Chaostage bei Hertha Berlin, du kannst so hässlich sein

Turbulente Tage bei Hertha BSC: Die Schlammschlacht im Zusammenhang mit dem Abschied von Trainer Markus Babbel ramponiert das Image des Vereins schwer. Nachfolger wird wohl Michael Skibbe. Der soll angeblich - was absolut unerhört klingt - seine Ablösesumme sogar selbst zahlen.

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Der Fußballlehrer Rainer Widmayer kommt am Mittwoch zu ungewohnten Ehren. Bisher war er der treue Assistent an der Seite von Markus Babbel, erst beim VfB Stuttgart, dann bei Hertha BSC. Jetzt hat er die Aufgabe übertragen bekommen, die Berliner als verantwortlicher Trainer auf das Pokal-Achtelfinalspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Kaiserslautern (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) einzustellen.

In ihrer Pressemitteilung vom Montag zu Widmayers erstem Training nach dem Abgang von Babbel hat die Hertha mitteilen lassen: "Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war gut, alle Einheiten wurden konzentriert, aber auch mit dem nötigen Spaß, im Hinblick auf das Pokalspiel gegen Kaiserslautern absolviert." Spaß - das ist eine Kategorie, die Widmayer derzeit bei Hertha exklusiv hat.

Es wird wohl ohnehin sein einziger Auftritt als Hertha-Coach bleiben. Der neue Mann, Michael Skibbe, soll ab 1. Januar übernehmen. Obwohl: In diesen Berliner Chaostagen gilt wenig als gesichert. Der Hauptstadtclub hat verheerende Tage für sein Image hinter sich. Dass es künftig viel besser wird, ist schwer vorstellbar.

Geschichte wiederholt sich

Die Trennung von Babbel am Ende einer sportlich durchaus zufriedenstellenden Hinrunde, die gegenseitigen Lügen-Vorwürfe zwischen Babbel auf der einen Seite und Manager Michael Preetz sowie Präsident Werner Gegenbauer auf der anderen - all das hinterlässt das Bild eines Vereins, in dem persönliche Befindlichkeiten im Zweifelsfall eine wichtigere Rolle spielen als die Frage, wo der Club sportlich hin will.

In Berlin denken viele dieser Tage an den September 2009: Seinerzeit wurde der damalige Trainer Lucien Favre nach der Partie bei 1899 Hoffenheim suspendiert. Der Schweizer war Monate zuvor noch in Verein und Stadt gefeiert worden. Aufgrund seiner Akribie, seiner Fußball-Besessenheit, seiner Fähigkeit, aus einem limitierten Team eine Mannschaft zu bauen, die sich fast für die Champions League qualifiziert hätte.

Drei Monate später war er am Ende. Zerrieben von den Animositäten im Verein, zunächst mit dem allmächtig scheinenden Manager Dieter Hoeneß, später mit dessen Nachfolger Preetz. Die Trennung von Favre nach erst sieben Spieltagen der Saison 2009/2010 war quasi eine der ersten Amtshandlungen von Preetz. Nachdem Favre Tage später auf einer bizarren Pressekonferenz Vorwürfe gegen den Verein erhob, wurde die Trennung zum Fall für die Arbeitsgerichte.

Skibbe soll selbst für Ablöse aufkommen - Hertha dementiert

Es spricht einiges dafür, dass sich Geschichte in Berlin wiederholt. Wieder musste die Hertha nach Hoffenheim, wieder stand am Ende die Trennung vom Coach. Wieder stehen Vorwürfe im Raum, weit massiver noch als damals bei Favre. Und wieder hat Preetz sich mit einem Trainer überworfen. Welche Seite dafür ursächlich verantwortlich ist, wer letztendlich wann was gesagt hat oder nicht, lässt sich nur schwer klären. Die Dinge in Berlin hatten irgendwann eine gewisse Eigendynamik entwickelt, die auf Babbels Abgang hinauslief. Man hat vom Management zu keiner Zeit Signale vernommen, dass es diese Entwicklung rechtzeitig aufzuhalten versuchte.

Babbel hat mit seiner ruhigen, zuweilen sperrig wirkenden Art Hertha nach dem Abstieg 2010 unverzüglich und souverän in die Bundesliga zurückgeführt. Er hat den hoch verschuldeten Verein damit mehr oder weniger vor dem Absturz bewahrt. In Berlin waren sich alle einig, dass sich der Club schon aus finanziellen Gründen ein weiteres Zweitligajahr kaum erlauben konnte. Bei der Aufstiegsfeier trugen Trainer und Manager T-Shirts mit der Aufschrift: "Eine Stadt, ein Team, ein Ziel." Das ist erst sechs Monate her.

