Aufregung um Sergio Ramos im CL-Finale Brutal gut

Sergio Ramos ist der übelste Schurke des Fußballs, das hat das Champions-League-Finale erneut bewiesen. Das Endspiel zeigte aber auch: Der Real-Kapitän ist der kompletteste Spieler der Welt.

Sergio Ramos im Zweikampf mit Mohamed Salah
REUTERS

Sergio Ramos im Zweikampf mit Mohamed Salah

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"Fußball zeigt manchmal seine schöne Seite. Und manchmal die andere", schreibt Sergio Ramos auf Twitter. Im Champions-League-Finale gegen den FC Liverpool führte der Kapitän von Real Madrid gleich beide vor.

Diese andere Seite des Fußballs, das ist die dunkle Seite, die Welt von Sergio Ramos - und kaum ein anderer beherrscht die dunklen Künste besser als der Verteidiger der Königlichen. Die meisten Fußballfans werden bereits vor dem Endspiel von Kiew gewusst haben, dass Ramos ein Abwehrspieler der Sorte "unangenehm" ist. Wenn das als Einstufung überhaupt ausreichend ist.

Diejenigen, die das bislang noch nicht gewusst haben, bekamen spätestens in der 26. Minute eine Ahnung davon, was Ramos für ein Spielertyp ist. Da zog der Real-Verteidiger Liverpools Mohamed Salah in einem engen Laufduell an sich und fiel dann auf dessen Schulter. Oder in der 49. Minute, als der 32-Jährige bei einem Real-Angriff Loris Karius mit dem Ellenbogen im Gesicht traf, obwohl der Ball gar nicht in der Nähe war. Eine klare Rote Karte. Das hätte bestraft werden müssen.

Ob Ramos Salah vorsätzlich verletzt hat, weiß nur er selbst. Fest steht aber: Ramos hat viermal die Champions League gewonnen, lief 150-mal für die spanische Nationalmannschaft auf, er ist Welt- und Europameister und seit einigen Jahren der Kapitän der Königlichen. Natürlich wird Ramos gewusst haben, was seine Aktionen bewirken könnten. Natürlich wollte er Liverpool schwächen. Ihm Unwissenheit zu unterstellen, wäre eine Beleidigung.

Ramos ist der Typ, gegen den man nicht spielen will.

Ramos ist aber auch der Typ, den man unbedingt an seiner Seite haben will.

Wenn Ramos spricht, gibt Ronaldo Ruhe

Das ist die schöne Seite im Fußball, von der Ramos spricht. Und auch wenn man es nach den Eindrücken von Kiew kaum glauben kann: Auch diese schöne Welt ist die Welt von Sergio Ramos.

Sergio Ramos
AP

Sergio Ramos

Ramos ist dieser eine Typ, der eine ganze Mannschaft mitreißen kann. Nicht einmal Cristiano Ronaldo würde auf die Idee kommen, seinem Kapitän zu widersprechen. Wahrscheinlich würde Reals Vereinspräsident auch eher zittern, wenn am Abend Ramos statt Ronaldo einen Abschied aus Madrid angedeutet hätte.

Warum?

Weil Ramos der kompletteste von allen ist. Kompletter als jeder andere Spieler der Welt. Er vereint alle Abwehrtugenden: Kopfballstärke, Schnelligkeit, Stellungsspiel - und eben auch diese verdammte Härte. All das wurde gegen den FC Liverpool wieder einmal deutlich. Ramos war zweikampfstark und brillant im Spielaufbau, auch in der gegnerischen Hälfte. Dort spielte er mehr erfolgreiche Pässe als Ronaldo.

Ramos ist auch Stürmer. Seine Wucht in der Luft wird gefürchtet, sie entscheidet Spiele, auch die ganz großen Duelle, wie das Halbfinale gegen Bayern München im Jahr 2014 oder das Champions-League-Finale 2016 gegen Atlético Madrid. Er kann Volleyschüsse, taucht aus dem Nichts im Strafraum des Gegners auf und stiftet plötzlich Unruhe.

Dieser Mix aus defensiver und offensiver Klasse macht Sergio Ramos zum besten Abwehrstürmer der Welt. Er ist der Spieler, der alles für den Erfolg tut. Er ist einfach brutal gut.

insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
rasner 27.05.2018
1. Tritt ihn kaputt!
Für mich war lange vor dem Spiel klar, dass Salah nicht unverletzt den Schlusspfiff erleben würde. Tritt ihn möglichst früh kaputt, das ist die reale madrilenische Methode.
Papazaca 27.05.2018
2. Ein "sowohl als auch Kommentar", mathematisch..
kürzt sich alles weg, Heraus kommt Null. Klar, Ramos ist ein guter Verteidiger. Aber er ist auch oft unfair bis zur Brutalität und hätte schon oft vom Platz fliegen müssen, u.a. gestern. Das hätte man kurz und knapp ausdrücken können, ohne einen semantischen Eiertanz aufzuführen. Heißer Tag heute ....
willybrandt61 27.05.2018
3. Vor dem Spiel sagte Klopp,
er wäre froh, nicht gegen Zidane spielen zu müssen. Gut das Zidane Trainer wäre. Nach dem Spiel müsste er seine Aussage zurück nehmen und durch Rambo Ramos ersetzen.
silkens 27.05.2018
4. Wo war der Schiedsrichter
Mag alles sein, die Enttäuschung ist aber, dass der Schiedsrichter ihn nicht mit mindestens mit einer gelben Karte ausgebremst hat. Die brutalen Aktionen von Ramos haben dem Spiel im Nachgang den Glanz genommen. Schade für den Fussball, schade für die Champions League. Aber solange ein Oliver Kahn solche Aktionen noch mit seinen Statements verharmlost, ist ja alles i.O.
hondadonda 27.05.2018
5. Was will uns Jan Göbel sagen?
Du schlägst einen Gegenspieler mit den Ellenbogen voll ins Gesicht und der Kommentator lobt dich nachher als brutal gut. Doppeldeutigkeit hin oder her. Tolle Ansage an alle Freizeitkicker. Dieser Artikel ist voll daneben. Zeigt aber vielleicht nur das reale Gesicht des Profifußballs und eines Teils unserer Gesellschaft.
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