schwindelig gespielt. An allen vier Dortmunder Treffern war er beteiligt, schoss ein Tor selbst, bereitete drei vor. Es war ein Alptraum für die Niederländer unter den rund 50.000 Zuschauern.
"Mario spielt auf einem unglaublichen Niveau, fast in jedem Spiel. Mit 20 Jahren ist das überragend", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bereits in der Halbzeit, als der BVB schon 3:0 in Führung lag. Am Ende gewannen die Dortmunder 4:1 (3:0), in der Gruppe D können sie nicht mehr von Platz eins verdrängt werden.
"Götze spielt seinen Fähigkeiten entsprechend"
"Es ist umso schöner, als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen", sagte der umjubelte Götze nach dem Spiel und lobte brav seine Mitspieler: "Die ganze Mannschaft hat sehr gut gespielt." Kaum zu glauben: Für den Nationalspieler war es der erste Treffer in der laufenden Champions-League-Saison. In der Liga war er bislang viermal erfolgreich - zuletzt gegen Greuther Fürth, als er seine Gegner wie Slalomstangen austanzte und den Ball locker über die Linie schob.
Gegen Amsterdam fungierte Götze beim ersten Treffer von Marco Reus zunächst als Vorlagengeber. Er bekam den Ball auf der rechten Außenbahn und passte zurück auf Reus, der zum 1:0 traf. Knapp eine halbe Stunde später trug sich Götze dann selbst in die Torschützenliste ein, als er einen gegnerischen Verteidiger ausspielte und ins linke Eck traf.
Vor dem 3:0 hatte Götze Ajax-Torhüter Kenneth Vermeer mit einem harten Schuss zu einer verunglückten Abwehr gezwungen. BVB-Angreifer Robert Lewandowski setzte nach und staubte ab. Auch den zweiten Treffer von Lewandowski, der vierte für Dortmund insgesamt an diesem Abend, wurde von Götze vorbereitet: Der Nationalspieler flankte, Lewandowski traf - und die mitgereisten BVB-Fans standen Kopf.
"Die Tore waren alle wunderschön rausgespielt und kamen im richtigen Moment", lobte BVB-Trainer Jürgen Klopp später, für ihn war die Leistung seines Mittelfeld-Juwels nicht verwunderlich: "Götze spielt seinen Fähigkeiten entsprechend."
Erst das elfte Champions-League-Spiel für Götze
Auch an den gefährlichen Szenen, die nicht zu Toren führten, war fast immer Götze beteiligt. "Wir haben im Umschaltspiel unglaubliches geleistet", analysierte Klopp den größten Erfolgsfaktor der Dortmunder Taktik. Meist ging es ganz schnell: Balleroberung im Mittelfeld, Pass auf Götze - und der nahm Tempo auf.
Bezeichnend hierfür war Götzes Alleingang in der 28. Minute, als er tief in der eigenen Hälfte an den Ball kam, den Turbo zündete und mit Ball am Fuß Ajax-Mittelfeldspieler Christian Poulsen enteilte, einen weiteren Amsterdamer austanzte und erst am gegnerischen Strafraum ins Stolpern kam.
Bei all dem Trubel um seine Person blieb Götze bescheiden, statt lang und breit über seinen Gala-Auftritt zu sprechen, wich er den Fragen der Journalisten nach seiner Leistung aus und wollte lieber über die überragende Teamleistung und die Erfahrung "Königsklasse" sprechen. "Die Champions League ist ein großes Erlebnis", sagte Götze. Das vergisst man so leicht: Es war erst sein elftes Spiel in diesem Wettbewerb.
Ajax Amsterdam - Borussia Dortmund 1:4 (0:3)
0:1 Reus (8.)
0:2 Götze (36.)
0:3 Lewandowski (41.)
0:4 Lewandowski (67.)
1:4 Hoesen (86.)
Amsterdam: Vermeer - van Rhijn, Alderweireld, Moisander, Blind - Poulsen (46. Schöne) - Enoh (63. Hoesen), Eriksen - Lukoki, de Jong, Boerrigter (73. Fischer)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender (63. Perisic), Gündogan - Götze (70. Blaszczykowski), Reus (79. Schieber), Großkreutz - Lewandowski
Schiedsrichter: Proenca (Portugal)
Zuschauer: 50.000
Gelbe Karten: Enoh, Moisander - Götze
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