Champions League: Robbens Traumtor bringt Bayern ins Viertelfinale

Jubel trotz Niederlage: In Florenz verlor der FC Bayern knapp - und zog trotzdem in die Runde der besten acht Champions-League-Vereine ein. In einer turbulenten zweiten Halbzeit sorgten Arjen Robben und der Rückenwind für den entscheidenden Treffer der Münchner.

Florenz vs. Bayern: Stürmische Zeiten für Robben, Ribéry und Co. Fotos
AP

Hamburg - Es war ein Schuss, wie ihn Hans-Jörg Butt vermutlich schon hundertfach gehalten hat: zwar durchaus stramm, aber auch halbhoch und lange unterwegs. Einer, bei dem ein Torhüter glänzen kann. Riccardo Montolivo hatte aus knapp 30 Metern abgezogen, mehr Verzweiflungsschuss als kontrollierter Versuch. Mag sein, dass der stürmische Wind, der auf das Bayern-Tor wehte, dem Ball zusätzlichen Druck verlieh. Mag auch sein, dass der Bayern-Keeper nach 28 beschäftigungslosen Minuten ein wenig unterkühlt war.

Jedenfalls faustete der 35-Jährige den Ball zurück ins Feld und vor die Füße von Juan Vargas. Der Florenz-Verteidiger sorgte für die Führung seines Teams - und endlich für Spannung in einem bis dahin ereignisarmen Champions-League-Achtelfinale. Es folgte eine teils turbulente Partie, an deren Ende die Bayern 2:3 (0:1) unterlagen. In Addition mit dem Hinspiel (2:1) reichte das Ergebnis aber dennoch für den Viertelfinal-Einzug des Bundesliga-Tabellenführers.

"Ich habe den Spielern in der Halbzeit gesagt, dass sie ruhig bleiben und Geduld haben müssen. Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht. Aber ich habe auch gesehen, dass wir sehr dominant spielen können. Aber wir müssen das auch über 90 Minuten schaffen. Wir sind im Viertelfinale, das ist wichtig", sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem Schlusspfiff.

Bis zum Gegentreffer hatten die Münchner die Partie mit dem Wissen um den Vorsprung aus dem Hinspiel beherrscht, ohne dabei selbst gefährlich nach vorn zu spielen. Erst in Rückstand liegend wachte das Team von van Gaal vor 42.000 Zuschauern im Stadion Artemio Franchi auf. Miroslav Klose kam schon nach 30 Minuten für Mario Gomez, der mit einem Muskelfaserriss ausscheiden musste. Die beste Chance zum Ausgleich vergab aber kurz darauf Arjen Robben. Nach einem weiten Diagonalpass von der linken Seite tauchte der Niederländer allein vor AC-Schlussmann Sébastien Frey auf, der Robbens Schuss mit einer glänzenden Parade aber noch über das Tor lenken konnte (34. Minute).

"In der zweiten Halbzeit spielen wir mit dem Wind, da wird schon alles gut werden", sagte Bayern-Manager Christian Nerlinger nach dem Pausenpfiff. Zunächst wurde es turbulent.

Es war ein Schuss, wie ihn wohl nur die wenigsten Torhüter abwehren. Aus kürzester Distanz, flach, mit Drall. Ein Ball, bei dem ein Schlussmann nur verlieren kann. Nach 50 Minuten machte Butt seinen Patzer vom Führungstreffer mit einer starken Parade schon fast wieder wett. Alberto Gilardino hatte den Ball auf das Bayern-Tor gebracht, Butt wehrte mit dem Fuß ab.

Vier Minuten später ließ ihn seine an diesem Abend alles andere als souveräne Hintermannschaft erneut im Stich. Beim Schuss des völlig frei stehenden Stevan Jovetic aus neun Metern ins linke Eck blieb Butt ohne Abwehrchance. Was die erste Halbzeit an Torszenen vermissen ließ, lieferten die zweiten 45 Minuten nach.

Drei Tore in dramatischen sechs Minuten

In der 60. Minute setzte sich der bis dahin unauffällige Franck Ribéry auf der linken Seite gegen drei Gegenspieler durch und passte quer auf Mark van Bommel. Aus rund 18 Metern beförderte dieser den Ball per Flachschuss in linke untere Toreck. 2:1 - damit wäre die Partie zumindest in die Verlängerung gegangen.

Dann jedoch reagierte Daniel van Buyten beim nächsten Angriff der Gastgeber, wie schon beim 0:1, zu langsam und ließ sich von Jovetic abschütteln. Das 3:1 der Fiorentina hätte das Aus für den FC Bayern bedeutet.

Stattdessen schien es, als hätte Robben beim Halbzeit-Interview seines Managers gelauscht. Knapp 30 Meter vor dem Tor und eine runde Minute nach dem Gegentreffer fasste sich der Angreifer ein Herz und beförderte den Ball mit Druck, Gefühl und Rückenwind in den linken Torwinkel.

In der Schlussphase der zweiten Halbzeit erarbeiteten sich die Italiener zwar noch einige vielversprechende Chancen, der entscheidende Treffer zum 4:2 gelang ihnen jedoch nicht mehr.

