Monaco gegen Leipzig Ein Traum in Knallrot

Auch wenn fast keiner zugeguckt hat: RB Leipzig hat bei AS Monaco beeindruckend aufgespielt. Wie vom Trainer gewünscht war das Team auswärts endlich mal ein "ekliger Gegner". Alles Wichtige zum 4:1-Erfolg im Fürstentum.

Jubelnde RB-Spieler bei AS Monaco
AFP

Jubelnde RB-Spieler bei AS Monaco

Von


Rechenspiele: Nur vier Punkte aus vier Champions-League-Spielen, aber auch nur zwei Punkte Rückstand auf den Gruppenzweiten FC Porto, so sah es für RB Leipzig vor der Partie bei AS Monaco aus. Umso wichtiger wäre eine Niederlage der Portugiesen bei Besiktas Istanbul im zwei Stunden zuvor angepfiffenen anderen Gruppenspiel gewesen. Aber nein, der 15-fache türkische Meister und der 27-fache portugiesische Meister trennten sich zu Leipzigs Leidwesen 1:1, und RB durfte sich wieder mal darin bestätigt sehen, dass sich alle Traditionsvereine gegen den Klub verschwören.

Ergebnis des Spiels: Ein ebenso deutliches wie leistungsgerechtes 4:1 für RB. Alle Tore vor der Pause durch ein Eigentor von Jemerson, zweifach Timo Werner und Naby Keita. Hier geht's zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Fußball, aber als Brezelbacken. Zwei Leipziger Tore schon nach acht Minuten, der dritte Treffer nach 30 Minuten. Danach hätte man das Spiel eigentlich schon wegsperren können. Fast jeder Schuss ein Treffer, unterstützt von der denkbar naivsten Abwehrhaltung der Monegassen. Nur die Ältesten im Stadion konnten sich erinnern, dass dieser AS Monaco im Vorjahr noch Halbfinalist der Champions League war, Manchester City und Borussia Dortmund (und zwar wohlgemerkt den BVB der Vorsaison) ausgeschaltet hatte. Das muss Ewigkeiten her gewesen sein.

Die zweite Hälfte: Jedes Testspiel der chinesischen U20 in den Niederungen des deutschen Südwestens hat mehr Zündstoff als diese Halbzeit. Für den Sky-Kommentator gab es somit ausgiebigst Gelegenheit, einen demnächst anstehenden Boxkampf auf seinem Fernsehsender zu promoten.

Spieler des Spiels: Dayot Upamecano ist zwar erst 19 Jahre alt, aber was der Bursche dort in der Leipziger Abwehrzentrale schon so abräumt, hat Marcel-Desailly-Qualität. So viel Geld kann selbst Red-Bull-Mateschitz gar nicht haben, um diesen jungen Franzosen auf Dauer bei RB Leipzig zu halten.

Fotostrecke

7  Bilder
Leipzigs Sieg in Monaco: Vier gewinnt

Wechsel des Spiels: Schon nach 57 Minuten konnte RB-Coach Ralph Hasenhüttl seinen Nationalspieler und Stürmerstar Timo Werner vom Platz nehmen. An der Lautstärke der Kulisse kann es diesmal nicht gelegen haben. Siehe Zahl des Tages.

Zahl des Tages: 9029. So viele (?) Zuschauer verliefen sich ins Stade Louis II., Fürst Albert und 9028 andere. Das führte dazu, dass man jedes Kommando auf dem Platz verstand: "Hintermann", "ruhig spielen!", "Hinten rum!". Wie früher bei der Zweiten Mannschaft von Sportfreunde Paderborn.

Kleidungsstück des Spiels: RB-Stadionsprecher und Einpeitscher Tim Thoelke hatte als Studiogast beim Fernsehsender Sky sein knallrotes Sakko mitgebracht, das er auch an Bundesligaspieltagen aufträgt, wenn er dort die Mannschaftsaufstellung von RB tanzt wie ein Waldorfschüler seinen Namen. Robert de Niro in "The King of Comedy" würde weinen vor Neid. Zu schade, dass die RB-Spieler dazu ihre gedeckten Auswärtstrikots angezogen hatten.

Zitat des Spiels: "Wir müssen heute der eklige Auswärtsgegner sein, der wir in der Champions League bisher nicht waren", sagte Hasenhüttl vor dem Spiel. Mission erfüllt, und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wird sich den Satz auch gemerkt haben.

Buschmann des Spiels: Die knappe Gruppenkonstellation vor dem letzten Spieltag ist wie gemacht für den Klassiker von Sky-Kommentator Frank Buschmann: "Am Ende kackt die Ente." Er ließ sich tatsächlich 54 Spielminuten Zeit, bis er ihn brachte.

Erkenntnis des Spiels: Wenn es richtig blöd läuft, könnte RB Leipzig mit zehn Punkten am Ende nur Gruppendritter werden (und parallel Borussia Dortmund mit zwei Punkten auch). Immerhin: Die Europa League ist sicher, es wäre dann also das erste Europa-League-Spiel in der langen Geschichte von RB Leipzig. Tim Thoelke wird tanzen.

