Paris Saint-Germain Das Monster hat Hunger

In Frankreich hat Paris Saint-Germain keine Gegner mehr, zu dominant ist der Klub. Um endlich zu den Großen in Europa zu gehören, soll jetzt der Champions-League-Titel her.

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Zlatan Ibrahimovic ist nicht nur der einzige, der bei Paris Saint-Germain wirklich etwas zu sagen hat. Der Schwede ist auch derjenige, der seinen eigenen Klub und die Fans öffentlich kritisieren darf. "Vor uns war hier nichts", hat Ibrahimovic mal im Zorn auf die pfeifenden Anhänger gesagt. Er hätte genauso gut sagen können: "Vor mir war hier nichts."

Das stimmt nicht ganz, der Verein wurde 1970 gegründet, immerhin. Mit Ibrahimovic allerdings begann der jüngste Anlauf des Pariser Vereins, zum elitärsten Zirkel der europäischen Klubs zu gehören. Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Juventus Turin, Bayern München. Diese Liga.

Im Mai 2011 übernahm die Investorengruppe Qatar Sports Investments, 2012 wechselte Ibrahimovic vom AC Mailand nach Paris. Das Vereinswappen wurde 2013 überarbeitet, das Gründungsjahr verschwand. Paris Saint-Germain hat sich neu erfunden, wobei Geld eine größere Rolle spielt als Kreativität.

Um sich den Ruf eines wirklich großen Klubs endgültig zu verdienen, müsste die Champions League gewonnen werden. Das würde auch das sehr anspruchsvolle Publikum ruhigstellen. Nationale Meistertitel reichen da nicht mehr aus. Der Kader ist jedenfalls besser als je zuvor. Zum insgesamt dritten Mal trifft PSG nun in der K.-o.-Phase auf den FC Chelsea, zum ersten Mal geht Paris als Favorit in das Achtelfinale (Anpfiff 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; im TV bei Sky).

In der heimischen Liga teilt Paris St. Germain inzwischen das Schicksal des FC Bayern München. Dort den Titel zu gewinnen, ist eine Selbstverständlichkeit für das hochgerüstete Team geworden. Von einem Jahresbudget der Pariser in Höhe von 481 Millionen Euro berichtet die "Süddeutsche Zeitung". PSG hat damit nicht nur bei den Ausgaben die Münchner überflügelt, sondern auch was die Dominanz in der Liga angeht: 24 Punkte haben die Pariser Vorsprung auf den AS Monaco; 22 Siege, vier Unentschieden, Niederlagen: null.

Spitzname "Das Monster"

Insgesamt hat das Team seit 35 Spielen nicht mehr verloren und im Tor muss sich Kevin Trapp in diesen Monaten manchmal eigenverantwortlich warm halten, sonderlich viel bekommt der ehemalige Frankfurter nicht zu tun. Zwölf Gegentore bei 63 erzielten Treffern hat PSG gerade mal kassiert. In der Champions League wurde der Ex-Frankfurter Trapp nur einmal bezwungen - beim 0:1 in Madrid, der einzigen Pariser Niederlage der Vorrunde. Abgesehen von den Spielen gegen Real Madrid (Hinspiel: 0:0) gewann PSG alle Vorrundenduelle.

Langeweile herrscht nicht nur in der französischen Liga, sondern immer wieder auch auf dem Platz, trotz solcher Spieler wie Ibrahimovic, Di Maria, Cavani, Verratti. Es passiert selten, dass sich diese Stars an sich selbst berauschen, wie es die Konkurrenz bei Real Madrid, dem FC Barcelona oder Bayern München immer wieder tut. Diese Lust überragender Fußballer, ihr Können zu zeigen, ist bei der Mannschaft von Laurent Blanc selten. Auch bei Siegen wird gepfiffen.

"Das Monster", nennt die französische Presse PSG inzwischen, weil der Klub so gewaltig geworden ist, seine Gegner chancenlos zurücklässt, dabei aber nicht schön anzuschauen ist. Selbst für die eigenen Fans nicht. Ibrahimovic, mit 21 Toren in 20 Ligaspielen auch in dieser Saison wieder mit Abstand bester Stürmer der Ligue 1, beschwerte sich im vergangenen Jahr über das Publikum. Es käme wohl direkt vom Kaviaressen ins Stadion, vermutete der Schwede, dem sich im Verein alles unterordnet, selbst Trainer Laurent Blanc.

Der Franzose, Kapitän der Weltmeistermannschaft 1998, gilt als Stoiker. Er lässt Ibrahimovic den großen Auftritt, den er braucht. Dass die heimische Presse ihn deshalb ein wenig belächelt, stört Blanc wenig, er hat gerade erst um zwei Jahre bis 2018 verlängert.

Wirklich geärgert hat den 50-Jährigen aber das Verhalten von Serge Aurier. Der ivorische Abwehrspieler beleidigte den Trainer in einem Onlinevideo übel. Auch Ibrahimovic und Ángel di María griff Aurier an. "Ich habe den Jungen vor zwei Jahren nach Paris geholt, und das ist der Dank dafür", sagte Blanc: "Ich finde das erbärmlich."

