Hamburg - Es war ein Schuss, wie ihn Hans-Jörg Butt vermutlich schon hundertfach gehalten hat: zwar durchaus stramm, aber auch halbhoch und lange unterwegs. Einer, bei dem ein Torhüter glänzen kann. Riccardo Montolivo hatte aus knapp 30 Metern abgezogen, mehr Verzweiflungsschuss als kontrollierter Versuch. Mag sein, dass der stürmische Wind, der auf das Bayern-Tor wehte, dem Ball zusätzlichen Druck verlieh. Mag auch sein, dass der Bayern-Keeper nach 28 beschäftigungslosen Minuten ein wenig unterkühlt war.
Jedenfalls faustete der 35-Jährige den Ball zurück ins Feld und vor die Füße von Juan Vargas. Der Florenz-Verteidiger sorgte für die Führung seines Teams - und endlich für Spannung in einem bis dahin ereignisarmen Champions-League-Achtelfinale. Es folgte eine teils turbulente Partie, an deren Ende die Bayern 2:3 (0:1) unterlagen. In Addition mit dem Hinspiel (2:1) reichte das Ergebnis aber dennoch für den Viertelfinal-Einzug des Bundesliga-Tabellenführers.
"Ich habe den Spielern in der Halbzeit gesagt, dass sie ruhig bleiben und Geduld haben müssen. Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht. Aber ich habe auch gesehen, dass wir sehr dominant spielen können. Aber wir müssen das auch über 90 Minuten schaffen. Wir sind im Viertelfinale, das ist wichtig", sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem Schlusspfiff.
Bis zum Gegentreffer hatten die Münchner die Partie mit dem Wissen um den Vorsprung aus dem Hinspiel beherrscht, ohne dabei selbst gefährlich nach vorn zu spielen. Erst in Rückstand liegend wachte das Team von van Gaal vor 42.000 Zuschauern im Stadion Artemio Franchi auf. Miroslav Klose kam schon nach 30 Minuten für Mario Gomez, der mit einem Muskelfaserriss ausscheiden musste. Die beste Chance zum Ausgleich vergab aber kurz darauf Arjen Robben. Nach einem weiten Diagonalpass von der linken Seite tauchte der Niederländer allein vor AC-Schlussmann Sébastien Frey auf, der Robbens Schuss mit einer glänzenden Parade aber noch über das Tor lenken konnte (34. Minute).
"In der zweiten Halbzeit spielen wir mit dem Wind, da wird schon alles gut werden", sagte Bayern-Manager Christian Nerlinger nach dem Pausenpfiff. Zunächst wurde es turbulent.
Es war ein Schuss, wie ihn wohl nur die wenigsten Torhüter abwehren. Aus kürzester Distanz, flach, mit Drall. Ein Ball, bei dem ein Schlussmann nur verlieren kann. Nach 50 Minuten machte Butt seinen Patzer vom Führungstreffer mit einer starken Parade schon fast wieder wett. Alberto Gilardino hatte den Ball auf das Bayern-Tor gebracht, Butt wehrte mit dem Fuß ab.
Vier Minuten später ließ ihn seine an diesem Abend alles andere als souveräne Hintermannschaft erneut im Stich. Beim Schuss des völlig frei stehenden Stevan Jovetic aus neun Metern ins linke Eck blieb Butt ohne Abwehrchance. Was die erste Halbzeit an Torszenen vermissen ließ, lieferten die zweiten 45 Minuten nach.
Drei Tore in dramatischen sechs Minuten
In der 60. Minute setzte sich der bis dahin unauffällige Franck Ribéry auf der linken Seite gegen drei Gegenspieler durch und passte quer auf Mark van Bommel. Aus rund 18 Metern beförderte dieser den Ball per Flachschuss in linke untere Toreck. 2:1 - damit wäre die Partie zumindest in die Verlängerung gegangen.
Dann jedoch reagierte Daniel van Buyten beim nächsten Angriff der Gastgeber, wie schon beim 0:1, zu langsam und ließ sich von Jovetic abschütteln. Das 3:1 der Fiorentina hätte das Aus für den FC Bayern bedeutet.
Stattdessen schien es, als hätte Robben beim Halbzeit-Interview seines Managers gelauscht. Knapp 30 Meter vor dem Tor und eine runde Minute nach dem Gegentreffer fasste sich der Angreifer ein Herz und beförderte den Ball mit Druck, Gefühl und Rückenwind in den linken Torwinkel.
In der Schlussphase der zweiten Halbzeit erarbeiteten sich die Italiener zwar noch einige vielversprechende Chancen, der entscheidende Treffer zum 4:2 gelang ihnen jedoch nicht mehr.
AC Florenz - Bayern München 3:2 (1:0)
1:0 Vargas (28.)
2:0 Jovetic (54.)
2:1 van Bommel (60. )
3:1 Jovetic (64.)
3:2 Robben (65.)
Florenz: Frey - de Silvestri, Natali, Kröldrup, Felipe (79. Pasqual) - Montolivo, Zanetti - Marchionni, Jovetic, Vargas (82. Keirrison) - Gilardino
München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Alaba - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Ribery (90.+2 Pranjic) - Müller, Gomez (30. Klose)
Schiedsrichter: Undiano Mallenco (Spanien)
Zuschauer (in Florenz): 42.000
Gelbe Karten: Kröldrup, Felipe - Schweinsteiger, van Bommel
jok
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