PSG-Niederlage gegen Real Stadt der Hiebe

Das Duell zwischen Paris Saint-Germain und Madrid sollte das Highlight des Achtelfinales werden. Doch das Spiel war eine Enttäuschung - vor allem für Paris. Und erst recht für Julian Draxler, der auf der Bank saß.

AFP

Von Eike Hagen Hoppmann


Der sechste Versuch: Zwischen 2013 und 2016 scheiterte Paris jeweils im Viertelfinale der Champions League, 2017 folgte das Aus nach einem epischen Duell mit dem FC Barcelona im Achtelfinale. 2018 sollte es nun - endlich - mit dem Sieg klappen. 2011 waren die katarischen Investoren mit dem klaren Ziel angetreten, mit PSG die Champions League zu gewinnen. In der französischen Liga ist das Team inzwischen konkurrenzlos - für Europas Spitze reicht es aber noch immer nicht.

Das Ergebnis: Nach dem 3:1 im Hinspiel hat Real Madrid auch das Rückspiel bei Paris Saint-Germain 2:1 (0:0) gewonnen und steht im Viertelfinale der Champions League. Hier geht's zur Meldung.

Das Personal: Es gab vor dem Spiel eigentlich nur eine Personalie: Neymar. Der 26-Jährige Superstar fiel verletzt aus. Für ihn rückte Ángel Di María in die Startaufstellung. Bei Real Madrid saß Toni Kroos nach seiner Verletzung im Hinspiel zunächst nur auf der Bank. Auch die beiden Deutschen im Kader von Paris, Julian Draxler und Kevin Trapp, mussten auf der Ersatzbank Platz nehmen. Für Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne war es kein guter Abend.

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Die erste Hälfte: Die enorme Bedeutung der Partie war beiden Mannschaften in der Anfangsphase anzumerken: Kein Team wollte etwas riskieren. Erst in der 18. Minute gab es zum ersten Mal Torgefahr, aber PSG-Keeper Alphonse Aréola konnte den Schuss von Sergio Ramos abwehren. Aréola hielt sein Team mit einer weiteren starken Parade gegen Karim Benzema (38. Minute) im Spiel. PSG hingegen hatte durch Kylian Mbappé erst zwei Minuten vor der Pause die erste (und einzige) ernst zu nehmende Chance.

Die zweite Hälfte: Es fielen zwar Tore, aber spannend wurde es nicht. Cristiano Ronaldo brachte Real schnell in Führung (50.), nachdem Marco Verratti in der 66. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog, war die Luft endgültig raus. Daran änderte auch Edinson Cavanis zwischenzeitlicher Ausgleich (71.) nichts. Casemiro erzielte zehn Minuten vor Schluss noch den Siegtreffer für die Gäste. Für PSG endete damit auch die Serie von zwölf Champions-League-Heimspielen ohne Niederlage.

Ohne die Zehn: Nach dem WM-Halbfinale 2014 verpasste Neymar verletzungsbedingt nun auch das zweite große Spiel seiner Karriere. Ihm blieb nur, ein Motivationsvideo in den sozialen Netzwerken zu posten. Gebracht hat es nichts - seinen Teamkollegen fehlte offensiv gegen die gut strukturierte Abwehr von Real jegliche Idee.

Ruunaldo: Schon im Hinspiel war Ronaldo mit seinen beiden Treffern der Mann des Spiels. Auch im Rückspiel gelang ihm das entscheidende Tor. Sein Kopfballtreffer zum 0:1 war schon so etwas wie die Vorentscheidung. Ronaldo stellte damit auch den Rekord einer anderen Stürmerlegende ein.

Was wird aus dem Projekt PSG? 175 Millionen Euro investiert Katar jedes Jahr in PSG. Wie und ob es in diesem Umfang weitergeht, ist unklar. Das Financial Fairplay der Uefa könnte weitere Transfers in dreistelliger Millionenhöhe einschränken. Rund um Neymar kursieren schon die ersten Wechselgerüchte. Paris ist zwar jedes Jahr an einer Spitzenmannschaft gescheitert (dreimal Barcelona, einmal Manchester City, einmal Chelsea und einmal Real), trotzdem dürften auf Trainer Unai Emery unruhige Zeiten zukommen.

