Ajax-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar Der Joker

Mit 33 Jahren kehrte Klaas-Jan Huntelaar zu Ajax Amsterdam zurück. Ihm drohte die Bank, jetzt bastelt er am Legendenstatus - vor allem in den letzten Spielminuten.

AFP

Von Jonas Hüster


Niederländische Fußballer landen zum Karriereende häufig im Sandkasten. Dort locken ein üppiges Gehalt und schwache Gegner. Mit "Sandkasten-Ligen" sind in den Niederlanden die ausländischen Fußballligen gemeint, die wenig Qualität, aber viel Geld versprechen. Die Arrivierten können sorgenfrei aufspielen, sich vergnügen - ganz so wie ein Kind im Sandkasten.

Für Klaas-Jan Huntelaar klang das nicht verlockend. Ganz im Gegenteil: Er hatte "die Option Sandkasten, also China oder die Türkei" schon frühzeitig ausgeschlossen. Huntelaar wollte in den Niederlanden bleiben. Da, wo er auf seinem Bauernhof eigenes Gemüse und Obst anpflanzt. Während seiner Zeit beim FC Schalke 04 fuhr ihn sein Vater oft die gut 100 Kilometer über die Grenze zum Training. Die Heimatverbundenheit ist ausgeprägt - bis heute.

Auch deshalb kehrte er 2017 zu Ajax Amsterdam zurück, dem Verein, den er schon als Kind verehrte. Huntelaar spielte das erste Mal von 2006 bis 2009 in Amsterdam, schaffte dort den Durchbruch und war derart gut, dass ihn Real Madrid verpflichtete. Der Verein, gegen den Ajax nun in der Champions League spielt (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky).

Der Älteste im Kader der Talente

In einer Mannschaft, die jugendliche Talente prägen, ist Huntelaar eine der Ausnahmen. Mit 35 Jahren ist er der älteste Spieler im Kader und auch der einzige, der bereits K.-o.-Spiele in der Champions League bestritten hat. "Er hat schon alles mitgemacht", sagt sein Trainer Erik ten Hag. Jedes Team wolle einen Stürmer wie ihn haben. Er lobt Huntelaar für seinen "großartigen Charakter" und seine "Energie".

Mit der Rolle des Ratgebers, der junge Spieler mit seiner Weisheit nährt, bricht Huntelaar teils. "Die meisten haben ihre eigenen Ideen", sagt er über Nachwuchsspieler wie Frenkie de Jong (21 Jahre), Mathijs de Ligt (19) oder Donny van de Beek (21). Sie stehen für den Aufbruch im niederländischen Fußball.

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Klaas-Jan Huntelaar: Madrid, Mailand und Gelsenkirchen

Und sie konkurrieren mit Huntelaar bei Ajax. "Ich komme nicht hierhin, um mich auf die Bank zu setzen", sagte er bei seinem Wechsel, obwohl das 21-jährige Talent Kasper Dolberg aus Dänemark als Stürmer gesetzt war. In seiner ersten Saison machte Huntelaar 31 Spiele und traf 15-mal in allen Wettbewerben. Dolberg hatte dagegen mit Verletzungen und einem Formtief zu kämpfen.

Huntelaar war Stammspieler, wurde mit David Neres bester Ajax-Torschütze und sein Vertrag wurde um ein Jahr verlängert. Doch zuletzt wurden seine Startelf-Einsätze seltener. Stattdessen spielte Dolberg, ebenso wie Dusan Tadic, mit 22 Toren wettbewerbsübergreifend der beste Ajax-Torschütze. Huntelaar bekam eine neue Rolle, die des Edeljokers. Sein Startelf-Einsatz gegen den Ex-Klub Real Madrid ist unwahrscheinlich, für ihn könnte die Schlussphase im Achtelfinale wichtiger sein.

Kein Karriereende im Kopf

Denn Huntelaar trifft gern in den letzten Minuten einer Partie. Drei seiner letzten vier Treffer schoss er nach seiner Einwechslung in den Schlussminuten: gegen Venlo, Breda und Heerenveen. Selbst in der Champions League, in der seine Einsatzzeiten noch knapper sind, bewies er, dass er seinem Team als Joker helfen kann. Gegen AEK Athen assistierte er zum 2:0, aber auch beim furiosen Gruppenspiel gegen die Bayern grätschte Niklas Süle eine Vorlage von Huntelaar zum 3:3 ins eigene Tor. Am Ende stand der Stürmer zehn Minuten auf dem Platz. "Das Karriereende ist überhaupt nicht in meinem Kopf", sagte er damals vor der Partie.

Auch Huntelaar ist es zu verdanken, dass Amsterdam in der Champions League spielt - viermal traf er in den Qualifikationsspielen. Ein Tor fehlt ihm noch, dann hat er 100 Ligatreffer für Ajax geschossen. Nur Dennis Bergkamp und Marco van Basten waren besser. Beide spielten nie im Sandkasten.



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