0:7-Debakel bei Manchester City Schalkes May-Day

Der FC Schalke hat im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Manchester City eine historische Klatsche kassiert. So krachend wie Trainer Domenico Tedesco scheitert sonst nur die britische Premierministerin.

NIGEL RODDIS/EPA-EFE/REX

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Wie Teresa May: Etwa 40 Minuten vor Anpfiff gab es in England eine Entscheidung, die mit mehr Spannung erwartet wurde als das Spiel zwischen City und Schalke: Das britische Unterhaus lehnte das Brexit-Abkommen erneut ab. Premierministerin Teresa May ergeht es damit wie Schalke-Trainer Domenico Tedesco. Beide eilen von Niederlage zu Niederlage.

Ausgangslage aussichtslos: Nach der unglücklichen 2:3-Heimniederlage im Hinspiel hätte Schalke in Manchester mindestens zwei Tore erzielen müssen und dabei keinen Gegentreffer bekommen dürfen, um doch noch ins Champions-League-Viertelfinale einzuziehen. Die Schalker hatten sechs Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen und dabei zuletzt in vier Partien 14 Gegentore bekommen, City dagegen neun Pflichtspiele in Folge gewonnen. Insofern stellte sich vor der Partie eigentlich nur die Frage, ob die Schalker eher an ihrer eigenen Schwäche oder an der Stärke des Gegners scheitern würde.

Das Ergebnis: Die Antwort lautet wenig überraschend: an beidem. City gewann 7:0 (3:0). Immerhin eine historische Leistung. Hier geht es zur Meldung.

Die erste Hälfte: Mit dem Hinspielsieg im Rücken konnten es die Gastgeber zunächst ruhig angehen lassen. Nach einer guten halben Stunde zogen sie das Tempo dann kurz an und schossen innerhalb von sieben Minuten eine 3:0-Pausenführung heraus. Dabei entwickelte Sergio Agüero einen perfiden Spaß daran, Ralf Fährmann zu demütigen. Erst chippte der Argentinier einen von Jeffrey Bruma verschuldeten Foulelfmeter in bester Panenka-Manier in die Mitte, dann tunnelte Agüero den Schalke-Torwart aus kurzer Distanz. Kurz vor der Pause traf der Ex-Schalker Leroy Sané wie schon im Hinspiel gegen seinen früheren Verein.

VAR was? Seit dem Achtelfinale ist der Videoassistent auch in der Champions League im Einsatz. Und Schiedsrichter Clement Turpin machte ausgiebig Gebrauch davon. Jede Torraumszene wurde überprüft - immer mit dem richtigen Ergebnis, aber auch immer mit langen Pausen und zu Lasten des Spielflusses. Ein Fest für alle Freunde und Kritiker des technischen Hilfsmittels.

Die zweite Hälfte: Immer wieder Sané, immer wieder der Videobeweis. Kurz dachte der deutsche Nationalstürmer, dass er selbst das 4:0 erzielt hätte - aber sein Treffer wurde wegen Abseits durch den VAR aberkannt (53.). Dann bereitete Sané ein Tor von Raheem Sterling mit einem traumhaften Diagonalpass vor - aber der Linienrichter entschied zunächst fälschlicherweise auf Abseits, nach Ansicht der Videobilder wurde der Treffer dann doch gegeben (56.). Und wo er schon mal dabei war, legte Sané auch das 5:0 und 6:0 auf - erst für Bernardo Silva (71.), dann für Phil Foden (78.) und in beiden Fällen ausnahmsweise ohne Eingriff des Videoassistenten. Der eingewechselte Gabriel Jesus sorgte für den Endstand (84.).

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Champions League: Sieben!

Stumm vor Entsetzen: Während die Schalker Spieler in den 90 Minuten zur Lachnummer wurden, erreichten zumindest ihre Anhänger Champions-League-Niveau. Schon vor der Partie zogen knapp 4000 deutsche Fans singend und feiernd durch die Straßen Manchesters. Im Stadion gab es trotz der unterirdischen Leistung lange Unterstützung, die nach Abpfiff nicht etwa in Hass und Unmutsbekundungen umschwenkte. Stattdessen taten die Fans etwas, das die Profis hoffentlich noch mehr zum Nachdenken bringt: sie schwiegen.

