Drei Thesen zur Champions League Was die englischen Topteams den deutschen voraushaben

Erstmals seit 13 Jahren steht kein deutsches Team im Viertelfinale der Champions League - dafür aber vier aus England. Ein Zufall? Ein Blick auf die englisch-deutschen Achtelfinalduelle gibt die Antwort: Nein!

Phil Foden
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Phil Foden


1. Englische Abwehrreihen sind eine Klasse besser

In den insgesamt sechs Partien zwischen Tottenham und Dortmund, Liverpool und München sowie Manchester City und Schalke 04 fielen 20 Tore - davon aber nur drei für die Bundesliga-Klubs. Ausgerechnet S04 traf zweimal, allerdings nicht aus dem Spiel heraus: Nabil Bentaleb erzielte beim 2:3 im Hinspiel beide Tore per Elfmeter.

Das Problem: Die Bundesligisten erspielten sich in den K.-o.-Duellen mit den englischen Teams viel zu wenige Torchancen, ihnen fehlte schlicht die Klasse gegen starke Abwehrformationen. Mit Ausnahme der BVB-Partie zu Hause gegen Tottenham (19:5 Abschlüsse, 7:1 aufs Tor - und doch 0:1 verloren) kamen die deutschen Teams gegen die energisch und konzentriert verteidigenden Engländer viel zu selten in Abschlusspositionen, schlimmer noch: zu selten überhaupt ins letzte Drittel.

Die Bayern brachten zum Beispiel im Rückspiel gegen Liverpool bei sieben Versuchen überhaupt nur zwei Abschlüsse aufs Tor der Engländer, obwohl sie nach dem 0:0 im Hinspiel zu Hause auf einen eigenen Treffer angewiesen waren. Nach der Pause, als es beim Stand von 1:1 drauf ankam: gar keinen.

Zur offensiven Harmlosigkeit gesellte sich dann noch die Anfälligkeit in den eigenen Abwehrreihen. Vier Gegentreffer kassierte der BVB, drei der FC Bayern - deutlich zu viele, um auf europäischem Spitzenniveau bestehen zu können. Von den zehn Gegentoren des FC Schalke ganz zu schweigen.

2. Konzentrationsschwächen machen den Unterschied

Besonders bitter in der Analyse der Achtelfinalduelle "England gegen Deutschland" ist die Tatsache, dass sich sowohl Dortmund als auch Schalke in den Hinspielen jeweils in der Schlussphase um eine deutlich bessere Ausgangslage für die Rückspiele brachten - und das völlig ohne Not. Dortmund lag in London bei den Spurs bis zur 83. Minute nur 0:1 hinten - dieses Ergebnis hätte ein spannendes, offenes Rückspiel versprochen.

Doch Treffer von Jan Vertonghen (83.) und Llorente (86.) nach unkonzentrierten Aktionen in der BVB-Abwehr entschieden das Duell schon zum Ende des ersten Aufeinandertreffens. Schalke führte gegen City bis zur 85. Hinspiel-Minute sogar 2:1, bevor individuelle Fehler auf der einen und ein Geniestreich von Leroy Sané auf der anderen Seite die eigentlich gute Ausgangsposition noch kippten. Bei den Bayern sah Außenverteidiger und Impulsgeber Joshua Kimmich im Hinspiel in Liverpool seine dritte Gelbe Karte - sein Fehlen machte sich dann im Rückspiel offensiv wie defensiv bemerkbar.

3. Individuelle Klasse setzt sich durch

Keine Frage, der größte Unterschied zwischen den deutschen und den englischen Teams ist die qualitative Kaderbesetzung. Zwar lesen sich auch die Namen in den Startformationen von Bayern München oder beim BVB zumindest teilweise sehr gut, aber die Teams von der Insel sind im Vergleich dazu in allen Mannschaftsteilen und zudem vor allem in der Breite deutlich besser besetzt.

City-Trainer Josep Guardiola wechselte im Spiel gegen Schalke nach einer Stunde seine Leistungsträger Sergio Agüero und David Silva aus, um sie zu schonen. Danach fielen noch drei weitere Tore - zwei davon erzielt von den eingewechselten Phil Foden und Gabriel Jesus.

Auch kurzfristige Ausfälle können die Teams durch gleichwertigen Ersatz kompensieren. Als sich Liverpools Kapitän Jordan Henderson schon in der Anfangsphase des Spiel beim FC Bayern so schwer verletzte, dass er ausgewechselt werden musste, brachte Trainer Jürgen Klopp kurzerhand den Brasilianer Fabinho ins Spiel.



insgesamt 54 Beiträge
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nextgen 14.03.2019
1. Geld
Deutschland war noch nie das Land wo es am meisten zu verdienen gab!!!dafür wurde viel mit Einsatz und Leidenschaft erreicht!! leider sind diese Eigenschaften abhanden gekommen!!! und daran ist die führungsetage verantwortlich den sie treffen im endeffekt die entscheidungen!!!!
power.piefke 14.03.2019
2. ein Punkt fehlt:
Die Englischen Teams haben auch voraus, dass sie bei Regelverstößen keinerlei Sanktionen fürchten müssen.
ossibomber 14.03.2019
3.
Während die deutschen den ball zum mann spielen, wird bei den englischen mannschaften der raum in der gegnerischen hälfte bevorzugt
zauberer2112 14.03.2019
4. Haha
Einfach mal die Etats vergleichen, dann passt's. So kann man auch Bundesliga mit 3. Liga vergleichen.
ayee 14.03.2019
5. Hysterie
Die Bayern haben dieses Jahr nicht ihre stärkste Saison, Dortmund besteht aus vielen jungen Spielern und ja, der Rest der Bundesliga ist seit Jahren auch nicht wirklich stark. Daraus jetzt aber gleich Trends abzuleiten, wäre ziemlich hysterisch. Real hat jetzt auch mehrmals die CL gewonnen und ist nun raus. Kann man daraus einen Trend ableiten? Ich glaube nicht.
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