Champions-League-Sieger Bayern Und das ist erst der Anfang

Europabesieger! Der FC Bayern hat den wichtigsten Titel im Club-Fußball errungen. Der Erfolg war so dominant erspielt wie akribisch erarbeitet. Jupp Heynckes, der Konstrukteur des Erfolgs, übergibt seinem Nachfolger Pep Guardiola eine intakte Mannschaft. Doch was kann diese noch erreichen?

Aus London berichtet

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Die Ader, knapp über Arjen Robbens rechter Schläfe, bebte. Der Holländer kniff die Augen zusammen und sagte recht schmallippig: "Glauben Sie, wenn wir zwei bis drei Tage feiern, werden wir am Samstag schlechter spielen?" Kurze Pause: "Ich glaube nicht."

Kurz darauf lud der Held des Abends alle Fans des FC Bayern München dazu ein, das Team des Rekordmeisters am Münchner Flughafen in Empfang zu nehmen. Es war das genaue Gegenteil der Heynckes-Direktive, die besagt: keine Extrafeier vor dem DFB-Pokalfinale am kommenden Wochenende. Auch nicht am Flughafen, wie der FC Bayern noch kurz vor dem Spiel offiziell verkündet hatte. "Wir haben das ganze Jahr dem Trainer zugehört, jetzt dürfen wir mal selbst etwas entscheiden", sagte Robben lachend und bekräftigte noch einmal seine Fan-Einladung zur großen Empfangssause in München.

Während Robben sprach, stand hinter ihm der große, mit Fingerabdrücken und Kussspuren übersäte Champions-League-Pokal. Der Pott, den die Münchner 2:1 gegen Borussia Dortmund gewonnen hatten (alle Höhepunkte im Minutenprotokoll), stand für eine ganze Weile unbemerkt und herrenlos auf dem Boden herum, kein Spieler entführte ihn, niemand befüllte ihn mit Alkohol. Dabei war es bei der Geschichte dieser Bayern-Mannschaft, die zuvor zwei Champions-League-Finals verloren hatte, eigentlich nicht vorstellbar, dass die Münchner Profis ihn überhaupt noch mal aus der Hand geben könnten.

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Bayern-Einzelkritik: Ruhepol Neuer, Vollstrecker Robben
"Für die Generation Lahm/Schweinsteiger war es an der Zeit, diesen Titel endlich mal zu gewinnen", sagte Jupp Heynckes. Der 68-Jährige wirkte dabei so in sich ruhend, wie es bereits in der gesamten Saison zu beobachten war. Dabei ist vor allem der Trainer der Architekt des Triumphs. Seine Entscheidung in der Sommerpause an der Defensivbalance des Teams zu arbeiten, die Verpflichtung von Javier Martínez und der Umgang mit all den Stars, die in dieser Saison nur selten zum Zuge kamen wie etwa Mario Gomez, sind nur einige der Großtaten des Münchner Trainers. "Diese Mannschaft zu führen, ist eine wahnsinnige Freude. Sie harmoniert nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz", sagte Heynckes.

Wie intakt dieses Team ist, zeigte sich kurz nach dem Schlusspfiff in Wembley. Spieler wie Anatoli Timoschtschuk, Rafinha oder Xherdan Shaqiri, die in dieser Spielzeit zu den Ersatzleuten gehörten, feierten so ausgelassen und überschwänglich, als hätten sie selbst gerade das Siegtor geschossen. Natürlich kann man einwenden, dass eine Mannschaft im Erfolg meist funktioniert, aber dieser Zusammenhalt scheint tiefer zu gehen. "Wir haben im vergangenen Jahr diesen Schmerz zusammen gefühlt, das wollten wir diesmal nicht wieder haben. Darauf sind wir die ganze Zeit fokussiert gewesen", sagte Manuel Neuer.

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Champions-League-Finale: Bayern jubelt, Dortmund trauert
Diese Niederlage im Elfmeterschießen im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea hat dieses Bayern-Team durch durch diese Rekordsaison getrieben. 25 Punkte Vorsprung in der Bundesliga auf den Tabellenzweiten, 91 Zähler insgesamt, dazu ein verdienter Erfolg in der Champions League - der deutsche Rekordmeister lässt derzeit selbst die Steueraffäre um seinen Präsidenten Uli Hoeneß in den Hintergrund rücken. Und hat am kommenden Samstag auch noch die Chance, das Triple mit dem DFB-Pokalsieg perfekt zu machen.