21/20: Neben der unendlichen Brexit-Diskussion sind die Briten auch bekannt für ihre Wettleidenschaft. Entsprechend dürften viele City-Fans auf ihre Mannschaft gesetzt haben - obwohl es sich nicht gelohnt hat. Wer auf einen City-Sieg mit mindestens zwei Toren Vorsprung getippt hat, hatte zwar recht, bekam bei renommierten Anbietern für 20 Pfund Einsatz aber nur ganze 21 Pfund zurück. Das entspricht einer Quote von 1,05. Zum Vergleich: Wenn Sie auf einen Heimsieg des FC Bayern gegen den 1. FC Heidenheim im Viertelfinale des DFB-Pokals setzen, bekommen Sie bei deutschen Wettbüros eine Quote von 1,07. Im Gegensatz zu ihren Politikern wissen die britischen Buchmacher eben, was sie tun.

Manchester City - FC Schalke 04 7:0 (3:0)
1:0 Agüero (35., Foulelfmeter)
2:0 Agüero (38.)
3:0 L. Sané (42.)
4:0 Sterling (56.)
5:0 Bernardo Silva (71.)
6:0 Foden (78.)
7:0 Jesus (84.)
City: Ederson - Walker, Danilo, Aymeric (72. Delph), Zinchenko - Gündogan - Bernardo Silva, Silva (64. Foden) - Sterling, Agüero (64. Gabriel Jesus), L. Sané
Schalke: Fährmann - Stambouli, S. Sané, Bruma - McKennie (74. Mendyl), Oczipka - Serdar, Bentaleb - Embolo (69. Skrzybski), Konoplyanka - Burgstaller (79. Teuchert)
Zuschauer: 40.000
Schiedsrichter: Clement Turpin (Frankreich)
Gelbe Karten: Zinchenko, Danilo / Bruma



insgesamt 14 Beiträge
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aurichter 13.03.2019
1. War zwar zu erwarten,
aber in der Höhe dann doch überraschend. Hatte nach der Hinspielleistung mit etwas mehr Willen gerechnet, um dort ein akzeptables Ergebnis zu erreichen. Da scheinen aber doch einige Hampelmänner im Team gegen Tedesco zu spielen. Doch was dort abgeliefert würde war nicht einmal Zweitligatauglich. Erschreckend diese Einstellung und zur Aussendarstellung auf einer europäischen Bühne. Da sollten nicht wenige im Team auf das Gehalt verzichten oder noch besser, an eine Soziale Einrichtung spenden. So könnte man das schlechte Gewissen (wenn sie überhaupt eines haben) etwas beruhigen.
paulus_pax 13.03.2019
2. Es wird noch schlimmer
In Deutschland meint man immer noch, das hiesige Finanzierungsmodell der Vereine soll so bleiben wie es ist. Kein Blick in andere Länder und schon gar keine eigenen Ideen. Folge wird sein, dass uns die Vereine anderer Länder sportlich noch weiter enteilen. Und kein Silberstreif am Horizont..
gossenphilosoph 13.03.2019
3. Schlecht für die Bundesliga
Tragisch für Tedesco. Das nach Dortmund nun auch der zweite Revier Club ausgeschieden ist, lässt die Bundesliga im internationalen Vergleich weiter zurückfallen, das freut sicher keinen. Das Schalke diese schlimme Klatsche einstecken muss, ist in der hausgemachten Krise leider nur folgerichtig. Tedesco kann einem nur leid tun, das er etwas kann zeigt der Erfolg des letzten Jahres, das für die Abgänge keine gleichwertigen Spieler eingekauft wurden ist nicht sein Verschulden, jedoch wird er wohl den Preis (Entlassung) dafür zu zahlen haben. Schade. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
caipis 13.03.2019
4. Völliger Zerfall einer Mannschaft
Wie lange wollen sie noch an Tedesco festhalten? In der Bundesliga den Abstiegsrängen gefährlich nahe, international aktuell nur Sparringspartner. Welch ein Wandel nach nur einem Jahr, kaum zu glauben. Auf Schalke brechen grausige Zeiten an.
urskenner 13.03.2019
5. Warum Tedesco noch auf der Bank sitzt
Es ist eingetroffen was alle beschwört haben, der Untergang der Schalker. Genau aus diesem Grund darf tedesco vermutlich auch noch am WE auf der Trainerbank sitzen, der Neue soll ja nicht gleich verheizt werden.
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