PSG-Trainer Unai Emery Stell dir vor, du gewinnst, und sie feuern dich trotzdem

Paris Saint-Germain spielt eine herausragende Saison, trotzdem steht Trainer Emery vor dem Aus. Selbst der Champions-League-Sieg könnte zu wenig sein.

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Es könnte der bisherige Saisonhöhepunkt im internationalen Fußball werden: Real Madrid gegen Paris Saint-Germain (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF und Sky), der Titelverteidiger gegen den Klub, der mutmaßlich am meisten dafür tut, diesen Titel auch endlich mal zu gewinnen. Superstars treffen hier gleich im Dutzend aufeinander, doch trotz Ronaldo, Neymar, Kroos, Mbappe und Ramos stehen besonders im Mittelpunkt: die beiden Trainer, Unai Emery und Zinedine Zidane.

Der Franzose hat die Chance, mit dem dritten Champions-League-Triumph in Serie eine ansonsten sehr schwache Saison vergessen zu machen. Der Spanier Emery hat bewiesen, dass er viel mehr ist als ein Star-Bändiger, nämlich einer der besten Trainer der Gegenwart. Und dennoch könnte er im Sommer zum Gehen gezwungen werden.

Der Grund: PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi. Der 44-Jährige tritt selten in der Öffentlichkeit auf, meidet Interviews und lässt Kritik an seinem Klub, seinen Transfers oder der Leistung der Mannschaft unkommentiert.

Umso mehr erstaunte es, als Al-Khelaifi nach der Niederlage im Champions-League-Spiel beim FC Bayern im Dezember sagte, die Mannschaft habe "schlecht gespielt" und man sei "nicht nach München gekommen, um 1:3 zu verlieren". Es war, für die Verhältnisse des Geschäftsmannes aus Katar, ein Ausbruch. Und es war deutlich, dass diese Kritik nicht den Profis galt. Adressat war Unai Emery.

Seither tauchen in den französischen Medien fast wöchentlich neue Gerüchte um eine mögliche Nachfolge des Spaniers auf: Antonio Conte, André Villas-Boas, José Mourinho und zuletzt Neapels Trainer Maurizio Sarri werden genannt. Und das, obwohl Emery und PSG gute Chancen auf das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League haben.

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In der Ligue 1 hat Tabellenführer Paris zwölf Punkte Vorsprung auf Meister AS Monaco, im Pokal steht PSG im Viertelfinale. Und ins Duell mit Real gehen die Franzosen auch wahrlich nicht als Außenseiter.

Denn wenn die Königlichen zu schlagen sind, dann in dieser Saison. Das hat in der Champions League nicht nur Tottenham unter Beweis gestellt. Auch in der Liga verlor Real gegen deutlich schwächere Teams wie Leganés, Villareal oder Aufsteiger Girona. Platz vier mit 17 Punkten Rückstand auf Barça ist ungefähr eine Galaxie von den eigenen Ansprüchen entfernt. In Schlagzeilen zusammengefasst liest sich Madrids Saison so: "Real stolpert", "Real quält sich", "neuer Tiefpunkt". Und trotzdem schob sich zwischen die Meldungen über Real-Niederlagen die Nachricht: "Madrid verlängert mit Zidane bis 2020".

Von so viel Vertrauen kann Emery nur träumen. Die Unzufriedenheit des Klubbesitzers mit seinem Trainer soll laut französischen Medien mittlerweile so groß sein, dass er den auslaufenden Vertrag des ehemaligen Coachs vom FC Sevilla auch bei maximalem Erfolg - also dem Gewinn des Triples - nicht verlängern werde. Sollte Paris sich schon vorher aus der Champions League verabschieden, gilt als wahrscheinlich, dass Emery nicht mal mehr das Saisonende an der Seitenlinie miterleben wird.

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Champions League: Zidane und Emery unter Druck

Dabei haben Al-Khelaifi und Emery ähnliche Ansprüche. Als der Trainer im Juni 2016 in Paris vorgestellt wurde, sprach er gleich vom Champions-League-Sieg: "Das ist ganz klar ein Ziel." Mit Sevilla hatte er dreimal die Europa League gewonnen. Der 46-Jährige ist ein Taktik-Besessener, ähnlich wie Manchester Citys Pep Guardiola. Mittelfeldspieler Joaquín, der beim FC Valencia drei Jahre unter Emery spielte, beschrieb die Videoanalysen von Emery als so ausführlich, "dass mir das Popcorn ausging".

