PSG-Sensations-Aus gegen Manchester Adieu

Was für eine Dramatik: Paris-Saint Germain, einer der Topfavoriten, ist in letzter Sekunde gegen Manchester United ausgeschieden. Beide Klubs erlebten ein denkwürdiges Déjà-vu.

Kylian Mbappé am Boden
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Kylian Mbappé am Boden

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Szene des Spiels: Es war die 89. Minute. Manchester United versuchte noch ein Letztes, das Ausscheiden vor Augen, der eingewechselte Portugiese Diogo Dalot zielte mehr aus Verzweiflung denn aus Plan noch einmal aufs Tor, er traf PSG-Verteidiger Presnel Kimpembe am Arm - und man ahnt, was dann kommt. Schiedsrichter Damir Skomina schaute sich die Szene am Videobeweis an, die üblichen Minuten verstrichen, ehe der Referee zum Entsetzen der Gastgeber auf Elfmeter entschied. Marcus Rashford, kalt wie eine Hundeschnauze, verwandelte. United ist weiter, PSG ausgeschieden. Das Wort Sensation ist zu klein, ein Behelfsausdruck. Wie um alles in der Welt konnte das geschehen?

Ergebnis des Spiels: 3:1 für United (hier geht es zur Meldung). Treffer durch den Doppeltorschützen Romelu Lukaku (2./30. Minute) und Rashfords Elfmeter. Juan Bernat hatte zwischenzeitlich ausgeglichen. Das Hinspiel hatte PSG in Old Trafford 2:0 gewonnen. Jetzt greift das wunderbare Heribert-Fassbender-Wort von der Europapokal-Arithmetik.

Wer fehlte dem Spiel? Fast jeder, der Rang und Namen hat. PSG musste ohne seine Egos Neymar und Cavani antreten, das ist schon hart. Aber dann United: Die Red Devils reisten ohne zehn verletzte oder gesperrte Spieler in Paris an, darunter Paul Pogba, Juan Mata, Jesse Lingard und Alexis Sanchez. Alle Stars dürften anschließend bedauert haben, an diesem Abend nicht dabei gewesen zu sein.

Die erste Halbzeit: Nach 111 Sekunden stand es 1:0 für die Gäste, ein schlimmer Fehlpass von Thilo Kehrer ging voraus. In dem Moment wird Joachim Löw wohl schon Flugpläne Richtung Paris studiert haben. PSG reagierte, es war ja noch so viel Zeit. Juan Bernat glich schon zehn Minuten später aus, alles im Tuchel-Plan, alles im Lot. Danach spielte nur noch eine Mannschaft: PSG. Klar, das Tor machte United: Lukaku verwandelte einen Abpraller, den Paris-Torwart-Oldie Gigi Buffon ihm schenkte. Die Halbzeitführung von United war schon ein verspäteter Karnevalsscherz.

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Champions League: Und wieder erwischt es Paris

Die zweite Halbzeit: So viel passierte gar nicht mehr. Eigentlich. PSG dominierte die Partie, kontrollierte das Spiel und traf einmal den Pfosten, später dann aus Abseitsposition ins Tor. United tat fast nichts nach vorne, fast wirkte es, als hätten sich letztlich alle damit abgefunden, dass PSG sich mal so Richtung Viertelfinale durchlavierte.

Man of the Match: Ole Gunnar Solskjaer hatte Manchester United kurz vor Weihnachten von José Mourinho als Trainer übernommen. Seitdem hat das Team fast alles gewonnen, nur das Hinspiel gegen PSG wurde verloren. Der Norweger war Unitedspieler, jeder kennt ihn aus dem Champions-League-Finale 1999 gegen die Bayern. Sein Siegtor in der Nachspielzeit. Der berühmte BBC-Kommentar, der es vorwegnimmt: "Can Manchester United score? They always score." Der Geist von 1999, Solskjaer hat ihn herübergerettet. "Manchester United have reached the promised land."

