Bayern-Aus in der Champions League Gut gespielt, bös gepatzt

Viele Chancen für die Münchner - doch ins Finale der Champions League zieht Real Madrid ein. Am Ausgang der Partie waren die beiden Torhüter entscheidend beteiligt.

Ribéry, Wagner und Alaba
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Ribéry, Wagner und Alaba


Die Szene der Partie: Sekunden nach Wiederanpfiff spielte Corentin Tolisso einen Rückpass, der seinen Torhüter Sven Ulreich in Turbulenzen stürzte. Erst wollte er den Ball vor dem nahenden Karim Benzema aufnehmen, entschied sich dann aber wegen eines drohenden Freistoßes dagegen. Für die Abwehr mit dem Fuß war es da aber auch schon zu spät, und so rollte der Ball in bester Slapstickmanier am Unglücksraben vorbei. Benzema sagte Danke und schob nach 22 Sekunden in Halbzeit zwei ein.

Das Ergebnis: Real Madrid und Bayern München trennen sich 2:2 (1:1). Durch den 2:1-Auswärtserfolg im Hinspiel ziehen die Spanier ins Finale der Champions League ein. Hier geht es zur Meldung.

Der Aufreger der Partie: "Wir sind beschissen worden", zürnte Karl-Heinz Rummenigge nach dem Halbfinal-Aus in Madrid vor einem Jahr über die Entscheidungen des Unparteiischen. Der Puls der Münchner Verantwortlichen schnellte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erneut in gefährliche Höhen. Bei einer Flanke von Joshua Kimmich gelangte der Ball an den Unterarm von Real-Verteidiger Marcelo. Diese Aktion hätte einen Strafstoß nach sich ziehen können, nach Ansicht der Bayern sogar müssen. Schiedsrichter Cüneyt Çakr entschied jedoch auf Weiterspielen.

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Champions League: Wenn zwei Tore in Madrid nicht reichen

Personalfragen: Jupp Heynckes konnte auf David Alaba zurückgreifen, der auf der Linksverteidigerposition Rafinha ersetze. Überraschend spielte auch Tolisso für Javi Martínez, Thiago bekleidete die alleinige Sechserposition. Auf der Gegenseite ließ Zinédine Zidane Lucas Vázquez für den verletzten Daniel Carvajal hinten rechts verteidigen. Der gelernte Offensivmann hatte große Probleme auf seiner Seite gegen Franck Ribéry und Alaba, sodass Luka Modric seinem Teamkollegen immer häufiger zu Hilfe eilen musste. Mit Kimmich brachte der Rechtsverteidiger auf der gegenüberliegenden Seite die Gäste 1:0 in Führung, ermöglichte aber durch sein passives Verhalten die Flanke von Marcelo, die zum Ausgleich durch Benzema führte.

Die erste Hälfte: Die Bayern gingen mit dem Bewusstsein ins Spiel, mindestens zwei Tore erzielen zu müssen. So traten sie auch auf. Der Führungstreffer von Kimmich war trotz der kurzen Spielzeit von nur drei Minuten bereits folgerichtig. Dem Ausgleichstreffer von Benzema (11. Minute) folgte ein rasantes Auf und Ab mit Chancen auf beiden Seiten. Die größte Gelegenheit vergab James, der in der 33. Minute nach einer Angriffsaktion über Mats Hummels, Robert Lewandowski und Thomas Müller aus kurzer Distanz das 2:1 verpasste. Die Bayern nutzten immer wieder die Schwäche Reals in den Halbräumen aus, für den entscheidenden zweiten Treffer fehlte allerdings erneut die letzte Konsequenz im Abschluss.

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Einzelkritik FC Bayern: Wo war Lewandowski?

Die zweite Hälfte: Nach dem frühen zweiten Tor nahm die Partie erneut Tempo auf und bot Unterhaltung pur: Alaba zwang Keylor Navas mit einem Fernschuss zu einer starken Parade (51.), dann verfehlte Cristiano Ronaldo in der 54. Minute das Bayern-Gehäuse gleich zweimal, bevor Niklas Süle nach einer Stunde das 2:2 vergab. Drei Minuten später war es dann so weit: James scheiterte nach Süle-Flanke erst an einem Abwehrbein, im zweiten Anlauf überwand er Navas im Tor der Madrilenen. Tolisso (74.), James (75.), Müller (79.), Hummels (90.+2) und erneut Müller (90.+5) vergaben weitere gute Möglichkeiten für die Gäste.

Vom "Depp" zum Helden in sechs Tagen: Nach dem Hinspiel ergoss sich noch Hohn und Spott über Reals Torhüter Navas, der beim Führungstreffer von Kimmich schlecht aussah. Im Rückspiel war er der überragende Mann auf Seiten der Gastgeber. Vor allem beim abgefälschten Schuss von Alaba in der 51. Minute zeigte der 31-Jährige seine ganze Klasse.

Leben und Tod: Etwas kryptisch hatte Rummenigge in der vergangenen Woche aufgefordert, "den Heldentod zu leben". Derart befeuert standen am Ende 22:9 Torschüsse für die Bayern zu Buche. Zum Finale nach Kiew wird allerdings Real reisen, das von zwei bösen Bayern-Patzern durch Rafinha und Ulreich in Hin- und Rückspiel profitierte. Zu viele auf diesem Niveau, wie auch Bayern-Coach Heynckes nach dem Schlusspfiff nüchtern konstatierte.