Doch in seinem ersten Jahr in Paris reichte es, nach vier Meisterschaften in Folge, am Ende nicht mal zum nationalen Titel. Die Tatsache, dass der Sieg im Europapokal verpasst wurde, wog nicht so schwer wie die Art und Weise, in der es geschah. Die 1:6-Niederlage im Achtelfinalrückspiel der Champions League bei Barcelona - das ist der Makel, der Emery aus Sicht von Al-Khelaifi noch immer anhaftet.

PSG hatte das Hinspiel in Paris 4:0 gewonnen, in Barcelona stand es bis zur 88. Minute 1:3 aus Sicht der Franzosen. Dann gelangen Messi, Neymar und Sergi Roberto noch drei Tore. "Ob er haltbar ist? Das ist nicht der Moment, um darüber zu sprechen. Nach diesem Spiel sind wir alle enttäuscht", hatte Al-Khelaifi im Anschluss an die Partie gesagt. In diesem Moment dürfte schon klar gewesen sein, dass Emery keine große Zukunft in Paris haben wird.

Conte, Villas-Boas, Mourinho, Sarri - die Liste potenzieller Nachfolger für Emery ist lang. Laut einem Bericht des britischen Boulevardblatts "The Sun" hat der Katari bereits einen weitere Kandidaten für die Nachfolge Emerys im Visier. Sein Name: Zinédine Zidane.



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Grünstein 14.02.2018
1. Bei den genannten
Nachfolgekandidaten kann einem natürlich Angst und Bange werden. Mourinho scheitert mal wieder mit einem Topteam, Villas-Boas hat in China den Trainerolymp erreicht, Conte kann eigentlich nur italienische Mannschaften trainieren. Wenn Emery auf den Markt kommt, ist er das heißeste Eisen. Die Araber sollen die Finger vom europäischen Fußball lassen.
fisschfreund 14.02.2018
2.
Es ist immer eine sichere Sache, wenn sich das Management in sportliche Belange einmischt. Da fällt mir spontan der Vogel bei 1860 München ein. Der hat auch keine Ahnung vom Fußball.
decebalus911 14.02.2018
3.
Dieser Moment (nach der 1-6 Niederlage in Barcelona) war ja vor einem Jahr. Immerhin haben Sie ihn danach noch eine Saison behalten... Ist es diese Saison wirklich sicher, dass PSG ihn selbst nach einem CL-Sieg entlassen würden? Ich denke nein. Allerdings werden wir es nur erfahren, wenn er die CL gewinnt.
jujo 14.02.2018
4. ...
Mein Mitleid hält sich in Grenzen wenn es um die sogenannten Startrainer geht und diese, warum auch immer, gefeuert werden. Mußte Heynckes bei Real nicht auch nach dem CL Titel gehen?
mister_a 14.02.2018
5. PSG international
Zumindest, was man hierzulande mitbekommt ist eine recht dosierte Frequenz des katarischen Besitzers in Sachen Einmischungen. Es scheint sich auf wichtige Spiele und Momente in der Saison zu beschränken, was im Allgemeinen ja normal ist da ja die Journalisten dann ja auch an diese Leute vermehrt herantreten. Das ist ja selbst bei konservativ geführten Klubs so. Ich würde aus meiner Sicht auch in der Sache zumindest nicht allzu wohlwollend zu Emery stehen. Die Balance zwischen Heim und Auswärtsauftritten ist teilweise gegen die Topteams schon recht bedenklich gewesen. Gerade für eine Mannschaft die spätestens diese Saison das Ziel CL-Titel doch recht deutlich formuliert hat. Wie gegen Barcelone letztes Jahr und auch gegen Bayern diese Saison auswärts begonnen wurde, ist eigentlich kaum tragbar. Umso unverständlicher wenn man weiß, zu was für einer Laufleistung die Mannschaft ansonsten grundsätzlich fähig ist. Entweder ist Emery nicht fähig, aus den Leuten die nötige Anfangsaggressivität herauszuholen um sich nicht hinten rein drängen zu lassen, oder stellt seine Mannschaft genauso (falsch?) ein, wie sie sich dann zeigt. Das machts natürlich spannend, aber dass den Verantwortlichen dieser Faktor mal sowas von unwichtig ist, kann man schon verstehen. Selbst der überhauptnicht so auf Funktionär gepolte Spieler Thomas Müller sagte ja mal, dass er überhaupt keine verstärkte Lust darauf verspüre, dass ein Wettbewerb mit der Teilnahme seiner Mannschaft möglichst lange spannend bliebe... ;-)
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