Chaos in Frankfurt Wildes Grätschen in der Vorstandsetage

Eintracht Frankfurt hat seinen Ruf als zerstrittener Verein und launische Diva einmal mehr bestätigt. Obwohl der Bundesliga-Aufsteiger angesichts der sportlichen Situation im Augenblick andere Sorgen haben sollte, tobt hinter den Kulissen ein leidenschaftlicher Machtkampf zwischen Vorstandsvorsitzendem und Aufsichtsrat.


Entlassener Peter Schuster (l.): "Das kriegt man in so ein Fußballhirn nicht rein"
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Entlassener Peter Schuster (l.): "Das kriegt man in so ein Fußballhirn nicht rein"

Frankfurt am Main - Nach etlichen Peinlichkeiten in seiner gerade mal 20-tägigen Amtszeit ist Peter Schuster, Vorstandsvorsitzender der AG des Fußball-Bundesligaclubs Eintracht Frankfurt, am Donnerstag vom Aufsichtsrat entlassen worden. "Der Aufsichtsrat hat Herrn Schuster von seinem Posten abberufen", bestätigte der Eintracht-Präsident Peter Fischer. Mit der Entlassung von Schuster ist die zweitkürzeste Amtszeit im Chefsessel der Frankfurter beendet. Im November 1988 stand Joseph Wolf ganze sieben Tage an der Vereinsspitze, Hans-Joachim Otto hatte den Club 1996 immerhin 30 Tage geführt.

Schuster war nach seinem als arrogant empfundenm Auftritt vor Journalisten am vorigen Freitag, bei dem er der Eintracht mit unbedarften Äußerungen einen enormen Image-Schaden zugefügt hatte, auch intern heftig in die Kritik geraten. So hatte der Unternehmensberater zuletzt den Ex-Eintrachtspieler und Kandidaten für einen Managerposten, Bernd Hölzenbein, öffentlich beleidigt. Nachdem der Weltmeister von 1974 den auf fünf Monate beschränkten und von Schuster selbst aus der Taufe gehobenen Posten als "Projektleiter Nichtabstieg" abgelehnt hatte, warf der ehemalige Jurist des Chemiekonzerns Hoechst Hölzenbein mangelnde Intelligenz vor. "Ich habe versucht, ihm den Unterschied zwischen variablen und fixen Kosten zu erklären. Das haben sogar die Rotfabriker bei Hoechst verstanden. Aber das kriegt man in so ein Fußballhirn ja nicht rein", sagte der selbsternannte "Business Angel".

Schuster, der bei seinem Dienstbeginn den Job bei der Eintracht als "Kinderspiel" bezeichnet hatte, trat auch anschließend zielsicher in jedes Fettnäpfchen und wurde von mehreren Seiten zum Rücktritt aufgefordert. Auch die Frankfurter Presse nahm Schuster ins Visier. Die Blätter warfen ihm Arroganz, herrisches Gehabe und Großmannssucht vor. Die Rundschau bezeichnete Schuster sogar als "Dr. Seltsam".

Auch der Frankfurter Bürgermeister Achim Vandreike (SPD) und der hessische Landespolitiker Franz Josef Jung (CDU), die maßgeblich an der Installierung von Schuster als Nachfolger von Volker Sparmann mitgewirkt hatten, rückten nach und nach von der Seite des Hobbyfußballers Schuster ab.

Mit dem Abgang von Schuster ist wohl auch das Thema Andreas Möller für die Eintracht endgültig beendet, da es vor allem der Vorstands-Chef war, der den ehemaligen Nationalspieler reaktivieren und nach Frankfurt zurückholen wollte. Nach dem Ausscheiden Schusters besteht der Vorstand der Hessen derzeit nur noch aus Finanzchef Thomas Pröckl und Heiko Beeck.

Doch nicht nur in der Vorstandsetage ging es am Donnerstag hoch her. Auch auf sportlicher Ebene sind Personalentscheidungen getroffen worden. Mittelfeldspieler David Montero, 29, und der Tabellen-Sechzehnte haben sich in beiderseitigem Einvernehmen auf eine sofortige Auflösung des bis Juni 2004 laufenden Vertrags geeinigt. Der Spanier war von Eintracht-Coach Willi Reimann vor zwei Wochen suspendiert worden, nachdem er bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Monate das Training aufgrund von Alkoholeskapaden verpasst hatte.



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