AC Florenz - Bayern München 3:2 (1:0)
1:0 Vargas (28.)
2:0 Jovetic (54.)
2:1 van Bommel (60. )
3:1 Jovetic (64.)
3:2 Robben (65.)
Florenz: Frey - de Silvestri, Natali, Kröldrup, Felipe (79. Pasqual) - Montolivo, Zanetti - Marchionni, Jovetic, Vargas (82. Keirrison) - Gilardino
München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Alaba - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Ribery (90.+2 Pranjic) - Müller, Gomez (30. Klose)
Schiedsrichter: Undiano Mallenco (Spanien)
Zuschauer (in Florenz): 42.000
Gelbe Karten: Kröldrup, Felipe - Schweinsteiger, van Bommel

jok

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Nur durch Betrug weiter
Radsportler 09.03.2010
Wenn der Schiedsrichter im Hinspiel das klare Abseitstor (Klose 2 Meter im Abseits) nicht wohlwollend übersehen hätte, dann wären die "Mia san mia" Arrogantlinge jetzt da, wo sie hingehören: nämlich draussen. Aber da sind sie dann spätestens nach dem Viertelfinale. Nehmt den Bayern Robben und Ribery weg und sie werden noch nicht einmal mit Greuther Fürth oder Wacker Burghausen fertig. Wobei das nicht heißen soll, dass diese beiden Klubs nicht Fussball spielen können.
2. Eine höfliche Fußballmannschaft
maltafuß 09.03.2010
Zitat von sysopJubel trotz Niederlage: In Florenz verlor der FC Bayern knapp - und zog trotzdem in die Runde der besten acht Champions-League-Vereine ein. In einer turbulenten zweiten Halbzeit sorgten Arjen Robben und der Rückenwind für den entscheidenden Treffer der Münchner. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,682686,00.html
Die Bayern sind eine höfliche Mannschaft: Sie haben ihrem künftigen Viertelfinalgegner - wer auch immer es sein wird - mit ihrem Abwehrverhalten in zwei AV-Partien gratis Anschauungsmaterial en masse zur Verfügung gestellt. Ihre Patzer im Abwehrspiel sind nicht den personellen Problemen geschuldet: Der schlechteste Bayern-Verteidiger heute abend war nicht der 18jährige Alaba, sondern der erfahrene van Buyten. Im Hinspiel unterliefen dem heute abwesenden Demichelis fortwährend peinliche Stockfehler im Aufbau. Mal sehen, ob Ribery ein zweites Aus im CL-Viertelfinale hinnehmen wird.
3. Bayern
mavoe 10.03.2010
Zitat von sysopJubel trotz Niederlage: In Florenz verlor der FC Bayern knapp - und zog trotzdem in die Runde der besten acht Champions-League-Vereine ein. In einer turbulenten zweiten Halbzeit sorgten Arjen Robben und der Rückenwind für den entscheidenden Treffer der Münchner. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,682686,00.html
Tja und Magath wird Meister in der Bundesliga.
4. Servus Rib
apokalyptischer_reiter 10.03.2010
Zitat von maltafußDie Bayern sind eine höfliche Mannschaft: Sie haben ihrem künftigen Viertelfinalgegner - wer auch immer es sein wird - mit ihrem Abwehrverhalten in zwei AV-Partien gratis Anschauungsmaterial en masse zur Verfügung gestellt. Ihre Patzer im Abwehrspiel sind nicht den personellen Problemen geschuldet: Der schlechteste Bayern-Verteidiger heute abend war nicht der 18jährige Alaba, sondern der erfahrene van Buyten. Im Hinspiel unterliefen dem heute abwesenden Demichelis fortwährend peinliche Stockfehler im Aufbau. Mal sehen, ob Ribery ein zweites Aus im CL-Viertelfinale hinnehmen wird.
Ribery, naja, der will, dass die CL ohne sein Arbeitseinsatz gewonnen wird. Wie sagte es Höneß:" er hat es selber in der Hand, er spielt." Bayern kann doch langsam auf Ihn verzichten. Wenn es wichtig wird, dann hat er noch kein überragendes Spiel abgegeben. Sein Abwehrverhalten ist eine Katastrophe, wie man für eine Mannschaft "dientlich", muss man ihm wohl auch noch erklären. So wie er jetzt spielt will Ihn Real auch nicht mehr haben, soll er nach England gehen, da geht er aber ein. Servus Rib, solange Rob bleit ist alles in Ordnung
5. Die Bayern-Abwehr hatte 2. Liga Niveau
Dimokratis 10.03.2010
Immer wenn Florenz im Angriff war, konnte man eine gewisse Hilfslosigkeit der Bayern-Abwehr feststellen. Die Leistung eines so erfahrenen Spieles, wie van Buyten ist, war katastrophal. Bei allen 3 Gegentoren war er beteiligt und immer hat er den kürzeren gezogen. Und beim Anfängerfehler, den But beim ersten Tor macht, kann man auch nur seinen Kopf schütteln. Mit viel Glück und einem Roben haben die Bayern das Achtelfinale erreicht aber mit solchen Abwehrleistungen gegen Top-Teams in der Champions League, haben die Bayern nichts verloren...
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