Hamburg - Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Mesut Özil: Real Madrids Offensive zählt zu den besten der Welt. Jeder Trainer, der dieses Trio auf den Platz stellen darf, scheint gezwungen, anzugreifen. José Mourinho nicht. Der Coach von Real verordnete seiner Mannschaft im Achtelfinal-Rückspiel gegen Olympique Lyon über weite Strecken einen ungewohnten Defensiv-Kurs - und konnte sich trotzdem auf seine Einzelkönner verlassen. Real gewann durch Tore von Marcelo (37. Minute), Benzema (66.) und Ángel di Máría (76.) 3:0 (1:0) und steht nach dem 1:1 im Hinspiel zum ersten Mal seit 2004 wieder im Viertelfinale der Champions League.
"Wir haben sehr gut gespielt. Wir wussten, dass wir Lyon schlagen können und haben das auch gezeigt", sagte Özil nach dem Schlusspfiff. Zuvor hatte Mourinho seine ungewohnte Taktik angekündigt. Geglaubt hatte ihm niemand. Doch bei gegnerischem Ballbesitz zog sich selbst Ronaldo weit in die eigene Hälfte zurück. Stürmer Benzema, der in den letzten drei Ligaspielen drei Doppelpacks erzielt hatte, konnte einem zunächst beinahe leidtun.
Dass Real trotzdem jederzeit gefährlich war, zeigte Sami Khedira als Erster. Der deutsche Nationalspieler köpfte nach einem Eckball an die Latte. Schiedsrichter Skomina hatte allerdings ein Foul des Mittelfeldakteurs gesehen (5.). Olympique gelang wenig. Bezeichnend war eine Szene aus der zehnten Minute: Yoann Gourcuff wollte einen Freistoß kurz hinter der Mittellinie ausführen und suchte Mitspieler Aly Cissokho, der nur wenige Meter entfernt stand. Doch der Pass des Mittelfeldspielers geriet viel zu lang und landete im Seitenaus.
Viel zu selten stellten die Franzosen Real vor ernste Probleme. César Delgados Schuss von der linken Seite war die gefährlichste Aktion der Gäste in der ersten Halbzeit, Reals Torwart Iker Casillas parierte (22.). Madrid, das bisher in sieben Champions-League-Partien noch nie gegen Lyon gewinnen konnte, setzte im eigenen Stadion auf Konter. Ronaldo prüfte in der 27. Minute Olympiques Torwart Hugo Lloris, der aber per Flugparade klären konnte. Kurz darauf war er geschlagen.
Ronaldo und Marcelo hebelten die gegnerische Abwehr mit einem Doppelpass aus. Im Strafraum umkurvte Marcelo einen Verteidiger und überwand anschließend Lloris: 1:0 für Real (37.). Das Team von Mourinho hatte längst die Balance zwischen defensiver Ordnung und offensiven Nadelstichen gefunden. Kurz darauf köpfte Benzema nach einer Flanke von der linken Seite das vermeintlich nächste Tor. Doch der Franzose, der in Lyon ausgebildet wurde, stand beim Abspiel im Abseits, der Treffer zählte nicht (42.).
Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigte sich der andere deutsche Profi im Team von Real Madrid gefährlich vor dem gegnerischen Tor: Mesut Özil scheiterte nach einem doppelten Doppelpass mit Benzema an Lloris (52.). Doch der ehemalige Bremer bekam bald erneut Grund zum Jubeln: Nach Pass von Marcelo war Benzema frei durch und ließ sich die Chance nicht entgehen. Gegen seinen früheren Verein verwandelte der Stürmer sicher zum 2:0 (66.). Lyon, seit dem Wiederanpfiff ohne Torchance, war geschlagen und drohte kurzfristig unterzugehen. Real tat endgültig das, was es am besten kann: angreifen.
Wieder war es Benzema, der nach Pass von Özil im Strafraum abzog, aber zu hoch zielte (67.). Keine zehn Minuten später erhöhte di María für Madrid. Özil setzte den Mittelfeldspieler ein, der per Lupfer erfolgreich war (76.). Lyon war bis zum Schlusspfiff nur noch um Schadensbegrenzung bemüht. Der Tabellendritte der Ligue 1 schaffte es immerhin, ein Debakel zu verhindern. Die Europapokal-Saison ist für das Team von Trainer Claude Puel trotzdem beendet. Die Viertelfinal-Begegnungen, die am kommenden Freitag in Nyon (12.00 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ausgelost werden, finden ohne die Franzosen statt.
Real Madrid - Olympique Lyon 3:0 (1:0)
1:0 Marcelo (37.)
2:0 Benzema (66.)
3:0 di María (76.)
Real: Casillas - Ramos, Pepe, Carvalho, Marcelo - Alonso, Khedira - Di María (78. Granero), Özil, Ronaldo (74. Adebayor) - Benzema (84. Diarra)
Lyon: Lloris - Reveillere, Cris, Lovren, Cissokho - Toulalan - Gourcuff (69. Pied), Källström - Briand (46. Gomis), Delgado (80. Pjanic) - Lisandro
Schiedsrichter: Damir Skomina
Zuschauer: 70.034
Gelbe Karten: Pepe (2), Carvalho (2) - Gourcuff, Cissokho
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