Draxlers Frust: Einen Vorgeschmack auf die in Paris nun folgenden Diskussionen gab Julian Draxler nach dem Spiel im ZDF. Er sollte Mitte der zweiten Hälfte eingewechselt werden, wurde dann wieder weggeschickt und wenig später schließlich doch eingewechselt. "Unsensibel und ich habe es auch nicht ganz verstanden", sagte Draxler. "Da war ich überrascht und auch ein bisschen sauer." Schließlich habe man ja noch weitere Tore für das Weiterkommen gebraucht. Unterstützung für den Trainer sieht in jedem Fall anders aus.

Paris Saint-Germain - Real Madrid 1:2 (0:0)
0:1 Ronaldo (51.)
1:1 Cavani (71.)
1:2 Casemiro (80.)
Paris: Aréola - Dani Alves, Thiago Silva, Marquinhos, Berchiche - Verratti, Motta (59. Pastore), Rabiot - Di María (76. Draxler), Mbappé (85. Diarra) - Cavani
Madrid: Navas - Carvajal, Varane, Sergio Ramos, Marcelo - Kovacic (72. Kroos), Casemiro - Vázquez, Asensio (82. Isco) - Benzema (76. Bale), Ronaldo
Schiedsrichter: Brych
Gelbe Karten: Ramos / Kovacic
Gelb-Rot: Verratti (66.)
Zuschauer: 47.929



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gibmichdiekirsche 07.03.2018
1. Neymar, die Preise, Real, die WM … - und Draxler
Fürs Ausscheiden im Achtelfinale ist der nun auch leider noch verletzte Neymar gewiss nicht nach Paris gewechselt; fürs Rumtingeln durch die französische Provinz eh nicht. Dann warten wir mal ab, wohin im Sommer die Reise gehen und ob sich noch mal einer finden wird, der 200++ Mio für ihn locker macht. Oder ob sich diese Preisblase dann wieder in Wohlgefallen auflöst. Zu wünschen wär's ja. Aber wer weiss, was die WM für neue "Superstars" mit Mondpreisschildern um den Hals ins Schaufenster stellen wird? Für Real freut's mich. Nicht nur, weil die noch ganz anderen in die Quere kommen können, sondern vor allem, weil ich es schlicht immer interessant finde, diesen Jungs beim Kicken zuzuschauen. Julian Draxler tut mir (ein bisschen) leid. Um der deutschen NM willen, die er braucht und diese ihn als Mann mit Spielpraxis und Selbstvertrauen. Dass er vor seinem PSG-Abenteuer das Sprichwort mit dem Tigersprung und der Bettvorlegerlandung nicht etwas eingehender meditiert hat, ist und bleibt allerdings sein Problem.
ich-geb-auf 07.03.2018
2. gut so!
Das freut mich sehr, dass Paris draußen ist und deren Preistreiberei nicht belohnt wurde.
der_rookie 07.03.2018
3. Hm
Die Kataris werden wohl leider mindestens bis 2020 an PSG festhalten. Jahre vor „ihrer WM“ in 2022 zu zeigen dass sie (Vereins)Fußball nicht könnnen erlaubt Ihnen Ihr Stolz nicht. Die kaufen nun den nächsten Trainer und vielleicht mal einen Star für die „6“ - wer halt immer bei der WM in Russland auffällt. Und wie sie die Grenzen des UEFA Financial FairPlay umgehen haben sie ja schon bei Neymar gezeigt: Da hat PSG offiziell auch nichts gezahlt. Neymar hat seine 222 Millionen Ablöse ja selber gezahlt. Ist den Kataris doch egal in die die 222 Mio für Barca über ein Vereinskonto oder über ein Spielerkonto los werden.
Papazaca 07.03.2018
4. Viel Hype um ein enttäuschendes Spiel
Um es kurz zu machen: Ein Spiel zum Vergessen. Der beste Mann war der Schiedsrichter. Marcello spielte auffällig fehlerhaft, Cavani gelang nichts und er verhielt sich wie der Unsympath schlechthin. Mbappe hin in der Luft, weil er aus dem Mittelfeld kaum Bälle bekam. Und die Fans waren pyrogeil und vernebelten das Spiel. Man könnte glatt so weiterschreiben, aber das Spiel ist es nicht wert. Abhaken.
torflut 07.03.2018
5. Kylian Mbappé
Für mich war das Sinnbild von PSG der Herr Kylian Mbappé! Eigensinnig vergeigt er in Halbzeit 1 eine Superchance, indem er Cavani NICHT anspielt! Was solls, nun spielen die Bayern im VF und eben nicht PSG!
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