Von Jan Reschke
Hamburg - Bayern München hat als erster Bundesligist das Achtelfinale der Champions League erreicht. Gegen den FC Villarreal gelang ein 3:1 (2:0)-Erfolg. Weil der SSC Neapel gleichzeitig Manchester City 2:1 (1:1) schlug, ist den Münchnern zudem der erste Platz in der Gruppe A nicht mehr zu nehmen.
Es war nicht mehr als eine Pflichtaufgabe, und dennoch war die Erleichterung bei Spielern und Verantwortlichen des FC Bayern München spürbar. "Wir sind sehr stolz und glücklich, dass wir schon vor dem letzten Spieltag als Gruppensieger feststehen", sagte Mario Gomez. "Alles in allem können wir sehr zufrieden sein, wir haben das Spiel gewonnen, das wollten wir", so Gomez.
Und auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war zufrieden: "Wir haben unsere Gruppe gewonnen, da kann man der Mannschaft und dem Trainer nur ein Kompliment machen. Wir haben das getan, was wir tun mussten und sind Gruppenerster geworden", sagte Rummenigge.
Der FC Villarreal erwies sich auf dem Papier als der perfekte Aufbaugegner für den FC Bayern München, der in der Bundesliga am Samstag gegen Borussia Dortmund 0:1 verloren hatte. Die Bilanz der Spanier in der Champions League vor dem Anpfiff: Vier Spiele, vier Niederlagen, 1:9 Tore.
Und auch wenn die Bayern den Ausfall von Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbeinbruch in der Partie gegen den SSC Neapel) und Innenverteidiger Holger Badstuber (Sperre) zu beklagen hatten, waren diese Probleme doch nichts gegen die von Villarreal. Dort fehlt derzeit in Giuseppe Rossi und Nilmar der komplette Sturm. Zudem konnten Cristian Zapata, Cani, Javier Camuñas, Gerard Bordás sowie Gonzalo Rodríguez nicht mitwirken. Dafür lief der im Hinspiel gesperrte Borja auf.
Wie gegen Dortmund gehörte Arjen Robben zur Startelf
Bei den Bayern begannen im defensiven Mittelfeld Anatolij Timoschtschuk und David Alaba. Und wie schon gegen Dortmund gehörte auch Arjen Robben zur Startelf. Dass Villarreal derzeit ein anderes Kaliber als der BVB ist, wurde schon in der dritten Minute deutlich. Kroos passte auf den heraneilenden Franck Ribéry, 1:0.
Vier Minuten später kam Timoschtschuk nach einem Freistoß im Strafraum an den Ball, schoss aber ans Außennetz. Robben, das wurde in der achten Minute deutlich, ist nach seiner langwierigen Verletzung von seiner Topform noch entfernt. Da kam er aussichtsreich vor das Tor von Diego López, sein schwacher Schuss landete aber in dessen Armen.
Trotz der vergebenen Chancen: Bayern war schon zu diesem Zeitpunkt die in allen Belangen bessere Mannschaft. Vor allem der nach der Dortmund-Partie noch gescholtene Kroos war bis dahin an nahezu allen Angriffsaktionen beteiligt - allerdings durfte er diesmal auch wieder offensiver agieren als zuletzt.
Schiedsrichter Strömbergsson hätte anders entscheiden können
Die einzige auffällige Szene der Spanier war ein Passversuch Valeros an den Oberarm von Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Weil Lahm dabei im eigenen Strafraum stand, forderte Valero vehement Elfmeter - und bekam die Gelbe Karte. Glück für die Bayern: Da hätte der schwedische Schiedsrichter Markus Strömbergsson anders entscheiden können. Mehr hatte Villarreal vorerst nicht zu bieten.
Und auch in der 24. Minute machte der Deutsche Rekordmeister die Kräfteverhältnisse deutlich. Nach einem Schuss von Timoschtschuk landete der Ball am Pfosten und sprang von dort aus zu Gomez, der keine Mühe hatte, zum 2:0 zu vollenden. Allerdings befand sich der Stürmer bei Timoschtschuks Versuch in abseitsverdächtiger Position.
Leichtsinnig wurden die Münchner zum Ende der ersten Halbzeit, als die scharfe Hereingabe von Jonathan de Guzmán in höchster Not von Daniel van Buyten geklärt werden musste (39.). Kurz darauf parierte Torwart Manuel Neuer einen Schuss von Valero (40.).
Wütend schimpfte Heynckes immer wieder an der Seitenlinie
Wechsel gab es zur Pause keine. Dafür Änderungen beim Spielgeschehen. Denn nun war es Villarreal, das offensiv Akzente setzte. Einen Fehlpass des bis dahin überzeugenden Kroos trug Joan Oriol nach vorne, van Buyten agierte zu zögerlich und verhinderte die Flanke nicht. Hätte er aber besser, denn so kam de Guzmán frei zum Schuss und überwand Neuer (50.).
Bayern verstärkte augenblicklich wieder die Bemühungen, eine Flanke von Lahm nahm Ribéry per Seitfallzieher direkt, der Ball ging aber knapp vorbei (54.). Kurz darauf scheiterte Ribéry mit einem Kopfball.
Bayern-Coach Heynckes war zu diesem Zeitpunkt dennoch extrem unzufrieden. Wütend schimpfte er immer wieder an der Seitenlinie. Die Vorstellung seiner Spieler passte ihm nicht. Auch Timoschtschuks Schuss, nur Zentimeter am Tor vorbei, konnte Heynckes nicht beruhigen (66.). Erst Ribérys Treffer zum 3:1 (69.) sorgte für etwas Gelassenheit an der Seitenlinie.
Einzig in der 79. Minute wurde es noch einmal gefährlich. Nach einem Fehler in der Abwehr musste Neuer gegen Marco Ruben in höchster Not retten. Ansonsten schien es, als hätte sich Villarreal mit dem Champions-League-Aus abgefunden. Die Bayern erspielten sich noch einige Gelegenheiten, letztlich blieb es aber beim 3:1. "Wir wollten eine Trotzreaktion zeigen, weil wir mit dem Spiel gegen Dortmund nicht zufrieden waren", sagte Kroos. Das ist gelungen.
Bayern München - FC Villarreal 3:1 (2:0)
1:0 Ribéry (3.)
2:0 Gomez (23.)
2:1 de Guzmán (50.)
3:1 Ribéry (69.)
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, van Buyten, Lahm - Timoschtschuk, Alaba - Robben (76. Olic), Kroos, Ribéry (81. Pranjic) - Gomez (72. Müller)
FC Villarreal: Diego López - Mario Gaspar, Marchena, Musacchio, Joan Oriol - Bruno Soriano, Ang. López (70. Marcos Senna) - de Guzmán (63. Wakaso), Hernan Perez - Borja Valero (78. Joselu) - Marco Ruben
Schiedsrichter: Markus Strömbergsson (Schweden)
Zuschauer: 66.000
Gelbe Karten: - Ang. López, Borja Valero, Marco Ruben
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