"Wir sind alle in einem sehr guten Alter. Wir können noch sehr viel gewinnen", sagte Lahm ohne eine Spur der Bescheidenheit. Zur neuen Saison wird Heynckes von Pep Guardiola abgelöst, der mit dem FC Barcelona schon einmal eine lange Erfolgsära prägte. Mit Mario Götze kommt eines der größten europäischen Talente, und Heynckes bestätigte gestern im Rausch des Sieges erstmals, was SPIEGEL ONLINE bereits seit dem vergangenen Herbst vermeldet: Auch Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski soll nun an die Isar wechseln. Die Verhandlungen werden in den kommenden Wochen in die entscheidende Phase gehen.

Der Verein aus München ist wirtschaftlich gesünder als jeder andere Club auf der Welt, die Marke FC Bayern expandiert mittlerweile selbst in die entlegensten Winkel der Erde. Bald ist auch die Allianz Arena abbezahlt, was noch mal einen zweistelligen Millionenbetrag für Neueinkäufe freimachen wird.

Es könnte tatsächlich sein, dass der Champions-League-Titel nicht der Höhepunkt der vergangenen Jahre ist. Sondern der Anfang von etwas noch Größerem.



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derbergischelöwe 26.05.2013
1. Monokultur
Ich sehe es genauso. Zum Spiel selbst: ich sehe es wie Sie, hinzukommt, dass der Schiedsrichter der 12. Bayernspieler war, sonst wäre es anders ausgegangen. Zu den Bayern: bezeichnend, dass schon der 2. INterviewsatz von Heynkes vom Lewandowski-Deal und dem Götze-Kauf handelt. Natürlich ist Fussball ein Geschäft, aber beim FCB und seinen "Fans" ist es NUR NOCH ein Geschäft und jedes Mittel ist Recht. Und wenn immer der Verein mit dem dicksten Portemonnaie, alle Spieler und Trainer bekommt und alles Reise abräumt und der Rest Staffage ist und - anders als früher - aufgrund der CL-Gelder auch nicht mehr selbst hochkommen kann, dann ist der Fußball zur Mammon-Monokultur verkommen und macht keinen Spaß mehr. Wir stehen kurz davor.
GreatGuido 26.05.2013
2. Dortmund-Fans
Diese Dortmund-Fans gehen mir langsam auf den Senkel. In Dortmund spielen natürliche alle nur aus Hobby und für ne kalte Pulle Bier am Borsigplatz. Die Kohle die sie jetzt für den Götze wird natürlich an das örtliche Kinderheim gespendet. Die Authentizitätsfassade vom Klopp kriegt auch langsam die ersten Risse, bald gibt es keine Automarke mehr für die er noch keine Werbung gemacht hat...
gannicus 26.05.2013
3.
ja, das denke ich auch. zumindest was die Dominanz im innerdeutschen Verhältnis angeht. aber wir wissen ja, Uli Hoeness macht sich schon Gedanken. wiederum gehören da auch mehrere Personen dazu, nämlich die, die kaufen und die, die sich kaufen lassen. Anders kann man einen Wechsel von Dortmund zu Bayern bei dem derzeitigen Potenzial Dortmunds nicht bezeichnen. Aber wer weiß, wie man selber entscheiden würde.
s.burkard 26.05.2013
4. @derbergischelöwe
ne arme Socke bist du, grüße aus dem Rheinland
Schlaflöwe 26.05.2013
5. Bewundernswerter Erfolg
in den Nachricten wird gemeldet, der Trainer Heynckes habe gestern Abend beim Bankett gesagt, wenn jetzt vom Gegner die Besten geholt werden (Götze und Lewandowski) und dann noch weitere gezielte Zukäufe getätigt werden, um Europa künftig zu dominieren......Die Erfolge basieren auf Rücksichtslosigkeit, die darauf setzt, Rivalen zu ruinieren und auf der Überlegenheit der eigenen, weit überlegenen Finanzmittel. Abstoßend..
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