Von Michael Baltes
Deutschland gegen England, Bundesliga contra Premier League: Gleich am ersten Gruppenspieltag der Champions League gibt es zwei Top-Duelle gegen Londoner Clubs für die deutschen Vertreter. Meister Borussia Dortmund startet gegen den FC Arsenal, Bayer Leverkusen tritt beim FC Chelsea an (beide Partien 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).
Für Dortmund gilt es nach der ernüchternden 1:2-Heimniederlage in der Liga gegen Aufsteiger Hertha BSC Berlin, zurück in die Erfolgsspur zu finden. "Gegen Arsenal werden wir uns ganz anders präsentieren", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Im Spiel der Leverkusener bei Chelsea werden sich alle Augen auf Rückkehrer Michael Ballack richten. "Das wird ein emotionales Spiel für mich. Es ist schön, noch mal in dieses Stadion einzulaufen und die Atmosphäre zu genießen", sagte Ballack.
Aber auch ohne den holprigen Saisonstart der Dortmunder und das Wiedersehen Ballacks mit seinem Ex-Club versprechen die deutsch-englischen Duelle jede Menge Spannung. Denn nicht nur bei Europa- und Weltmeisterschaften sind Aufeinandertreffen der beiden großen Fußballnationen etwas Besonderes. Auch im Europapokal haben die Spiele eine lange Tradition.
Unvergessen das Champions-League-Finale 1999, als der FC Bayern den sichergeglaubten Titel in der Nachspielzeit noch an Manchester United verlor. Oder die bittere Gladbacher 1:3-Finalniederlage im Europapokal der Landesmeister 1977 gegen Liverpool. Aber auch die Teams von der Insel mussten Pleiten hinnehmen: 1997 scheiterte ManUnited im Halbfinale an Dortmund und fünf Jahre später, ebenfalls im Halbfinale, an Bayer Leverkusen.
"Wir haben hart dafür gearbeitet"
Für die Borussia wird es die langersehnte Rückkehr auf die große Bühne des europäischen Spitzenfußballs. Achteinhalb Jahre mussten Verein und Fans darauf warten, wieder die Champions-League-Hymne zum Einlauf der Mannschaften zu hören. Die Melodie von Tony Britten lief zuletzt am 12. März 2003 in der Dortmunder Arena. Damals gewann der BVB in der Zwischenrunde 3:0 gegen Lokomotive Moskau, schied dann aber aus.
Danach ging es für den BVB bergab. Nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. 2005 drohte die Insolvenz, 2007 der Abstieg. Doch mit der Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp 2008 begann der Aufstieg, gekrönt durch den Titelgewinn in der vergangenen Saison. "Wir haben hart dafür gearbeitet, dabei zu sein. Meine Vorfreude ist riesengroß, das ist für uns alle eine große Herausforderung", sagte Klopp.
Zum Auftakt geht es gegen den FC Arsenal. Wohl selten in den vergangenen Jahren war dabei die Chance auf einen Sieg gegen die "Gunners" so hoch wie jetzt. Das Team von Trainer Arsène Wenger konnte zwar sein Ligaspiel am Wochenende 1:0 gegen Swansea City gewinnen, trotzdem befindet sich Arsenal momentan in einer schlechten Verfassung. Mit Cesc Fàbregas und Samir Nasri wurden zwei wichtige Stützen der Mannschaft abgegeben. Zudem ist die Abwehr von Verletzungssorgen geplagt. Dort ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem Ex-Bremer Per Mertesacker.
Ballack zurück an der Stamford Bridge
Bislang trafen die Dortmunder in der Königsklasse zweimal auf die Londoner: In der Gruppenphase 2002 konnten beide Teams ihr Heimspiel gewinnen. Arsenal setzte sich 2:0 durch, Dortmund gewann 2:1. Doppeltorschütze beim BVB-Sieg war damals Tomas Rosicky. 2006 wechselte der Tscheche vom BVB zu Arsenal. Ein Wiedersehen wird es allerdings nicht geben: Rosicky war wegen einer Knieverletzung erst gar nicht mit nach Dortmund gereist.
Ballack hingegen kehrt mit Leverkusen an seine alte Wirkungsstätte, die Stamford Bridge, zurück. Der ehemalige deutsche Nationalmannschaftskapitän stand von 2006 bis 2010 bei Chelsea unter Vertrag. Gegen seinen Ex-Club darf der Mittelfeldspieler, genau wie beim 4:1 am Wochenende in Augsburg von Beginn an sein Können unter Beweis stellen.
Bei den Londonern wird Ballack noch immer sehr geschätzt: "Chelsea hat großen Respekt vor Michael Ballack. Er war eine große Persönlichkeit. Es ist wunderbar, ihn am Dienstag an der Stamford Bridge wiederzusehen", sagte Chelsea-Mittelfeldstar Frank Lampard der "Welt am Sonntag".
Die England-Bilanz spricht gegen Leverkusen: Von sieben internationalen Gastspielen auf der Insel konnte Leverkusen bisher keins gewinnen. Allein zwei Unentschieden brachte Bayer auf englischem Boden zustande, zuletzt 2006 beim torlosen Remis gegen die Blackburn Rovers in der Gruppenphase des Uefa-Cups.
Zu einem direkten Aufeinandertreffen mit Chelsea ist es bisher aber noch nie gekommen. Das und die gute Form der Leverkusener in der Bundesliga lassen Bayer auf ein Ende der Serie hoffen - und auf ein neues Kapitel der großen deutsch-englischen Fußballduelle.
mit Material von sid
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