Taktikvorschau zur Champions League: So kann Dortmund Neapel knacken

Von Christian Brand

Der SSC Neapel hat seinen Torjäger für 65 Millionen verkauft. Trotzdem ist das Team stärker als in der Vorsaison. Am Abend trifft die Mannschaft in der Champions League auf Dortmund. Die Taktikanalyse zeigt die Stärken der Italiener und was der BVB für einen Erfolg beherzigen sollte.

Napolis neuer Trainer Rafael Benitez hat gleich zu Beginn seiner Amtszeit einiges verändert, darunter ein elementares Detail: Anstatt wie häufig in der vergangenen Saison mit einer Dreierkette in der Abwehr und einem Fünfer-Mittelfeld lässt der Spanier sein neues Team in einem 4-2-3-1 spielen. Dabei erweist sich der Weggang des uruguayischen Torjägers Edinson Cavani (78 Treffer in 104 Spielen!) zu Paris St. Germain für die Spielanlage der Gastgeber überraschend sogar als Vorteil.

Borussia Dortmund erwartet heute Abend im Stadio San Paulo (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF und Sky) ein sehr offensiver Gegner und eine schwere Aufgabe. Warum sie trotzdem lösbar ist und wie, zeigt die Analyse der Stärken und Schwächen.

Die Stärken: Erfahrung und Qualität

Neapel-Zugänge Callejon, links, Higuain: fester Block Zur Großansicht
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Neapel-Zugänge Callejon, links, Higuain: fester Block

Das Angriffsspiel der Italiener ist unter Benitez nicht mehr so leicht auszurechnen wie in der vergangenen Saison, als Edinson Cavani im Prinzip der alleinige Zielspieler war. Hier hat Dortmund am Abend eine höhere Variabilität zu erwarten, was nicht zuletzt die Tatsache belegt, dass sich die in den bisherigen drei Ligaspielen erzielten neun Saisontreffer auf José Maria Callejon, Gonzalo Higuain und Marek Hamsik verteilen. Kleine Einschränkung: Bologna, Chievo Verona und Atalanta Bergamo waren keine wirklichen Herausforderungen.

Mit Pepe Reina im Tor, Nationalverteidiger Raul Albiol auf der rechten Seite, José Maria Callejon im Mittelfeld und dem argentinischen Stürmer Gonzalo Higuain im Sturm verfügt Benitez, der mit Liverpool 2005 bereits einmal den Champions-League-Titel holte, über Erfahrung und Qualität auf allen drei Linien. Das Spanisch sprechende Quartett bildet einen festen Block.

Der wichtigste Mann: ein Slowake

Napoli-Topscorer Hamsik: schwer auszurechnen Zur Großansicht
DPA

Napoli-Topscorer Hamsik: schwer auszurechnen

Der slowakische Nationalspieler Martin Hamsik führt mit vier Treffern die Torjägerliste in der Serie A an. Der 26-Jährige agiert als Spielmacher neben dem sehr beweglichen italienischen Nationalspieler Lorenzo Insigne und eben Callejon. Hamsik weicht immer wieder auf die Seite aus und harmoniert dabei sehr gut mit Linksverteidiger Juan Camilo Zuniga. Von ihm erhält er auch die meisten Zuspiele - diese zu unterbinden könnte einer der Schlüssel für ein erfolgreiches Abschneiden des BVB sein.

Die Schwächen: Fehlende Geschwindigkeit

Mittelfeldspieler Inler: Dortmunds große Chance Zur Großansicht
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Mittelfeldspieler Inler: Dortmunds große Chance

Neben dem Spanisch sprechenden Block vertraut Rafa Benitez auch auf ein eidgenössisches Trio: Den defensiven Part im Mittelfeld übernehmen drei Schweizer. Neben Gökhan Inler spielen wahlweise Valon Behrami oder Blerim Dzemaili. Und in der Zentrale liegt auch das größte Problem des SSC. Klappt das Dortmunder Umschaltspiel in die Offensive, wird es für Napoli sowohl im Mittelfeld als auch in der Abwehr mit den wenig sprintstarken Verteidigern schwierig, den Abend ohne Gegentreffer zu überstehen.

...und die fanatischen Napoli-Fans?

Wenn es dem BVB heute Abend gelingt, die zuletzt anfällige Abwehr stabil zu halten und die zu erwartende stürmische Anfangsphase der Gastgeber zu überstehen, wird auch das fanatische Heimpublikum ruhiger werden. Zumal, wenn die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp dann noch eigene Treffer erzielen kann. Gelegenheiten dazu ergeben sich im Laufe des Spiels ganz sicher.

Aufgabenzettel Borussia Dortmund
1. Schnelles Umschaltspiel gegen die sprintschwache Defensive

2. Unterbindung der Zuspiele von Zuniga auf Hamsik

3. Torwart Pepe Reina hat seit jeher Probleme mit hohen Bällen

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1.
Boesor 18.09.2013
die zuletzt anfällige Abwehr der Dortmunder?
2. Na, is klar !
goldkind7 18.09.2013
Hoffen wir, dass JürgenKlopp und seine Mannen vor Spielbeginn die Anweisungen des Spiegel vorgelegt werden. Falls nicht, dann ist der Spiegel an einer evtl. Niederlage mitschuldig, weil er nicht für rechtzeitige Information der mannschaft gesorgt hat.
3. Na da
exe1310 18.09.2013
Hat aber einer die F-Jugend Kenntnisse ausgepackt!
4.
rhaal 18.09.2013
Kann Neapel nicht recht einschätzen, aber ich drücke dem BVB die Daumen
5. Spannung
FairPlay 18.09.2013
Jürgen Klopp ist ein sehr guter Trainer und hervorragender Fußball Stratege. Und genau auf letzteres darf man gespannt sein wie er seine Mannschaft auf diesen Gegner einstellt. Ich wünsche ihm, dass er für sich und für den DFB Punkte einfährt.
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Zur Person
  • FC Luzern
    Christian Brand, Jahrgang 1972, hat als Profi in der Bundesliga für Werder Bremen, Hansa Rostock und den VfL Wolfsburg gespielt. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere erwarb er die Uefa-Pro-Lizenz und wurde Trainer. Derzeit arbeitet er als Cheftrainer der U21 beim Schweizer Erstligisten FC Luzern. Für SPIEGEL ONLINE analysiert er internationale Fußballspiele.