Jetzt soll dem Vernehmen nach Skibbe die Arbeit fortsetzen. Der frühere Bundesligatrainer von Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt besitzt noch einen gültigen Vertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor. Der Coach müsste aus diesem Kontrakt herausgekauft werden. Selbst im Fall einer Ausstiegsklausel müsste Berlin einen sechsstelligen Betrag dafür aufbringen. Laut "Bild"-Zeitung soll Hertha mal vorsichtig bei Skibbe angefragt haben, ob er bereit sei, diese Ablösesumme selbst zu tragen - was in der Bundesliga ein recht einmaliger Vorgang wäre. Der Verein dementiert dies vehement.

Skibbe hatte in der Bundesliga zuletzt Frankfurt trainiert. So wie das 2009 auch bei Friedhelm Funkel der Fall war, den Preetz als Nachfolger Favres verpflichtet hatte. Wie damals geht der Manager auch diesmal vermeintlich auf Nummer sicher. Einem intern unbequemen, aber sportlich ambitionierten Coach folgt ein Bundesliga-Routinier. Skibbe hat bei der Eintracht immerhin ausreichend Erfahrung mit irrationalen Entscheidungen gesammelt: Ausgerechnet im Anschluss an den einzigen Sieg der Rückrunde nach zuvor neun erfolglosen Partien wurde er in Frankfurt rausgeschmissen.

Mit Funkel ist Hertha vor zwei Jahren sang- und klanglos abgestiegen. Auch Skibbes Ex-Verein Eintracht Frankfurt ist mittlerweile zweitklassig. Lucien Favre betreut heute in Mönchengladbach ein Spitzenteam.

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Seite 1
fullspeed 20.12.2011
1. Skippy....
Zitat von sysopTurbulente Tage bei Hertha BSC: Die*Schlammschlacht im Zusammenhang mit dem Abschied von Trainer Markus Babbel*ramponiert das Image des Vereins schwer.*Nachfolger wird wohl Michael Skibbe. Der soll*angeblich - was absolut*unerhört klingt - seine Ablösesumme sogar selbst zahlen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,804788,00.html
...das ist der Richtige^^! Die von ihm aufzubringende "Ablösesumme" soll wohl auf dem Verrechnungswege die Abfindung etwas schmälern, die er bekommt, wenn er nach einem halben Jahr zweifellos wieder rausgeschmissen wird. Er wird den sportlichen Karren wieder in den Dreck fahren, denn er hat noch bei keinem seiner früheren Arbeitgeber wirklich Erfolg gehabt.
phase 20.12.2011
2. Horny-Mike
Zitat von sysopTurbulente Tage bei Hertha BSC: Die*Schlammschlacht im Zusammenhang mit dem Abschied von Trainer Markus Babbel*ramponiert das Image des Vereins schwer.*Nachfolger wird wohl Michael Skibbe. Der soll*angeblich - was absolut*unerhört klingt - seine Ablösesumme sogar selbst zahlen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,804788,00.html
Ob Horny-Mike der Richtige für eine alte Dame wie Hertha ist? Bin mir nicht sicher!
Bee1976 20.12.2011
3. Nein!!!
Zitat von fullspeed...das ist der Richtige^^! Die von ihm aufzubringende "Ablösesumme" soll wohl auf dem Verrechnungswege die Abfindung etwas schmälern, die er bekommt, wenn er nach einem halben Jahr zweifellos wieder rausgeschmissen wird. Er wird den sportlichen Karren wieder in den Dreck fahren, denn er hat noch bei keinem seiner früheren Arbeitgeber wirklich Erfolg gehabt.
Verraten sie das doch nicht! Ich habem ich schon so auf die Tränen von M.Preetz am Saisonende gefreut wenns wieder nach unten geht mit Erfolgscoach Skibbe!
Ruki1414 20.12.2011
4. Skibbe!!!?
Zitat von sysopTurbulente Tage bei Hertha BSC: Die*Schlammschlacht im Zusammenhang mit dem Abschied von Trainer Markus Babbel*ramponiert das Image des Vereins schwer.*Nachfolger wird wohl Michael Skibbe. Der soll*angeblich - was absolut*unerhört klingt - seine Ablösesumme sogar selbst zahlen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,804788,00.html
Skibbe! Oder vielleicht Frontzeck? Oder Oenning? Oder lieber kampflos nach der Winterpause absteigen?
kellitom 20.12.2011
5. Preetz sollte gehen
Ein ganz übles Spiel von Preetz, er hat Babbel vergrault. Er sollte auch gehen!
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