Ex-Arsenal-Spieler Volz: "Wenger legt Wert auf Anstand"

England-Kicker Volz: Einmal Insel und zurück Fotos
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Kaum ein deutscher Profi kennt den englischen Fußball so gut wie Moritz Volz. Mit 16 Jahren kam er auf die Insel, lange Zeit spielte er bei Bayerns Champions-League-Gegner FC Arsenal. Im Interview spricht Volz über Arsène Wenger, Klinsmann-Dives durch Londoner Regenpfützen und Bayern München.

Hamburg - Elf Jahre lang hat Moritz Volz in England Fußball gespielt, mit 16 Jahren holte ihn Arsène Wenger, Trainer des FC Arsenal, von Schalke 04 nach London. Über Stationen in Wimbledon, Fulham und bei Ipswich Town ist der 30-Jährige mittlerweile wieder in Deutschland angekommen. Vom damaligen Erstligisten FC St. Pauli verschlug es ihn in den Süden - zu 1860 München. Vor dem Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales von Bayern München gegen den FC Arsenal (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) spricht Volz im Interview über seine Erfahrungen mit dem englischen Fußball.

SPIEGEL ONLINE: Herr Volz, wenn die Bayern gegen Arsenal um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen, ist das auch das Duell zweier Trainer-Füchse: Jupp Heynckes und Arsène Wenger. Sie haben Wenger in Ihrer Zeit in London kennengelernt. Ist er wirklich so streng, wie es immer heißt?

Volz: Streng? Ich würde eher sagen, dass er ziemlich klare Vorstellungen davon hat, wie das Spiel aussehen soll. Das Training ist von der ersten bis zur letzten Minute durchgeplant, bei Wenger wird keine Zeit mit unsinnigem Zeug wie dem Aufstellen von Toren verschwendet. Ich habe ihn immer als sehr sachlich in seiner Kritik erlebt, er wird selten laut.

SPIEGEL ONLINE: Wenger ist Franzose, spricht aber Elsässerdeutsch. Haben Sie sich als Junge aus dem Pott besser als andere Spieler mit ihm verständigen können?

Volz: Auf eines legt Wenger besonderen Wert: Anstand. Deshalb haben wir immer Englisch miteinander gesprochen, das war für ihn selbstverständlich, schließlich waren wir in einem englischen Fußballverein. Ein besonderes Verhältnis hatten wir durch die Sprache nicht, auch wenn er maßgeblich an der Entscheidung beteiligt war, mich von Schalke nach England zu holen.

SPIEGEL ONLINE: Da waren Sie 16 Jahre. Haben Sie damals schon Unterschiede zum deutschen Fußball festgestellt?

Volz: Als Jugendspieler durften wir manchmal am Training der Profis teilnehmen, das kannte ich von Schalke so nicht. Da waren die erste Mannschaft und ihr Trainer immer ganz weit weg. Wenn wir in London Samstagmorgens unsere Ligaspiele hatten, ist Arsène Wenger oft noch herübergekommen und hat sich angeschaut, was wir machen. Er hat sich immer interessiert. Das war ein Riesenansporn und ein wichtiges Zeichen für junge Spieler, die die große Hoffnung haben, später mal Profi zu werden. Etwas völlig Neues für mich.

SPIEGEL ONLINE: Wie sah denn das Training bei den deutschen Clubs aus?

Volz: Viel ernster und disziplinierter. Da wurden zu Beginn der Einheit keine Bälle durch die Gegend geschossen, bis der Trainer sich endlich Aufmerksamkeit verschafft hatte. In England ist irgendwie mehr Spaß und Leichtigkeit dabei, es wird rumgeflachst. Wenn es in London stark genug geregnet hatte und Riesenpfützen auf dem Platz waren, dauerte es nicht lange, bis der erste einen Klinsmann-Dive gemacht hatte und den Rest des Trainings klitschnass absolvierte.

SPIEGEL ONLINE: Swansea-Torhüter Gerhard Tremmel sagte kürzlich, es sei für ihn eine Erlösung gewesen, in den englischen Fußball zu wechseln.

