Champions-League-Qualifikation Werder kämpft sich in die Königsklasse

Was für ein Drama: Bremen war gegen Genua schon raus aus der Champions League, dann erzwang Markus Rosenberg in letzter Minute die Verlängerung - und Claudio Pizarro schoss Werder zum Triumph. Jetzt ist der Club um einige Millionen Euro reicher.

AP

Von


Hamburg - Das hatte sich Werder-Trainer Thomas Schaaf sicherlich anders vorgestellt. Bereits nach zwölf Minuten war die gute Ausgangslage verspielt, die sich Bremen durch den 3:1-Hinspielsieg gegen Sampdoria Genua erarbeitet hatte: Zweimal war Stürmer Giampaolo Pazzini bereits für die Italiener erfolgreich gewesen und jubelnd Richtung Fans abgedreht. Der Serie-A-Club stand zu diesem Zeitpunkt in der Gruppenphase der Champions League, das Stadion Kopf - und die Werder-Spieler ratlos auf dem Platz herum. Die Defensive des Bundesligisten sah bei beiden Gegentoren nicht gut aus, fast hätte Verteidiger Sebastian Prödl zudem noch ins eigene Tor geköpft - ein Alptraumstart.

"Sowas darf eigentlich nicht passieren. Wir haben uns das Leben durch Fehler selber schwergemacht", sagte Werder-Kapitän Torsten Frings nach dem Spiel.

Als Genua-Stürmer Antonio Cassano in der 85. Minute auch noch das 3:0 erzielte, wähnten sich die italienischen Fans endgültig in der Champions League, doch der eingewechselte Markus Rosenberg brachte Werder in der Nachspielzeit mit seinem Treffer zum 3:1 in die Verlängerung. Dort drehte Werder plötzlich auf, und Stürmer Claudio Pizarro erzielte schließlich den 3:2 (2:0)-Endstand. Aufgrund des Hinspielsiegs steht Bremen nun in der Gruppenphase.

"Ich weiß nicht, warum wir es immer so spektakulär machen müssen", sagte Werder-Trainer Schaaf: "Das ist wohl nicht anders möglich mit dieser Mannschaft, wir müssen immer etwas Besonderes zeigen. Das zeichnet uns aber auch aus."

Durch den Einzug in die Champions-League-Gruppenphase darf sich Werder über geschätzte 15 Millionen Euro freuen. Mit dem zusätzlichen Geld haben die Bremer nun bessere Möglichkeiten, auf dem Transfermarkt tätig zu werden und sich um einen Nachfolger für Spielmacher Mesut Özil zu bemühen, der zu Real Madrid abgewandert ist.

Doppelschlag von Pazzini bringt Werder in Nöte

Die Bremer waren mit Personalproblemen nach Italien gereist: Für den neuen Mittelfeldmann Wesley kam ein Einsatz noch zu früh, Aaron Hunt und Hugo Almeida fehlten angeschlagen. Stattdessen spielten Mittelfeldmann Marko Marin und Stürmer Sandro Wagner. Pizarro begann als hängende Spitze.

Der Start in die Partie vor 36.536 Zuschauern im ausverkauften Stadion "Luigi Ferraris" geriet für Werder zu einem Fiasko: Zwar hatte Abwehrspieler Sebastian Prödl in der vierten Minute die erste Chance, sein Kopfball nach einer Ecke von Kapitän Torsten Frings verfehlte das Tor jedoch knapp. Auf der anderen Seite zeigte sich die Bremer Defensive zu Beginn sehr ungeordnet. Erst köpfte Prödl fast ins eigene Tor (7. Minute), dann schlug Genua zu: Nachdem Antonio Cassano von der linken Seite unbedrängt flanken konnte, verzichtete die Werder-Abwehr auch darauf, Giampaolo Pazzini zu stören, der unbehelligt einköpfen konnte - das 1:0 für die Gastgeber (8.).

Es kam noch schlimmer für Bremen: Erneut Pazzini erhöhte in der 13. Minute, als er einen Freistoß per Direktabnahme ins Werder-Gehäuse schoss - ein Traumtor. Auch bei diesem Gegentreffer kam die Defensive des Bundesligisten zu spät, diesmal ließ Clemens Fritz den italienischen Stürmer laufen.

Cassano erhöht, Rosenberg und Pizarro schlagen zurück

Erst nach mehr als 20 Minuten konnten sich die Bremer von dem Schock erholen und kamen durch Tim Borowski (22.) und Wagner (23.) zu Chancen. Doch Genua und speziell Pazzini blieben gefährlich. Einen Kopfball des Stürmers konnte Clemens Fritz mit Mühe - und seinem Fuß - von der Linie kratzen (40.). Wiese musste zudem einen Schuss von Cassano parieren (44.).

