Hoeneß und die Bayern "Uli hat eine Bastion, die zu ihm steht"

Hoeneß-Affäre, Ärger um den Götze-Wechsel: Offenbar völlig unberührt von Steuerskandal und Krisen-PR zauberten sich die Bayern-Spieler zum Halbfinaltriumph über den FC Barcelona. Doch vor allem die Personalie Götze könnte in der Mannschaft noch Unruhe auslösen.

Von Sebastian Winter, München


Uli Hoeneß war tatsächlich da. Der Präsident Bayern Münchens wusste natürlich genau, dass 68.000 Zuschauer in der Arena und Millionen an den TV-Bildschirmen auch auf ihn blicken würden. Nur vereinzelt waren dann kritische Plakate zu sehen oder Pfiffe zu hören. Hoeneß bekam freundlichen Applaus, obwohl vor dem Spiel brisantere Details seiner Steueraffäre bekannt geworden waren. Laut "Süddeutscher Zeitung" war im März gar ein Haftbefehl gegen Hoeneß erlassen, dann aber gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro ausgesetzt worden.

Der 61-Jährige hielt kurz vor dem Anpfiff des Halbfinal-Hinspiels in der Champions League gegen Barcelona eine rote Papptafel hoch, er sah sich als Teil der vorbereiteten Choreographie. Und dann schaute er sich jubelnd die Demontage der stärksten Mannschaft der vergangenen Jahre durch seine Bayern an. Dieses 4:0, das einem sportlichen Erdbeben gleicht. Der derzeit wohl größte Fußballclub der Welt wurde in einem Maße gedemütigt wurde, wie es niemand auch nur im Ansatz erwarten konnte.

Die Mannschaft und ihr Trainer Jupp Heynckes haben im Unterhaltungsbetrieb Bayern München AG eine unsichtbare Schutzhülle um sich herum gespannt, an der offensichtlich alle äußeren Einflüsse abprallen. Kaum einmal war so viel Teamgeist im Biotop der Bayern-Profis zu spüren. "Ich hatte überhaupt keine Angst um die Mannschaft. Das hat sie am Samstag nicht tangiert und auch heute nicht", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

"Auch für den Präsidenten gespielt"

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Bayern gegen Barcelona: Der Besuch des Herrn Hoeneß
Es war Hoeneß' größter Alptraum, dass die Mannschaft nun gegen Barcelona verliert, womöglich auch noch schlecht spielt. Gerade jetzt, in diesen Krisen-PR-Tagen. Hoeneß konnte nicht ahnen, dass die Spieler eine solch glänzende Antwort auf das von ihm selbst erzeugte Störfeuer finden würden.

Wohl eher, welche Unterstützung er auch nach dem Spiel erhielt. "Wir haben auch für den Präsidenten gespielt", sagten Arjen Robben und Dante fast wortgleich, Heynckes betonte, dass die Freundschaft zu Hoeneß noch enger geworden sei: "Uli hat einen Fehler gemacht. Aber er ist ein absolut wertvoller Mensch."

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wurde ungewohnt pathetisch: "Uli hat mit dem FC Bayern eine Bastion, die zu ihm steht. Das macht unseren Club aus. Man kann sich vorstellen, wie der Druck momentan auf ihm lastet. Und ein solches Spiel hilft dann auch ein bisschen, diesen Druck abzubauen."

Meldung zum Götze-Transfer als Ablenkungsmanöver?

Rummenigge widmete sich dann den Fragen, die demnächst massiv auf die Bayern hereinbrechen werden. Fragen, ob Hoeneß denn noch zu halten sei. Ob er denn nicht geschützt werden müsse - und der FC Bayern vor dieser imageschädigenden Affäre. "Ich kann, will und werde mir den FC Bayern ohne Uli Hoeneß nicht vorstellen", sagte Rummenigge. Der Verein ist loyal. Hoeneß wird versuchen, dem Druck standzuhalten bis zum Ende der Saison. Vieles wird davon abhängen, was noch ans Licht kommt in den nächsten Tagen. Und ob tatsächlich Anklage gegen ihn erhoben wird.

