Vidal gegen Ribéry Hahnenkämpfe an der Außenlinie

Es war das Duell des Viertelfinals von München: der Zweikampf zwischen Bayerns Franck Ribéry und Arturo Vidal von Juventus Turin. Der Juve-Profi beharkte den Franzosen, wo er konnte. Ribéry revanchierte sich mit einem üblen Tritt. Dabei wären beide fast Teamkollegen geworden.

dapd

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Es wurde beharkt, getreten, gehalten, gegrätscht. Auf der Außenbahn der Münchner Arena wurde am Dienstag mehr als ein Fußballspiel ausgetragen. Die Auseinandersetzung zwischen Franck Ribéry und Juventus-Profi Arturo Vidal war der Zweikampf des Viertelfinal-Hinspiels zwischen dem FC Bayern und Juventus Turin (2:0). Ein Duell, verbissen geführt wie ein Hahnenkampf. Oder wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge es anschließend nannte: "Ein hochinteressantes Duell von zwei Top-Spielern".

Für den Chilenen Vidal war schon lange vor dem Anpfiff klar: Dies würde ein besonderer Abend für ihn werden. Bayern und Vidal - das hat eine pikante Vorgeschichte. Der heutige 25-Jährige soll 2011 den Bayern bereits eine Zusage gegeben haben, dass er vom Ligakonkurrenten Leverkusen, damals trainiert vom heutigen Bayern-Coach Jupp Heynckes, zur neuen Saison nach München wechselt.

Die Vorstandsetage von Leverkusen hat den Transfer an die Konkurrenz damals mit einem deutlichen Veto verhindert und lediglich einem Wechsel ins Ausland zugestimmt. Doch anstatt die Bayer-Bosse zu kritisieren, hatten Münchens Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Rummenigge den Spieler als Schuldigen dafür ausgemacht, dass es mit dem Wechsel nicht klappte. "Charakterlos" sei Vidal, so Rummenigge, "wortbrüchig" nannte ihn Hoeneß. Viele in München haben sich am Dienstag daran erinnert.

Vidal auch.

Dieses Spiel sei die Gelegenheit "zur Revanche", hatte er im Vorfeld mitgeteilt, und dass er im Spiel aufpassen müsse, dass "ich nicht zu motiviert bin und überdrehe". Er hat offenbar nicht gut genug aufgepasst, denn vom Anpfiff weg war dem Chilenen die Aggression anzumerken. Es war zuweilen ein Tick zu viel.

Vidal war schnell der Buhmann des Publikums

Vidal, bei Juve normalerweise neben Taktgeber Andrea Pirlo für den geordneten Spielaufbau zuständig, verlor sich in dem Duell mit seinem offensiven Gegenpart Ribéry. Dazu kam die aufgeheizte Atmosphäre im Stadion, die sich schnell am vermeintlichen Buhmann Vidal festmachte. Wie in der 28. Minute, als Vidal den Franzosen mit einer Grätsche in Strafraumnähe zu Fall brachte. Das Publikum war aufgebracht und forderte vehement eine Verwarnung für den Chilenen. Schiedsrichter Mark Clattenburg aus England beurteilte die Tat allerdings als das, was sie auch war: ein normales Foul.

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Immer wieder gerieten Ribéry und Vidal in der Folgezeit aneinander - was auch daran lag, dass der Franzose sich wiederholt zurückfallen ließ und somit in Vidals Kreise geriet. Der Chilene, Spitzname "Der Krieger", bearbeitete sein Gegenüber unablässig mit vermutlich eher unschönen Worten, mit kurzen Griffen ans Trikot, mit kleinen Tritten. Mit anderen Worten: Er packte das ganze Arsenal kleiner Gemeinheiten aus, die zum Instrumentenkasten eines Defensivspielers gehören.

Und Ribéry? Ließ sich provozieren. Man muss sagen: wieder einmal. In der 84. Minute rauschte der Franzose heran und trat seinem Gegenspieler ohne erkennbaren Willen, den Ball zu spielen, mit Wucht in die Wade. Vidal blieb liegen, und Clattenburg tat nichts.

Für Ribéry nicht der erste Aussetzer

Anders als sein Kollege Roberto Rosetti 2010, der Ribéry nach einer ähnlichen Aktion im Champions-League-Halbfinale der Bayern gegen Olympique Lyon vom Feld stellte. Das Finale fand ohne den Franzosen statt, Bayern verlor gegen Inter Mailand 0:2. Anders auch als sein deutscher Schiedsrichter-Kollege Thorsten Kinhöfer, der Ribéry nach einer Tätlichkeit im DFB-Pokalspiel gegen den FC Augsburg im vergangenen Dezember Rot zeigte. Der Franzose ist noch fürs Halbfinale gesperrt.

Ribéry hatte am Dienstag bis dahin eine überragende Vorstellung geboten, er scheint in seiner gegenwärtigen Form für die Bayern unersetzlich. Umso grotesker, wie der Franzose zum wiederholten Mal den Mannschaftserfolg durch eine solche Kurzschlusshandlung aufs Spiel setzt. Da erinnert er an seinen Landsmann Zinedine Zidane.