Volz: Ich kann jeden gut verstehen, der das sagt. Das Arbeiten ist dort wahnsinnig angenehm, viel ruhiger. Weil die Trainings nicht öffentlich sind, kann man sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren, man selbst sein. Man muss nicht befürchten, dass einem sein Verhalten auf dem Trainingsplatz gleich negativ ausgelegt wird. In Deutschland stehen die Profis ständig unter Beobachtung von Fans und Medien. Das macht einen großen Unterschied.

SPIEGEL ONLINE: Klingt doch alles ziemlich gut. Warum läuft es dann bei den Premier-League-Clubs derzeit so wenig rund, was ist los mit dem FC Arsenal?

Volz: Leider schafft es die Mannschaft in dieser Saison nicht, das abzurufen, was sie eigentlich kann. Zudem ist der Verein noch immer geschwächt vom Neubau des Stadions, auch wenn das viele als billige Entschuldigung bezeichnen. Es ist Tatsache, dass weniger Geld in den Kader floss, und natürlich hängt auch davon der Erfolg ab. Ich glaube trotzdem, dass Arsenal in den vergangenen Jahren die Möglichkeit gehabt hätte, Titel zu gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Hat Arsenal gegen Bayern München überhaupt eine Chance?

Volz: Die Bayern waren schon vor dem gewonnenen Hinspiel Favorit, sie zeigen eine unglaublich konstante Leistung. Ich schätze die Chancen für Arsenals Weiterkommen auf fünf Prozent, aber wenn das Team einen guten Tag hat, könnte es München immerhin vor Probleme stellen.

SPIEGEL ONLINE: Was müsste es dafür tun?

Volz: Schwächen haben die Bayern kaum. Doch im Hinspiel konnte man vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit sehen, dass sich Arsenal auch seine Räume erarbeitete. Und zwar immer dann, wenn das Team das Spiel offensiv in der Hälfte der Bayern gestaltete, wenn es schnell und flach spielte. Darauf muss es sich konzentrieren und nicht so sehr auf das Verhindern von gegnerischen Chancen.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen mit 1860 München derzeit bei einem Münchner Verein. Wenn Sie es sich aussuchen dürften: Würden Sie die Partie eher in einem bayerischen Brauhaus oder in einem englischen Pub gucken?

Volz: Ganz klar, englischer Pub.

Das Interview führte Sara Peschke

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1. optional
Amiga 13.03.2013
"Haben Sie sich als Junge aus dem Pott besser als andere Spieler mit ihm verständigen können?" Moritz Volz ist kein Junge aus dem Pott, sondern Siegerländer.
2. Etwas kleinlich
widower+2 13.03.2013
Zitat von Amiga"Haben Sie sich als Junge aus dem Pott besser als andere Spieler mit ihm verständigen können?" Moritz Volz ist kein Junge aus dem Pott, sondern Siegerländer.
Wenn Sie so argumentieren, könnte man Thomas Schaaf als waschechten Mannheimer bezeichnen, obwohl er seit mehr als 40 Jahren bei Werder Bremen ist und sprachlich gesehen "fürchterlich bremert".
3. gar nicht kleinlich
Amiga 14.03.2013
nur das Moritz Volz bloß ein Jahr in Schalke war und vorher in seiner Heimat, also wird ihn das eine Jahr doch wohl nicht plötzlich zu einem Ruhrpottler gemacht haben. Thomas Schaaf ist da also ein schlechter Vergleich.
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Zur Person
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    Moritz Volz, Jahrgang 1983, ist in Siegen aufgewachsen und wechselte als 16-Jähriger vom FC Schalke 04 zum FC Arsenal. 2003 ging der Verteidiger zum FC Fulham und spielte bis 2009 für den Verein im Londoner Westen. Seit 2010 steht er beim FC St. Pauli unter Vertrag.
    In England ist Volz überaus beliebt. "Er ist ein Deutscher mit Sinn für Humor. Mehr noch, er ist ein deutscher Fußballer mit Sinn für Humor", schrieb einst der "Guardian".
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