AS Monaco - RB Leipzig 1:4 (1:4)
0:1 Jemerson (5. Eigentor)
0:2 Werner (8.)
0:3 Werner (30. Foulelfmeter)
1:3 Falcao (43.) 1:4 Keita (45.)
AS Monaco: Subasic - Raggi, Glik, Jemerson, Jorge - Fabinho, Moutinho (83. Carillo) - Tielemans, Lopes (66. Ghezzal) - Keita Balde (59. Diakhaby), Falcao
Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg - Keita, Kampl - Sabitzer (31. Demme), Forsberg (78. Laimer) - Poulsen, Werner (57. Bruma) Schiedsrichter: Undiano Mallenco (Spanien)
Gelbe Karten: Moutinho, Fabinho, Jorge / Poulsen
Zuschauer: 9029



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
doppelnass 22.11.2017
1. Herr Ahrend
Da klingt aber sehr viel Enttäuschung mit, dass RB nun auch in der CL gewinnt. Also fast schon Hoffnung, dass sie nicht weiterkommen mit dem Vermerk, dass das ja wie beim BVB läuft. Das ist schade.
Abuelo 22.11.2017
2. Vor acht Jahren
hat RBL noch gegenSchott Jena oder die Zweite von Dynamo Dresden gespielt. Seit gestern steht fest, dass die Truppe so oder so international im neuen Jahr vertreten ist. Da kratzt mich die Rang- und Reihenfolge eurer Redaktion - trotz Pleiten erst Dortmund, dann Liverpool - dann eine Weile nichts und dann eben RB - überhaupt nicht. Bin eben fast keiner und freue mich auch auf den Tänzer im roten Sakko vor dem Spiel gegen Werder.
ThomasLE 22.11.2017
3. Peter Ahrens süffisante journalistische Qualität...
"RB durfte sich wieder mal darin bestätigt sehen, dass sich alle Traditionsvereine gegen den Klub verschwören" - Aha Herr Ahrens, wo haben Sie denn das her? Man spürt ja förmlich wie schwer es Ihnen fiel, diesen Beitrag halbwegs ohne Ihre gefühlten Diskreditierungen über die Bühne zu bringen! Wissen Sie was? Lassen Sie es das nächste Mal einfach sein, dann können Sie sich in Ihrer spürbaren Ablehnung zu RB Leipzig bestätigt fühlen! Denn anders als Sie, geht RB Leipzig mit den vermeintlich "verschworenen" Traditionsvereinen und deren Tänzchen sehr professionell um. Wenn Sie sich also emotional nicht auf RB Leipzig einlassen können oder wollen, ist Schweigen manchmal Gold!
cord.egger 22.11.2017
4. Ist das noch objektiv?
Ich selbst lebe seit einiger Zeit in Leipzig und die Begeisterung der Stadt und Region für diesen Verein und die Dankbarkeit darüber, dass nach dem nicht ganz selbst verschuldeten Ausverkauf vieler Vereine nach der Wende endlich einmal wieder ein Verein aus dem Osten in der ersten Liga und sogar in der Championsleague spielt, ist fantastisch und sollte evtl. in die Diskussion mit einbezogen werden. Aber davon mal ganz abgesehen kann man bei vielen Ihrer Berichte über Leipziger Spiele ihre ablehnende und kritische Haltung dem Verein gegenüber nicht leugnen und ich hoffe sehr, dass sich das zumindest mit der Zeit ändern wird. Zu erwähnen gewesen wäre zum Beispiel auch der mitgereiste und überaus lautstarke Leipziger Anhang, den auch der TV-Kommentator mehrmals positiv hervorhob.
P.Josph 22.11.2017
5. Auch nicht wirklich objektiv
Zitat von cord.eggerIch selbst lebe seit einiger Zeit in Leipzig und die Begeisterung der Stadt und Region für diesen Verein und die Dankbarkeit darüber, dass nach dem nicht ganz selbst verschuldeten Ausverkauf vieler Vereine nach der Wende endlich einmal wieder ein Verein aus dem Osten in der ersten Liga und sogar in der Championsleague spielt, ist fantastisch und sollte evtl. in die Diskussion mit einbezogen werden. Aber davon mal ganz abgesehen kann man bei vielen Ihrer Berichte über Leipziger Spiele ihre ablehnende und kritische Haltung dem Verein gegenüber nicht leugnen und ich hoffe sehr, dass sich das zumindest mit der Zeit ändern wird. Zu erwähnen gewesen wäre zum Beispiel auch der mitgereiste und überaus lautstarke Leipziger Anhang, den auch der TV-Kommentator mehrmals positiv hervorhob.
Leider ist Ihr Beitrag auch nicht wirklich "objektiv". Nicht alle Leipziger, Sachsen oder Ost-Deutsche jubeln RB Leipzig zu oder unterstützen dieses Franchise-Projekt (RB Leipzig, RB Salzbug, RB Sao Paulo, RB New York etc.) aus Österreich. Danke.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.