BVB-Torwart Weidenfeller Der Herbergsvater

Auf Roman Weidenfeller kommt es am Abend an: Dortmunds Torhüter dürfte beim Halbfinal-Rückspiel des BVB bei Real Madrid eine Schlüsselrolle einnehmen. Der 32-Jährige sieht das entspannt, er ist im Laufe seiner Karriere immer stärker geworden.

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Wenn Roman Weidenfeller mal über etwas anderes sprechen will als über Fußball, die Playstation oder Justin Bieber, zum Beispiel über Politik, dann hat er ein Problem, sagt er. Um ihn herum seien sie bei Borussia Dortmund mittlerweile so unglaublich jung, dass er sich seine Gesprächspartner mühsam suchen müsse, hat der Torhüter mal erzählt. Patrick Owomoyela und Sebastian Kehl sind die Letzten seiner Altersklasse im BVB-Kader, mit ihnen setzt sich Weidenfeller dann zusammen.

Der 32-jährige Weidenfeller wirkt bei Borussia Dortmund mittlerweile wie ein Herbergsvater. Aber die gelten in ihren Einrichtungen ja gemeinhin als unverzichtbar. Und das scheint der Torwart in seiner elften BVB-Saison auch mehr denn je zu sein. Weidenfeller hat eine, nun ja, grandiose Saison gespielt, um ein Bonmot des Keepers selbst zu zitieren. Eine Saison, die er persönlich krönen könnte, wenn er mit seinen Paraden Borussia vor dem Ausscheiden im Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid (20.45 Uhr Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bewahren würde. Es wird auf ihn ankommen.

Als Weidenfeller zum BVB kam, spielten dort noch Jörg Heinrich und Stefan Reuter, Christian Wörns und Torsten Frings, Heiko Herrlich und Jan Koller. Im Tor stand Jens Lehmann. So lang ist das her. Es war ein Star-Ensemble damals, eine Ansammlung von Alphatieren, die Mannschaft war gerade mit Trainer Matthias Sammer Deutscher Meister geworden. Weidenfeller war 22 Jahre alt und musste sich hinten anstellen.

Seit 2005 die Nummer eins im Tor

Diesen Zustand hat er seit 2005 korrigiert. Von ein paar Verletzungspausen und einer Schwächephase zwischendurch abgesehen, hütet Weidenfeller das BVB-Tor, und er tut dies als unangefochtene Nummer eins. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Keeper dabei von Jahr zu Jahr eher besser wird. Diese Spielzeit ist mutmaßlich seine bisher beste.

"Dass wir im Halbfinale der Champions League stehen, ist ein Riesenerfolg. Dazu hat jeder, und ich sicher auch, einen Teil beigetragen", sagte er SPIEGEL ONLINE. So bescheiden klang Weidenfeller nicht immer in seiner Karriere. Er kommt aus der Torwartschule von Lautern-Legende Gerry Ehrmann, wie Tim Wiese, wie der Frankfurter Kevin Trapp. Den Ehrmann-Keepern wird ein gewisses Selbstbewusstsein nachgesagt. Es gab Zeiten, da hat Weidenfeller dieses Klischee bedient.

Als er 2008 mit dem Schalker Gerald Asamoah aneinander geriet und dieser ihn bezichtigte, ihn auf dem Platz rassistisch beleidigt zu haben, hatte Weidenfeller sein Negativ-Image für eine ganze Weile weg. Seine steten Klagen, warum er nie für die Nationalmannschaft berufen werde, obwohl er doch kontinuierlich Leistung abrufe, nervten Bundestrainer Joachim Löw irgendwann dermaßen, dass er Weidenfeller öffentlich abkanzelte. Dieser sei ein zwar guter Torwart, aber Löws Ansprüchen genüge er nicht.

Weidenfeller hat verstanden. Er hat das Thema danach abgehakt. Seinen Leistungen hat das nicht geschadet.

Seine Vorbilder heißen Effenberg, Kahn, Ballack

Dass er noch heute ein anderes Verständnis vom modernen Fußball hat als der Bundestrainer, offenbart Weidenfeller gerne, in dem er in Interviews Spielertypen wie Stefan Effenberg, Michael Ballack und Oliver Kahn als seine Vorbilder nennt. Genau jenen vermeintlichen Führungsspieler-Typus, mit dem Löw so gar nichts mehr anfangen kann.