Die erste Bremer Offensivaktion nach der Pause hatte Pizarro (48.), doch der Kopfball des Angreifers stellte keine Gefahr für Genuas Keeper Gianluca Curci dar. Ansonsten blieb das Werder-Spiel nach vorne blass, besonders Marin dribbelte sich einige Male an den Sampdoria-Verteidigern fest.

Auf der anderen Seite sorgten immer wieder die beiden agilen Stürmer Cassano und Pazzini für Gefahr: In der 58. Minute musste Wiese erneut einen Schuss von Cassano entschärfen. Der Stürmer lief in der 84. Minute allein auf den Bremer Schlussmann zu, doch Prödl konnte in letzter Sekunde klären. Eine Minute später traf Cassano dann doch. Einen flachen Pass von Franco Semioli schob er mit der Hacke in Richtung Tor, Wiese war zwar noch dran, der Ball trudelte dennoch zum 3:0 ins Tor - das Spiel schien gelaufen.

Doch der eingewechselte Angreifer Markus Rosenberg sorgte in der dritten Minute der Nachspielzeit mit einem strammen Schuss dafür, dass Werder sich in die Verlängerung rettete. Der Schwede war für Wagner ins Spiel gekommen, weil dessen Trikot nach einer erlittenen Platzwunde blutgetränkt war - und die Bremer auf die Schnelle kein Ersatztrikot beschaffen konnten. Weil der Schiedsrichter aber darauf bestand, dass Wagner nicht mit einem blutigen Trikot weiterspielen durfte, brachte Trainer Schaaf Rosenberg für ihn in die Partie.

In der Verlängerung hatten die Bremer die erste Großchance. Marin hämmerte einen Schuss ans Lattenkreuz (93.). Der Mittelfeldspieler schien wie ausgewechselt: Seine Dribblings gelangen nun, einige Male kam er gefährlich vor das Genua-Tor. Marin war es auch, der den Anschlusstreffer von Pizarro auflegte. Der Stürmer traf von außerhalb des Strafraums zum 2:3-Endstand (100.). Die knappe Niederlage genügte Werder für den Einzug in die Gruppenphase.

Sampdoria Genua - Werder Bremen 3:2 (3:1, 2:0) n.V.
1:0 Pazzini (8.)
2:0 Pazzini (13.)
3:0 Cassano (85.)
3:1 Rosenberg (90.+3)
3:2 Pizarro (100.)
Sampdoria Genua: Curci - Stankevicius, Volta, Gastaldello, Ziegler - Semioli, Palombo, Dessena, Guberti (66. Tissone/73. Mannini) - Pazzini, Cassano (90. Pozzi)
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Prödl, Pasanen (80. Boenisch) - Bargfrede, Frings - Borowski (63. Arnautovic), Pizarro, Marin - Wagner (72. Rosenberg)
Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)
Zuschauer: 36.536 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Dessena, Gastaldello, Palombo - Prödl, Arnautovic, Pizarro

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
plautze1 25.08.2010
1. Ich weiss schon...
...warum ich zumindest beim Spiegel nix über Sport lese: Die Bremer waren mit einer ausgedünnten Personaldecke nach Italien gereist: Für den neuen Außenverteidiger Wesley kam ein Einsatz noch zu früh, Aaron Hunt und Hugo Almeida fehlten angeschlagen.
alphaniner 25.08.2010
2. und ich hab beim 3:0 ausgeschaltet ....
manchmal sollte man doch bis zum Schluss warten ;-)
umprrrph. 25.08.2010
3. Die oblatendünne Recherchetiefe schnell verfasster Artikel.
Der "neue Außenverteidiger Wesley" ist Mittelfeldspieler und der "Nachfolger für Spielmacher Mesut Özil" heißt wohl Aaron Hunt. Wahrscheinlich wird Werder tatsächlich auf dem Transfermarkt aktiv, allerdings wohl eher, um einen weiteren Verteidiger zu verpflichten.
ötsch 25.08.2010
4. -
Einfach wieder typisch Bremene Darum mag ich auch den Fusball dieser Mannschaft so gerne: Es ist immer was geboten ;) Zudem würde es mich sehr freuen, wenn wir dieses Jahr die Italiener in der 5-Jahres-Wertung verdrängen könnten
thafaker 25.08.2010
5. die Bremer halt
Zitat von ötschEinfach wieder typisch Bremene Darum mag ich auch den Fusball dieser Mannschaft so gerne: Es ist immer was geboten ;) Zudem würde es mich sehr freuen, wenn wir dieses Jahr die Italiener in der 5-Jahres-Wertung verdrängen könnten
Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Das ist halt Bremen und irgendwann bekomme ich wegen denen garantiert einen Herzinfarkt. Aber keine andere Mannschaft spielt so mitreißend. Ich hoffe, dass Bremen nochmal auf dem Transfermarkt tätig wird und noch den einen oder anderen für die Offensive und der linken Verteidigung holt. Diego steht doch noch zum Verkauf oder :-)?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.