BVB-Gegner Real Madrid: Mourinho mischt das Gegenmittel

Von Danial Montazeri

BVB vs. Real: Das machst du nur einmal, BVB Fotos
REUTERS

Ihr erstes Duell in dieser Saison gewann Dortmund, das zweite endete unentschieden. Im CL-Halbfinale sind die Spanier dennoch Favorit. Denn Reals Trainer José Mourinho tüftelt schon am Plan gegen den BVB - und verliert gegen denselben Gegner selten zweimal.

Der 29. November 2010 muss José Mourinho lange schwer im Magen gelegen haben. Mourinho hatte erstmals als Trainer von Real Madrid "El Clásico" bestritten, das Duell gegen den Erzrivalen aus Barcelona. Mourinho hatte sich taktisch verspekuliert wie selten in seiner Karriere. Seine Mannschaft ging 0:5 unter, musste die Tabellenführung an Barça abtreten und eroberte sie nicht wieder zurück.

Es dauerte, ehe Mourinho fand, was ganz Fußball-Europa gesucht hatte: einen Weg, den FC Barcelona zu besiegen. Aus den ersten zehn Spielen gegen die Katalanen gewann Madrid unter "Mou" gerade eines. Von den vergangenen sieben Duellen entschied Real dann vier für sich. Mourinho hat ihn gefunden, den richtigen Plan gegen Barça.

Selten brauchte Mourinho so viele Anläufe wie gegen die Katalanen, um eine Antwort auf die Taktik des Gegners zu finden. Seine Erfolge sprechen für sich. Deshalb muss BVB-Trainer Jürgen Klopp im CL-Halbfinale zwischen Dortmund und Real Mourinho ebensolche Rätsel aufgeben, wie seinerzeit Barcelonas Pep Guardiola.

Dortmund war Real taktisch überlegen

In den Gruppenspielen gelang das. In Dortmund, am dritten Spieltag, fand sich Real nicht zurecht mit der Spielweise des BVB. Die Borussen hatten sich gleich mehrere Kniffe überlegt, um Madrids Offensive lahmzulegen und gleichzeitig selbst zu Chancen zu kommen.

  • Xabi Alonso, Reals Spielmacher, wurde permanent von Mario Götze beschattet. Zudem positionierten sich Götzes Nebenleute geschickt zwischen Alonso und dessen Mitspielern, um seine Wirkung auf das Geschehen zu minimieren.

  • Michael Essien und Pepe wurden als Schwachstellen identifiziert. Beide wurden mehrfach überfallartig gepresst oder zu Risikopässen verleitet. Aus einer dieser Situationen resultierte das 1:0 des BVB.

  • Viel lief über die rechte Seite der Borussia, die linke Reals. Dort wurde ausgenutzt, dass Cristiano Ronaldo kaum für die Defensive arbeitet. Mehrere Torchancen leiteten die Dortmunder von dort ein.

Lohn war der verdiente Heimsieg der Borussia. In Madrid spielte Dortmund ebenfalls eine grandiose erste Hälfte. Bereits in der zweiten Halbzeit fruchteten aber Mourinhos taktische Maßnahmen: Er beorderte Ronaldo vom Flügel ins Sturmzentrum, um dessen Defensivschwäche irrelevant zu machen. Als zentraler Angreifer hatte Ronaldo mehr Spieler hinter sich, die ihm den Rücken freihielten. Auch deshalb kam der BVB 45 Minuten lang zu keiner echten Torchance mehr. Durch eine breitere Positionierung der Flügelspieler Angel di Maria und José Callejon und das Aufrücken der eigenen Außenverteidiger drängte Real die Borussia tief in ihre Hälfte. Viele dynamische Bewegungen von Mesut Özil und seinen Mittelfeldkollegen halfen, das gegnerische Pressing auszuhebeln.

In dieser Phase knackte Madrids Offensive das Dortmunder Spiel gegen den Ball mehrfach. Das war auch zwingend nötig, um Anschluss an die Borussia zu halten. Denn diese wäre bei einem Sieg in Madrid enteilt.

Im Halbfinale wird Real kaum derart offensiv beginnen. José Mourinho wird aber einen Plan besitzen, wie man Dortmund entgegentreten muss, um Erfolg zu haben. Ein Gegenmittel gegen die Borussia.

"Dass Real Madrid ein schwerer Gegner ist, muss ich nicht betonen", sagt Jürgen Klopp. "Er ist von den drei möglichen Kontrahenten aber der einzige, den wir in dieser Saison schon einmal geschlagen haben." Es dürfte ihn mehr sorgen, als dass es ihm Mut macht.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Kaffeesatzleserei
tropcon 12.04.2013
Es kommt auf die Tagesform/Motivation und den Schiedsrichter an, das haben wir ja gelernt. Fusballtaktisch kann man wenig machen, weil die teams sich wirklich gut kennen. Barca kommt in die Jahre und es fehlen immer wieder mal wichtige Spieler, das ist schon alles. Bayern wird leichtes Spiel haben.
2. Kaffeesatzleserei
tropcon 12.04.2013
Es kommt auf die Tagesform/Motivation und den Schiedsrichter an, das haben wir ja gelernt. Fusballtaktisch kann man wenig machen, weil die teams sich wirklich gut kennen. Barca kommt in die Jahre und es fehlen immer wieder mal wichtige Spieler, das ist schon alles. Bayern wird leichtes Spiel haben.
3. Zustimmung
karill 12.04.2013
Ich sehe das ähnlich. Schon bevor ich diesen Artikel gelesen habe sagte ich zu Freunden: Meine Tendenz geht dahin, dass die Bayern gegen Barcelona etwas mehr Chancen aufs Finale haben als die Borussia gegen Real. Der Grund: Madrid kennt Dortmund jetzt besser und sowohl Trainer als auch Spieler wollen unbedingt die Revanche und werden noch viel mehr dafür tun als in den Spielen davor. Zudem haben sie einen ausgeglicheneren und breiter aufgestellten Kader. Daher sind die Dortmunder etwas müder am Ende der Saison. Aber: Ich lasse mich sehr gerne vom inspirierten und leidenschaftlichen Fussball des BVB eines Besseren belehren !!
4. Freude
fridolinfunke 12.04.2013
Ich freue mich auf ein spanisches Endspiel
5.
XXYYZZ 12.04.2013
Was für ein schwachsinniger letzter Satz! Warum sollte es Klopp mehr sorgen als Mut machen, daß sein Team gegen Real 1x gewonnen und 1x unentschieden gespielt hat? Erstens ist auch das Team Klopp/Buvac in der Lage, taktische Konzepte anzupassen. Zweitens ist Dortmund mit seinem vergleichsweise dünn besetzten und international immer noch relativ unerfahrenen Kader Außenseiter, kann also unbeschwert spielen. Scheidet Real aber aus, ist das blamabel. Warum also ausgerechnet Klopp sich sorgen soll, bleibt das Geheimnis des Autors.
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