Chelsea-Trainer Benítez: Sieg, Wutrede, Rauswurf?

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Chelsea-Coach Benítez: "Ich werde den Club am Ende der Saison verlassen"

Am Saisonende ist Schluss! Chelsea-Trainer Rafael Benítez kündigte nach einem Erfolg in Middlesbrough seinen Abschied von den Londonern an. In einer Wutrede kritisierte der Spanier die Clubverantwortlichen und Fans scharf - und könnte dafür schon früher als geplant seinen Job verlieren.

Sieg in Middlesbrough, das Viertelfinale im englischen Pokal erreicht: Eigentlich hatten sie beim FC Chelsea endlich mal wieder Grund zum Feiern, doch der eigene Trainer schlüpfte in die Rolle des Partykillers. Nach dem 2:0-Erfolg am Mittwochabend sagte Rafael Benítez: "Ich werde den Club am Ende der Saison verlassen."

Stille im Pressekonferenzraum, der Satz hatte gesessen - und er war nur der Auftakt zu einer Abrechnung des Spaniers mit den Clubverantwortlichen und den Fans. Benítez kritisierte, dass er bei seiner Verpflichtung im November nur als Interimstrainer bis Saisonende vorgestellt worden war. Das hätte seine Position von Anfang an geschwächt. Und in Richtung der Chelsea-Anhänger sagte er: "Sie müssen nun nicht mehr ihre Zeit mit mir verschwenden. Sie sollten sich auf die Unterstützung des Teams konzentrieren und keine schlechte Atmosphäre verbreiten."

Während des Achtelfinalspiels in Middlesbrough hatten Fans der Londoner mit Sprüchen und Plakaten zum wiederholten Male gegen den eigenen Trainer protestiert. Das geht schon seit der Vorstellung von Benítez so, der von einem Großteil der eigenen Anhänger stets abgelehnt worden war. Einige von ihnen sind noch immer wütend über den Rauswurf des beliebten Roberto Di Matteo, der Chelsea vergangenes Jahr zum Sieg in der Champions League über den FC Bayern geführt hatte. Andere nehmen Benítez noch immer übel, dass er sich in seiner Zeit als Trainer des FC Liverpool abfällig über den mit den Millionen von Roman Abramowitsch hochgezüchteten FC Chelsea geäußert hatte. Und eine dritte Gruppe mag die defensive Spielweise des Coaches schlicht nicht.

Sieben Chelsea-Trainer in sechs Jahren

"Ich bin seit 26 Jahren in verantwortlicher Position im Fußball, habe die Champions League gewonnen, die Fifa-Club-Weltmeisterschaft, den FA-Cup, zweimal die spanische Liga, insgesamt neun Trophäen", zählte Benítez auf, und der 52-Jährige klang dabei wie jemand, der um seine Reputation in diesem Geschäft kämpft. Das Kapitel Chelsea ist nach dem sechsmonatigen Engagements des Spaniers bei Inter Mailand das zweite Intermezzo in Folge, und es könnte früher beendet sein als erst am Saisonende. Nach dieser massiven Kritik ist fraglich, ob Benítez nicht vorzeitig gehen muss.

Ob am Saisonende oder zeitnah: Chelsea muss sich wieder einmal auf Trainersuche begeben. Nach dem Abgang von José Mourinho 2007wurde der Club in sechs Jahren von sieben Trainern gecoacht. Abramowitsch und Co. hatten sich monatelang um Josep Guardiola bemüht, doch der Spanier geht bekanntlich zum FC Bayern. Als einer der Favoriten auf den Trainerposten beim FC Chelsea gilt Mourinho, derzeit noch Trainer von Real Madrid, und Evertons Trainer David Moyes.

Die Wutrede von Benítez ist der vorläufige Tiefpunkt einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen für den FC Chelsea. Im Mai, nach dem Erfolg in der Champions Legaue, war der Club auf dem Höhepunkt angelangt. Ein dreiviertel Jahr später geht es kaum noch tiefer.

Als erster Titelverteidiger musste sich Chelsea nach der Vorrunde aus der Champions League verabschieden. Im Trost-Wettbewerb Europa League quälten sich die Londoner gegen Sparta Prag ins Achtelfinale. Im Liga-Pokal kam das Aus gegen den Außenseiter und späteren Cup-Gewinner Swansea City. Und in der Liga hat Chelsea als Vierter schon 19 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Manchester United. Noch schlimmer: Der Vorsprung des Clubs auf den Fünften, Stadtrivale FC Arsenal, beträgt nur noch zwei Zähler. Chelsea droht zum ersten Mal seit elf Jahren die Champions League zu verpassen. Nur im FA-Cup können die Londoner noch einen Titel holen, allerdings wartet im Viertelfinale ManUnited.

"Den Spielern fehlt der letzte Wille", hatte Benítez unlängst beobachtet. Auf dessen Wutrede reagierte der Club nur mit dem Hinweis, dass sei "business as usual". Rein zufällig ist für Donnerstag eine Vorstandssitzung terminiert. Das Thema Benítez dürfte spätestens seit Mittwochabend auf der Agenda stehen.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. .
frubi 28.02.2013
Zitat von sysopAm Saisonende ist Schluss! Chelsea-Trainer Rafael Benítez kündigte nach einem Erfolg in Middlesbrough seinen Abschied von den Londonern an. In einer Wutrede kritisierte der Spanier die Clubverantwortlichen und Fans scharf - und könnte dafür schon früher als geplant seinen Job verlieren. Chelsea-Trainer Rafael Benítez kündigt seinen Abschied an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/chelsea-trainer-rafael-benitez-kuendigt-seinen-abschied-an-a-886057.html)
Als Trainer, der dicke Schecks nötig hat, ist Chelsea die beste Adresse. Lange und hoch dotierte Verträge und wenn man keine Lust mehr hat, verliert man eben mal 3 Spiele am Stück und wird in den bezahlten Urlaub geschickt. Ist doch wunderbar. Man sollte dann als Trainer nur keine sportlichen Ambitionen auf eine dauerhafte Entwicklung einer Manschaft haben.
2. Wer hätte das gedacht
kartoshkaslukom 28.02.2013
Aha, er ist der Interimstrainer bis zum Ender der Saisong und wird den Verein am Ende der Saisong verlassen, "Wer hätte das gedacht" ?! Was für ein übertriebener Beitrag. Rafa Benitez hat außerdem vollkommen recht in seiner Reaktion, irgendwann darf er doch wohl auch sich zum Wort melden. Ach ja und ein Titel in der EUROPA-League ist außer dem Titel im FA-Cup natürlich auch möglich, aber wenn man einen übertriebenen Beitrag schreibt, muss man es ja nicht erwähnen.
3. Kasperleverein
Stelzi 28.02.2013
Chelsea ist und bleibt ein widerlicher Kasperleverein.
4.
Bee1976 28.02.2013
Zitat von StelziChelsea ist und bleibt ein widerlicher Kasperleverein.
qusi das englische Hoppenheim, nur das dort wenigstens in einer Stadt Fussball gespielt wird, also in einer richtigen und keinem Dorf. Was die Wutrede abgeht: Welche Wutrede ?
5. Sucht man...
botschinski 28.02.2013
nicht noch immer nach einem Trainer für die Spanische Nationalmannschaft im Sommer 2013? Hat der Mann evtl. einen netteren Job gefunden? Wer weiss.
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