Zeitschleife des Spiels: Nicht nur Solskjaer und United hingen in der Zeitschleife fest. PSG erlebte zum zweiten Mal nacheinander ein Nachspieldesaster im Achtelfinale. Vor zwei Jahren vergaben die Franzosen ein 4:0 gegen Barcelona im Rückspiel mit der letzten Minute, als Barca das unglaubliche 6:1 erzielte. Diesmal ein 2:0. Ein Fall für Kommissar Murot.

Zitat des Spiels: "Thomas Tuchel wird hier von allen geliebt." Das war der Standardmodus, mit dem Sky im Studio und Reporter Hansi Küpper als Live-Kommentator das Spiel begleiteten. Der Vielgeliebte, so ist in Frankreich zuletzt Ludwig XV. genannt worden. Man will nicht unken, aber das ging danach nicht mehr ewig gut mit dem Absolutismus. Die Liebe der Pariser, beziehungsweise der PSG-Geldgeber, zu Tuchel hat an diesem Abend wahrscheinlich einen schwer zu kittenden Riss bekommen.

Erkenntnis des Spiels: Fußball ist der irrsinnigste und beste Sport, den es gibt. Das ganze Drumherum ist so unfassbar nervig, abtörnend, lusttötend, abstoßend, aber dann kommen diese beiden Champions-League-Abende von Madrid und Paris mit ihren sensationellen Resultaten, und alles ist vergessen. Was soll man machen?

Paris Saint-Germain - Manchester United 1:3 (1:2)
0:1 Lukaku (2.)
1:1 Bernat (12.)
1:2 Lukaku (30.)
1:3 Rashford (90.+4)
Paris: Buffon - Kehrer (70. Meunier), Silva, Kimpembe, Bernat - Verratti, Marquinhos - Alves (90.+5 Cavani), Draxler (70. Paredes), di María - Mbappé
Manchester: de Gea - Lindelöf, Smalling, Bailly (36. Dalot) - Young (87. Greenwood), Shaw - McTominay, Fred - Pereira (80. Chong) - Rashford, Lukaku
Zuschauer: 46.500
Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)
Gelbe Karten: di María, Parendes / Shaw

insgesamt 38 Beiträge
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dragondeal 07.03.2019
1. Ich hab es nicht gesehen,
aber nach allem was man liest, ist PSG weniger ausgeschieden, sondern viel mehr rausgepfiffen worden.
mr-mucki 07.03.2019
2. niemals Handstrafstoss
der Strafstoß war ein Witz. der Spieler führt eine Deh-Sprungbewegung aus. Er sieht den Ball nicht. der Arm ist nicht über Schluterhöhe. der Arm wird sogar bei Berührung weggezogen. keine Aktive Bewegung zum Ball war erkennbar. es ist auch keine Vergrößerung der Körperfläche, weil sonst ohne Arme gespielt werden müsste oder Sprünge einfach nicht mehr erlauben. das ManU hier weitergekommen ist ist ein sportlicher Witz. Ja, Buffon hat einen riesen Fehler gemacht und auch wohl sein letztes CL bestritten. Ja, PSG hätte die Chancen nutzen müssen. Aber bei solchen Fehlentscheidungen von Schiri macht das Spiel keinen Spass mehr
uhrentoaster 07.03.2019
3. Paris
Wieder einmal haben bei Paris die teuren Stars wie Neymar oder Cavani gefällt, wenn es drauf ankommt. Tuchel dürfte seinen Job bald wieder los sein. Daheim gegen Manchester verlieren und das Viertelfinale verpassen, das dürfte den Scheichs aber nicht gefallen.
mumuwilli1975 07.03.2019
4. Unfassbar
ich trauere mit den Parisern..
zauberer2112 07.03.2019
5. Ffp
Da manche Clubs in dieser Hinsicht ja Narrenfreiheit haben, muss der Scheich die nächsten 500 Mio locker machen, vielleicht klappt es dann mal endlich mit der CL.
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