Real Madrid - Bayern München 2:2 (1:1)
0:1 Kimmich (3.)
1:1 Benzema (11.)
2:1 Benzema (46.)
2:2 James (63.)
Real: Navas - Marcelo, Ramos, Varane, Vázquez - Asensio (88. Nacho), Kroos, Kovacic (72. Casemiro), Modric - Ronaldo, Benzema (72. Bale)
Bayern: Ulreich - Alaba, Hummels, Süle, Kimmich - Thiago - Ribéry, James (83. Martínez), Tolisso (75. Wagner), Müller - Lewandowski
Schiedsrichter: Cüneyt Çakir
Gelbe Karten: Modric, Vázquez, Varane, Casemiro / -
Zuschauer: 81.000

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insgesamt 69 Beiträge
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brotherandrew 02.05.2018
1. Den ...
... angeblichen "Bayern-Dusel" kann man dem FCB nun wirklich nicht bescheinigen. Real hat das Finale nicht selbst verdient, sondern der FCB hat es verpatzt. Dass es den klaren Handelfmeter Ende der ersten Halbzeit nicht gab, ist da nur noch das Tüpfelchen auf dem "i". Was aber gut erkennbar war: Auf diesem Niveau mit etwa gleich starken Gegnern hat der Zufall einen massiven Einfluss auf das Ergebnis.
alaba27 02.05.2018
2. Selbst geschlagen
Tolisso spielt Ulle aus - das war's. 2 von 4 Toren gegen sich legen sich die Bayern selbst 'rein, so wird das nix gegen Real. Vielleicht wäre ein 1:2 zur Pause besser gewesen, aber das war die einzige Fehlentscheidung. An Cakir hat's nicht gelegen, sondern nur an der "grandiosen" Chancenverwertung. Schade, so unnötig war's selten.
rgsf 02.05.2018
3. BL zu schwach
Wie sollen die Bayern denn auch die Spielerfahrung auf höchstem Niveau haben um Anfängerfehler automatisch zu vermeiden? Da sind die Spitzenklubs aus der Premier League oder aus Spanien klar im Vorteil. Siehe auch Juve und PSG.
hermann2013 02.05.2018
4. warum reicht es bei den Bayern letztendlich nicht ?
diesmal hätten es die Bayern verdient, über 180 min waren Sie dann insgesamt doch*besser. Das lag aber auch daran, das Madrid vergleichsweise für Ihre übliche CL Form sehr mässig spielten, da kann für Liverpool durchaus*was gehen. Entscheidend war in beiden Spielen die Chancenauswertung und das hat Heynckes auch kritisiert. Daher für meine Begriffe auch eine klare Teilschuld bei den Verantwortlichen der Kaderplanung : allein mit Lewandowski, der erneut überraschenderweise eine komplette Saison verletzungsfrei spielt ( !! ) - und das gefühlt seit 5 Jahren.... geht nicht ! Kein Back up bei Verletzungsausfall oder so einer schwachen Form wie in beiden Spielen gegen Real ! Dann fehlt noch ein Robben für Torgefahr und ein 35 jähriger Ribery, der natürlich auch an seine Grenzen kommt. Stolpert dann der Müller keinen rein, dann kann man nicht gewinnen. Die Chancenstatistik ist über 2 Spielzeiten erdrückend zugunsten der Bayern,............aber das ist dann halt nur auf dem Papier ein Sieg :( Meine Einzelkritik wäre: Ulreich:* schade, das ihm so ein Ding ausgerechnet hier unterläuft, wo es um die Endspielteilnahme geht, echt bitter nach der tollen Saison. Kimmich:* stark, und er wird durch solche Spiele umso mehr reifen, das schon in so einem jungen ALter.* Süle hat ebenfalls eine sehr gute Leistung gezeigt, immerhin war CR 7* nahezu 180 min abgemeldet. Hummels: besser als im Hinspiel, Eröffnungspässe kamen weitestgehend an!* Alaba:* beeindruckend nach Verletzung so ein athletisch guter Auftritt , Hut ab!* *Tolisso: fehlt etwas die Praxis und Bindung wegen fehlender Einsatzzeiten zuletzt, daher auch überraschend die AUfstellung, Qualität mittelmässig. Ribery: leidenschaftlich mit immerhin 35 Jahren, aber ab der 60 min erneut ziemlich platt, ausserdem hat er die Gelegenheiten liegen lassen, die man hätte nutzen MÜSSEN. James:* bester Spieler aufdem Platz, überragend zu 95%. Müller:* also manchmal schüttelt man ja nur den Kopf, wenn er da so rumspringt, unberechenbar für Gegner und Mitspieler, aber etwas zu wenig Effektivität heute. Thiago: erfreuliche Leistungssteigerung gegenüber Hinspiel, in Ordnung. Lewandowski:* die Enttäuschung in beiden Spielen. Wenn man so hört, was angeblich bzgl Wechsel nach Madrid so läuft, eine Frechheit - da hätte ggf sogar Wagner anfangen sollen. Und Heynckes ?* Als er die Truppe übernommen hatte, wären die Bayern zu eine Leistung nicht fähig gewesen, daher Gratulation.* Auffällig schwach in beiden Spielen aber die zahlreichen Standardsituationen, bei denen nix raussprang .* das muss man ankreiden, finde ich. Und :* wenn man sieht wen Madrid ein- und ausgewechselt hat, tja - da war nix mehr auf der Bayern Bank, um was zu reißen. Und Madrid:* muss sich eindeutig beim Torwart bedanken, bereits im Hinspiel hat er die Punkte gesichert, alle anderen waren mit wenigen Ausnahmen sehr blass.
frietz 02.05.2018
5.
Die Bayern haben sich selbst geschlagen. In jedem Spiel ein "Eigentor" zu machen, ist bei einem solchen Gegner fatal. Solche Fehler kann man in der Bundesliga ausmerzen, aber nicht in einem CL-Halbfinale. Es hat nicht viel gefehlt. Auf ein Neues in der nächsten Saison.
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