Auf Hoeneß fällt nun noch ein anderes, sportpolitisches Ereignis zurück: Der am Tag des Barcelona-Spiels bekannt gewordene Wechsel des Dortmunder Nationalspielers Mario Götze zu den Bayern. Zwar dementierten die Bayern Gerüchte, nach denen sie den Vollzug des Coups via "Bild" als Ablenkungsmanöver früher als geplant in die Öffentlichkeit tragen ließen (Rummenigge: "Wir hätten das frühestens am Donnerstag nach den Spielen der beiden deutschen Mannschaften bekanntgegeben"), doch die Wirkung dieser Personalie ist enorm.

Ausgerechnet Hoeneß hatte vor ein paar Tagen noch gewarnt, dass der deutsche Fußball auf dem Weg in eine Zweiklassengesellschaft sei, wie in Spanien, wo es seit Jahren die zwei Top-Vereine Real Madrid, Barcelona und eben die anderen gibt. Indem er dem zurzeit härtesten Rivalen eine Identifikationsfigur raubt, entsteht nun wieder das Bild des Kaufclubs, der Mannschaften wie Dortmund, die ihn zu sehr ärgerten, die Schlüsselspieler entreißt.

Die Personalie Götze wird auch innerhalb der Mannschaft Fragen aufwerfen. Aber sie stellen sich noch nicht im Biotop. Nicht jetzt, da die Bayern die Tür zum Champions-League-Finale gerade aus den Angeln gerissen haben.

insgesamt 189 Beiträge
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Seite 1
to5824bo 24.04.2013
1. optional
Zitat von sysopDPAHoeneß-Affäre, Ärger um den Götze-Wechsel: Offenbar völlig unberührt von Steuerskandal und Krisen-PR zauberten sich die Bayern-Spieler zum Halbfinaltriumph über den FC Barcelona. Doch vor allem die Personalie Götze könnte in der Mannschaft noch Unruhe auslösen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-praesident-hoeness-fuer-fc-bayern-im-stadion-a-896263.html
'"Ich kann, will und werde mir den FC Bayern ohne Uli Hoeneß nicht vorstellen", sagte Rummenigge.' Tja, werter Herr Rummenigge, falls Ihr derzeitiger Präsident rechtskräftig verurteilt werden und womöglich im Knast sitzen sollte, werden sie sich wohl schlicht daran gewöhnen müssen.
hermes69 24.04.2013
2. Klar hat er die
Unsere Gesellschaft ist eben blind und verlogen. Die Erfolge eines Fußballvereins stehen über dem Gemeinwohl. Beckenbauer & Co. haben gestern ja deutlich gemacht wie es aussieht. Man möchte einfach nur wegrennen ...
fraecael 24.04.2013
3. Weg damit.
Nun werden einige Mittelfeldspieler des FCB nicht mehr benötigt und müssen woanders für ein Drittel des Gehalts spielen.
wurzelbär 24.04.2013
4. Jeder -
Mensch macht in seinem Leben Fehler ! Dazu stehen, und vor allem sich von den Medien und den "kleingeistigen Neidhammeln" nicht verrückt machen lassen. Keiner im Volk regt sich so auf, wenn Politiker Milliarden wirtschaftlich in den Sand setzen, schwachsinnige Gesetze durchpeitschen, oder die Bildung vom Staat in den Keller fahren. Dadurch ist der Schaden am "deutschen Staat" größer, als alle die Steuerhinterziehen! Wo bitte, oder wer hat die über 2,3 Billionen Euro an Staatsüberschuldung die von der Politik, den Politikern verursacht wurden ? Hier fragt keiner nach dem Nachweis - auf welchen Konten, wieviel und warum - gelandet sind ! Im Volk, im Staat - ist das Geld - zusätzlich zu den Steuern und Zwangsabgaben die eingefordert werden jedenfalls nicht zu finden, bei dem Zustand von Deutschland ! Man sollte die Prioritäten von Politik, Regierung und die Gesetze zum Staat einmal logisch überdenken!
nana22 24.04.2013
5. Hoeness sollte sich schämen
Wenn er noch einen Rest Anstand im Leib hat tritt er als Präsident zurück anstatt seine Freunde die ihm in Niebelungen treue folgen weiter zu beschädigen. Sonst muss man sich langsam fragen ob sich der FCB auch über Schwarzgeldkonten managed nach dem Motto das mussten wir tun um mit anderen Clubs mitzuhalten. Ich habe die Hoenessaffäre erst nicht glauben wollen, mitlerweile ist aber Nichts mehr undenkbar.
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