Ribéry gegen Vidal - das war auch das Duell zweiter Protagonisten, die sich ähnlicher sind, als sie erscheinen. Beide kommen aus kleinen Verhältnissen, beide haben sich im Fußball hochgearbeitet. Ribéry hat in seiner Jugend auf dem Bau geschuftet, um Geld für die Familie zu erarbeiten. Vidal ist im Armenviertel von Santiago de Chile aufgewachsen. Fußball war für beide die vielleicht einzige Chance, dort herauszukommen. Beide haben sie genutzt. Aber manchmal wirken sie noch heute so, als müssten sie sich und den anderen auf dem Platz ständig etwas beweisen.

Im Rückspiel am kommenden Mittwoch in Turin wird es an der Außenbahn möglicherweise etwas ruhiger zugehen. Vidal ist nach seiner dritten Gelben Karte im Wettbewerb für die Partie gesperrt.

Die Verwarnung kassierte er für ein Handspiel.

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hinzkunz001 03.04.2013
1. ich denke nicht
Zitat von sysopdapdEs war das Duell des Viertelfinals von München: der Zweikampf zwischen Bayerns Franck Ribéry und Arturo Vidal von Juventus Turin. Der Juve-Profi behakte den Franzosen, wo er konnte. Ribéry revanchierte sich mit einem üblen Tritt. Dabei wären beide fast Teamkollegen geworden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-ribery-gegen-vidal-als-duell-des-spiels-a-892231.html
das der schreiber das spiel gesehen hat. Das foul von Vidal an Ribery war kein normales foul, er hat ihm voll gegen das Bein getreten, ohne chance auf den Ball. Was das foul von Ribery angeht war es genauso. Aber wenne s bei dem einen nicht mit gelb geahndet wird dann eben auch nicht bei dem anderen... Ribery hat das duel aber klar gewonnen, dennueber seine seite kam der meiste druck.
constantin_blanc 03.04.2013
2. ...
abgesehen vom diskussionswürdigen inhalt des artikels finde ich es unerträglich, dass ein journalist keine korrekten dass-sätze zustande bringt. und mit recherche ists beim herrn ahrens auch nicht allzu weit her: der schiedsrichter in diesem spiel hieß clatteNburg!
Miguel 03.04.2013
3. ich kann´s
Zitat von sysopdapdEs war das Duell des Viertelfinals von München: der Zweikampf zwischen Bayerns Franck Ribéry und Arturo Vidal von Juventus Turin. Der Juve-Profi behakte den Franzosen, wo er konnte. Ribéry revanchierte sich mit einem üblen Tritt. Dabei wären beide fast Teamkollegen geworden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-ribery-gegen-vidal-als-duell-des-spiels-a-892231.html
kaum noch lesen. nein vidal hat nicht übel gefoult und getreten. er hat an der grenze zum regelkonformen agiert - im gegensatz zu ribéry. das von ihnen postulierte foul von vidal an ribéry in der 28. minute, war eine gelungene schwalbe des franzosen. ja vidal geht sehr hart in diesen zweikampf - nein, er trifft ribéry eben nicht. der franzose ist entgegen ihrer meinung für mich der protagonist, der sich selbst stark hiterfragen müßte - übrigends nicht nur auf das gestrige spiel bezogen. die attacke auf vidals unterschenkel war nicht nur für mich eine glasklare tätlichkeit und ist gerade unter der prämisse revanchefoul seitens des schiedsrichters eigentlich genauso zu ahnden.
PeterPan95 03.04.2013
4. optional
"Dabei wären beide fast Teamkollegen geworden. " - Soll das jetzt suggerieren, eine beinahe-Kollegenschaft für ein oder zwei Jahre sei schon ein Grund, besonders pfleglich miteinander umzugehen? Was für ein Unfug, da wird mal wieder irgendein Zufall in einen Zusammenhang gesetzt, in den er eindeutig nicht gehört. Ebenso wie der ganze Rest der Suche nach Zusammenhängen von Ribery und Vidal. Da haben halt zwei rustikale Spieler gegeneinander gespielt und ordentlich ausgeteilt. Nicht mehr, nicht weniger. Klingt aber halt nicht so spektakulär wie so eine pseudo-Psycho-Geschichte.
xyks 03.04.2013
5. Ribery unschön, Vidal hat aber mehr als nur etwas schmutzig gespielt
Also zu allem was zu Ribery gesagt wurde stimme ich als Bayern-Fan zu. Hässliche Aktion und in erster Linie unnötig und gefährlich für die ganze Mannschaft in der Champions League. Vidal kommt in dem Artiekl aber etwas zu gut weg. Selbst wenn man das Foul in der 28. als nicht gelb einstuft (darüber kann man übrigens streiten) hatte er danach noch mindestens 3 Szenen in denen er Gelb hätte bekommen müssen (undd amit meine ich nur die klar gelben Geschichten nicht die ganzen kleinen Gehässigkeiten). Das er und Chielini in der 84. Minute noch auf dem Platz standen war eine Frechheit. Das es so weit kam war aber rein die Schuld des Schiedsrichters. Lange keine so schlechte Schiri-Leistung mehr gesehen wie gestern, unglaublich wen die Uefa für die internationalen Topspiele bereitstellt. Dachte erst der hat eine harte Gangart aber dann stellte sich einfach heraus das er Tomaten auf den Augen hat. Hoffentlich pfeift der nie wieder international...
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