"Wir treffen auf Teams, die genau so viel Geld haben wie wir"

Der Klub hat Aurier suspendiert, ansonsten hat Blanc wenig Sorgen. Er selbst sagt, seine Mannschaft sei bereit für den Titel. "Wir treten inzwischen in einer Gewichtsklasse an wie kaum ein französisches Team vor uns. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir uns verbessert haben." In der Liga konnte seine Elf tatsächlich nicht beweisen, dass sie in dieser Saison vielleicht gut genug ist, um bis ins Finale zu kommen.

"Wir wissen natürlich, dass wir in der Champions League auf Teams treffen, die genauso viel Geld wie wir haben, und dass es deshalb sehr schwer wird", sagte Blanc der britischen Tageszeitung "The Telegraph". "Es ist eine andere Kategorie, weil diese Klubs dieselben Waffen haben wie wir."

Zum Beispiel der FC Chelsea. Auch wenn die Londoner eine Horrorsaison spielen (Platz zwölf in der Liga, Trennung von Trainer José Mourinho). Seit Guus Hiddink das Amt übernommen hat, ist Chelsea unbesiegt. Blanc erwartet deshalb "ein enges Spiel". Vor zwei Jahren gewann Paris das Viertelfinal-Hinspiel 3:1. Aber durch ein 2:0 im Rückspiel setzte sich Chelsea durch. Das Achtelfinale der vergangenen Saison wurde erst in der Verlängerung entschieden. Nach dem Hinspiel in Paris stand es 1:1. Im Rückspiel in London gelang PSG in der 114. Minute das umjubelte 2:2 zum Weiterkommen. Danach scheiterte das Team im Viertelfinale am FC Barcelona.

Überschattet wurden die Begegnungen von überhart geführten Zweikämpfen, ähnliches erwartet Blanc auch jetzt. "Es wird eine aggressive Partie werden", sagte er. Die Marketingabteilung seines Vereins versucht in den sozialen Medien derweil, das drohende Unheil positiv zu verkaufen. Legenden würden im Kampf geboren, kündigt PSG martialisch an.



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insgesamt 13 Beiträge
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wokman 16.02.2016
1.
Wiedermal ein Beispiel für die Käuflichkeit von Erfolg auf nationaler Ebene im Fußball. Einziges*Trostpflaster*bisher, das Mannschaften wie*PSG*oder*ManCity*international wenig Erfolg haben - bis jetzt. Fußball verliert für mich immer mehr an Bedeutung, wo reiche Geldgeber Vereine künstlich zum Erfolg führen. In der NFL in Amerika ist wenigstens klar, das Geld verdienen die*Hauptzweck*der Vereine ist. Durch die Einführung eines*Mannschaftsobergehalts*ist es jedoch wenigstens spannend. Wenn das so weitergeht im Fußball sollte das vielleicht auch mal in Betracht gezogen werden...
wahmbeck 16.02.2016
2. egal
Mich interessiert die CL ohnehin nicht (mehr). Das System der Qualifikanten, das fast ausschliesslich die grossen Nationen bevorzugt und den grossen Vereinen eine "beinah-Garantie" für eine permanente Teilnahme sichert ist eine Form des extrem Kapitalismus. Zu allem Überfluss werden die Gruppen 3. der CL in die Euroleague gerettet. Unfassbar. Ich schau mir die CL nicht mehr an. Egal auf welchem Sender es läuft.
meinereinerunser 16.02.2016
3. Ah ja...
Zitat von wahmbeckMich interessiert die CL ohnehin nicht (mehr). Das System der Qualifikanten, das fast ausschliesslich die grossen Nationen bevorzugt und den grossen Vereinen eine "beinah-Garantie" für eine permanente Teilnahme sichert ist eine Form des extrem Kapitalismus. Zu allem Überfluss werden die Gruppen 3. der CL in die Euroleague gerettet. Unfassbar. Ich schau mir die CL nicht mehr an. Egal auf welchem Sender es läuft.
So lange es zum Kommentieren der Championsleague-Beiträge reicht, ist anscheinend doch noch Interesse vorhanden.
Bueckstueck 16.02.2016
4. Aha. Soso.
Zitat von wahmbeckMich interessiert die CL ohnehin nicht (mehr). Das System der Qualifikanten, das fast ausschliesslich die grossen Nationen bevorzugt und den grossen Vereinen eine "beinah-Garantie" für eine permanente Teilnahme sichert ist eine Form des extrem Kapitalismus. Zu allem Überfluss werden die Gruppen 3. der CL in die Euroleague gerettet. Unfassbar. Ich schau mir die CL nicht mehr an. Egal auf welchem Sender es läuft.
Wie schon jemand so richtig bemerkt hat, offenbar ist es für dich noch wichtig genug um uns mit deinem Unmut zu belästigen. Niemand möchte Gurkenspiele mit Hinter-Hinterbänklern sehen. Das ist schon gut so wie es ist.
Bueckstueck 16.02.2016
5. psg und CL gewinnen?
Ich gebe euch mein Ehrenwort, auch diese Saison wird ausser psg niemand mehr an psg denken wenn es um den Finaleinzug geht. Es fehlt die Klasse an allen Ecken und Enden um gegen die Grossen was zu reissen. Da vermag das serenmässige Gewinnen von Titeln in der mittlerweile jämmerlich schlechten Ligue 1 nicht darüber hinweg täuschen.
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