Auch sein Vereinscoach Jürgen Klopp mag darüber anders denken als der Torwart, hier regieren mit Marco Reus, Mario Götze oder Marcel Schmelzer schließlich genau jene von Löw bevorzugten Teamspieler, die sich problemlos in ein taktisches Konzept einfügen. In Dortmund hat das für Weidenfeller dennoch nie ein Problem bedeutet. Er ist Torwart. Er hat seine eigenen Aufgaben zu erfüllen.

"Roman hat immer gezeigt, dass er ein Teamspieler ist", sagt einer, der es wissen müsste. Heiko Weidenfeller kennt nicht nur seinen jüngeren Bruder gut, er kennt sich auch im Fußball aus. Er trainiert den Bezirksligaverein TuS Montabaur und charakterisiert seinen prominenten Bruder als "einen, der sich komplett in den Hintergrund stellen kann". Dass der Keeper derzeit so gut in Form sei, überrascht Heiko Weidenfeller nicht. "Roman ist jemand, der Kontinuität braucht. Je mehr Spiele er gemacht hat, desto ruhiger ist er geworden," sagte er SPIEGEL ONLINE.

Ruhe wird er am Dienstagabend wohl kaum bekommen. Real wird vor allem zu Beginn des Spiels alles versuchen, die BVB-Abwehr zu überrennen, um ein frühes Führungstor vorzulegen. Weidenfeller wird all seine Qualitäten brauchen, auch wenn er die Nervosität vor der Partie herunterspielt: "Wir machen keinen großen Unterschied zwischen dem Champions-League-Halbfinale oder einer Bundesliga-Partie."

Cristiano Ronaldo wird am Abend versuchen, ihm diesen Unterschied deutlich zu machen.

insgesamt 18 Beiträge
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Broeselbub 30.04.2013
1. Roman
ist der momentan beste Torwart Deutschlands. Neben ihm ist Neuer einer der noch viel lernen muss. Vorallem muss Neuer seine arrogante Art ablegen. Die macht ihn nicht gerade beliebt und leisten kann er sich diese Art sowieso nicht. Dafür spielt er auf keinem besonders hohen Niveau. Roman ist abgeklärter und strahlt eine besondere Ruhe aus. Warum der nie in der N11 gespielt hat weiß nur Löw alleine.
FairPlay 30.04.2013
2. BVB, keine Zweifel
real Madrid muss kommen. Dabei werden sie sich öffnen müssen. Das ist die Konterchance für Reus, Götze u.Co. Ein Tor für den BVB ist immer drin und die Madrilenen werden sich selbst KO spielen müssen und trotzdem nicht schaffen. Wie ich schon sagte, Das CL Finale in London wird rein Deutsch sein.
satissa 30.04.2013
3. Im Tor stand jemand anders...
nämlich der Franzose Guillaume Warmuz. Jens Lehman und Guillaume machten einen Swap. Der eine von UK nach D der andere von D nach UK. Erst als Guillaume Warmuz 2005 nach Monaco ging kam Weidenfellers Zeit als unangefochtene Nr. 1.
golfstrom1 30.04.2013
4. Weidenfeller
Ich halte ihn auch für den derzeit besten Torwart. Neuer hat seine überragensten Einsätze noch bei Schalke gemacht. In München hat er immer wieder kleine Unsicherheiten. Natürlich wird die Meßlatte bei Neuer hoch angelegt aber ich finde seine wirklich überragenden Leistungen halten sich in Grenzen. Es gibt wenige Spiele (sicher auch aufgrund der überragenden Abwehrleistungen der Bayern) nach denen man sagen die Bayern haben dieses oder jenes Ergebnis vor allem dank Neuer erzielt. In der vergangenen Saison hatte er Chancen dafür und hat sie auch nicht genutzt. Weidenfeller spielt konstanter. Und die Fehler die Weidenfeller macht macht Neuer ebenfalls in nicht unbedingt geringerer Anzahl.
bigjes 30.04.2013
5. @ Broeselbub: Schon mal in die Listen geschaut?
Ich will gar nicht mit ihnen diskutieren, wer der bessere ist, aber Neuer als arrogant zu bezeichnen, finde ich schon sehr interessant und nicht korrekt. Und das zur Zeit Neuer auf Platz 4 und Weidenfeller auf Platz 8 der Goldenen-Handschuh-Liste (http://www.torwart.de/?id=184) steht, ignorieren sie auch. Ich finde auf alle Fälle Weidenfeller sympathischer, darum geht es aber nicht...
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