VfL Wolfsburg Stell dir vor, es ist Anpfiff und keiner ist da

Gerade einmal 20.000 Zuschauer im Wolfsburger Stadion: Die Resonanz beim Champions-League-Auftakt des VfL war enttäuschend. Den Negativrekord hält jedoch der größte Bundesligist.

Wolfsburg-Arena vor dem Spiel gegen Moskau: Gerade einmal 20.126 Zuschauer gegen ZSKA
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Wolfsburg-Arena vor dem Spiel gegen Moskau: Gerade einmal 20.126 Zuschauer gegen ZSKA


Auftaktsieg in der Champions League, der Treffer erzielt vom 35-Millionen-Euro-Zugang Julian Draxler, dazu ohne Gegentor geblieben: Eigentlich hätte Klaus Allofs, Manager des VfL Wolfsburg, nach dem Spiel gegen ZSKA Moskau zufrieden sein können. War er aber nicht. Weil zum ersten Spiel des VfL in der Königsklasse seit fast sechs Jahren gerade einmal 20.126 Zuschauer kamen.

Allofs nannte die Resonanz "enttäuschend" und sagte: "Das hat die Mannschaft nicht verdient." Ironisch fügte er dann noch hinzu: "Ich habe die Hymne vor dem Spiel gar nicht mitbekommen. Ich musste erst mal gucken, wo die ganzen Zuschauer sind."

Seit der Saison 1992/1993 gibt es im europäischen Klubfußball die Champions League, seitdem trugen die Bundesligaklubs insgesamt 178 Vorrunden-Heimspiele in der Königklasse aus - nur zu einem kamen weniger Zuschauer als zur Wolfsburger Partie am Dienstagabend. Am 24. Oktober 2000 sahen 19.000 Zuschauer die Partie zwischen dem FC Bayern und Helsingborgs IF. Wohlgemerkt: Der Bundesligist war damals nach zuvor drei Siegen in vier Spielen schon fast sicher in der Zwischenrunde.

Unter den fünf am schlechtesten besuchten Vorrunden-Heimspiele deutscher Vereine in der Champions League finden sich übrigens gleich vier des FC Bayern, allesamt ausgetragen Anfang der Nullerjahre. Das dürfte auch daran liegen, dass die Partien damals im weitläufigen und zugigen Münchner Olympiastadion stattfanden.

Für Wolfsburg war das Spiel gegen Moskau die Auftaktpartie, die in Anbetracht der zu Saisonbeginn herrschenden Champions-League-Euphorie nicht selten ausverkauft ist. Zumal bei einem Klub, der so lange nicht mehr dabei war. Erstmals in der Königsklasse vertreten war der VfL in der Saison 2009/2010, auch damals war ZSKA der erste Heimspielgegner. Das damalige 3:1 der Gastgeber sahen immerhin 25.000 Zuschauer.

So wenig Zuschauer wie nun in Wolfsburg musste selbst der andere Werksklub in der Champions League noch nie begrüßen: 22.500 Zuschauer sind der niedrigste Wert bei Bayer Leverkusen, wobei: Mehr Menschen passten auch nicht rein, die Arena war in der Königsklasse jahrelang ausverkauft. Erst mit der Erweiterung des Leverkusener Stadions auf rund 30.000 Plätze blieben seit der Saison 2011/2012 in den Champions-League-Vorrundenspielen einige Sitze leer.

Insgesamt haben bis heute zehn verschiedene Bundesligisten an der Königsklasse teilgenommen. Die Spiele von Borussia Dortmund waren fast immer ausverkauft. Mehr als die 35.800 Zuschauer, die in der Saison 1995/1996 jeweils zu den drei Vorrundenspielen gegen Juventus Turin, Steaua Bukarest und die Glasgow Rangers kamen, durften damals auch gar nicht ins Westfalenstadion. Auch beim HSV und Schalke waren unbedeutende oder unattraktive Spiele immer noch gut besucht, der Minus-Rekord dieser Klubs liegt deutlich über 40.000.

Den "besten" Minus-Rekord in Sachen Zuschauer unter den Bundesligisten weist Hertha BSC auf. Zum ersten Champions-League-Vorrundenspiel gegen den FC Chelsea kamen "nur" 51.500 Zuschauer, weniger waren es bei den Berlinern nie. Bei der zweiten Partie gegen den AC Mailand sahen das Spiel hingegen 75.000 Menschen live im Olympiastadion. Mehr Zuschauer gab es bislang noch nie bei einem Vorrunden-Heimspiel eines Bundesligisten in der Champions League.

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insgesamt 53 Beiträge
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geheimleser 16.09.2015
1. Champions League,
Bei der aufgeblähten Champions League sind die Gruppenspiele wohl nicht so interessant da man den Sieger der meisten spiele fast schon vor her sagen kann aber keine sorge spätesten ab den KO Spielen füllen sich die Stadien wieder.
yummie 16.09.2015
2. Was erwarten die Leute?
Es ist und bleibt Wolfsburg. Das interessiert außerhalb der Stadt nahezu niemanden. Die Region lebt traditionell eher den BTSV und ein paar Kilometer östlich erhebt sich der FC Magdeburg und zieht in Liga 3 (!) nahezu genauso viel Zuschauer wie WOB in der Championleague. Dazu passen auch die Quoten der Einzelübertragungen des letzten Spieltages auf Sky: Ingolstadt - Wolfsburg 0,0 Das bedeutet insgesamt weniger 5000 Leute haben dieses Spiel live gesehen. Bei 4.5 Millionen Abos.(Die gleiche Quote hatte übrigens auch Leverkusen - Darmstadt)
mactan_ph 16.09.2015
3.
Naja, vieleicht kann VW dem Plastikverein auch noch ein paar Zuschauer kaufen damit deren Hütte voll wird. Lachhaft das Ganze...
Freidenker10 16.09.2015
4.
Das ist eben der Unterschied zwischen einem Traditionsverein und einer Werkself! Wobei ich mich in Stuttgart auch an Uefa-Cup Spiele mit 8000 Zuschauern erinnern kann....
realplayer 16.09.2015
5.
Wahrscheinlich gerade alle im Werk schuften. Oder das Wetter zu schlecht. Normalerweise gibt VW doch bei internationalen Fußballspielen allen Mitarbeitern frei?
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