Im Stadion des Regionalligisten Chemnitzer FC unterstützt Trauerfeier für Neonazi

Beim Chemnitzer FC wird vor einem Regionalligaspiel eines verstorbenen Neonazis gedacht. Mit Pyro-Show, einer Schweigeminute und Hooligan-Shirt auf dem Platz. Der Klub hält gemeinsame Trauer für "angemessen".

Fans im Stadion des Chemnitzer FC
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Fans im Stadion des Chemnitzer FC


In der Regionalliga Nordost steht der Chemnitzer FC an der Tabellenspitze, daran ändert auch das 4:4-Unentschieden gegen VSG Altglienicke nichts. Das Spiel am vergangenen Samstag wird aber wegen eines Skandals in Erinnerung bleiben: Vor der Partie wurde eine Trauerfeier für einen kurz zuvor verstorbenen Neonazi mit starken Verbindungen zum CFC abgehalten, wie der MDR berichtete.

Der Verein zeigte auf der Videoleinwand ein Bild von Thomas Haller, laut MDR ein bekennender Neonazi, der in den Neunzigerjahren die Vereinigung "Hoonara" (Hooligans-Nazis-Rassisten) mitgegründet und bis 2007 mit seiner Sicherheitsfirma den Ordnungsdienst beim Chemnitzer FC organisiert haben soll. Haller soll zudem in den vergangenen Jahren eine neue rechtsextreme Szene in Chemnitz mit aufgebaut haben. Die Stadt Chemnitz stand wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen rechtsextremer Gruppen im vergangenen August lange in den Schlagzeilen.

Daniel Frahn (l.)
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Daniel Frahn (l.)

Die Chemnitzer Fans hängten hinter dem Tor ein Transparent auf ("Ruhe in Frieden, Tommy"), feierten Haller mit einer Pyro-Show, zudem wurde eine Schweigeminute abgehalten. Laut MDR wurden in einer Rede sogar die Verdienste Hallers für den CFC gewürdigt. Nach einem Tor hielt CFC-Spieler Daniel Frahn ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" hoch. Offiziell waren 4006 Zuschauer im Chemnitzer Stadion, wie viele sich an der Trauerfeier für Haller beteiligten, ist nicht bekannt.

Mittlerweile hat der kaufmännische Geschäftsführer der Fußball GmbH des Chemnitzer FC und gleichzeitiges Vorstandsmitglied des Vereins seinen Rücktritt erklärt. Thomas Uhlig wolle weiteren Schaden vom Klub fernhalten. "In meiner Funktion als kaufmännischer Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter trage ich die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen", sagte Uhlig in einer Mitteilung des Vereins.

Bereits vor dem Spiel hatte die Fanbeauftragte des Vereins, Peggy Schellenberger, in einem inzwischen gelöschten Beitrag auf Facebook des Verstorbenen gedacht "Es gab grundlegende Dinge, die haben uns strikt getrennt. Aber es gab eben auch die andere, menschliche Seite", schrieb sie. "Wir waren immer fair, straight, unpolitisch und herzlich zueinander - das hat dich ausgezeichnet. Ruhe in Frieden!" Schellenberger ist auch Stadträtin für die SPD Chemnitz.

Chemnitzer FC wollte "gemeinsame Trauer ermöglichen"

Der Verein teilte schon vor Uhligs Rücktritt mit, es sei keine offizielle Trauerbekundung gewesen. Trotzdem rechtfertigt der Chemnitzer FC den Ablauf: "Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar."

"Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen", heißt es in der Mitteilung. "Dies geschah in Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren. Das Bedürfnis der Menschen nach gemeinsamer Trauer gilt es für uns zu respektieren. In diesem Kontext hat der Stadionsprecher den Hinterbliebenen das Beileid ausgesprochen."

In Bezug auf das von Frahn hochgehaltene T-Shirt teilte der Verein mit, der Stürmer sei nach einem persönlichen Gespräch am Sonntagmorgen mit einer Geldstrafe belegt worden: "Der Angreifer hat die Möglichkeit, diese Mittels einer Spende von Sport-Utensilien an eine wohltätige Organisation in Chemnitz abzuleisten" Darüber hinaus drohe Frahn eine Bestrafung von Seiten des Verbandes."

"Dass ein Spieler während eines Spiels Botschaften, egal welcher Art, verbreitet und diese nicht vorher mit den Verantwortlichen des CFC bespricht, ist für uns nicht hinnehmbar", sagte demnach Sportvorstand Thomas Sobotzik. Auch Frahn wird in der Mitteilung zitiert: "Es tut mir Leid, dass ich dem Verein mit meiner Art der Beileidsbekundung an die Hinterbliebenen Schaden zugefügt habe. Dafür habe ich mich heute Morgen bei den Verantwortlichen des CFC sowie meinen Mannschaftskameraden entschuldigt."

Anmerkung der Redaktion: Da der zunächst im Artikel eingebettete Facebook-Beitrag von Schellenberger inzwischen gelöscht wurde, haben wir weitere Details aus diesem Post im Text zitiert. Zudem wurde die inzwischen bekannt gewordene Reaktion des Vereins auf die T-Shirt-Botschaft Frahns sowie der Rücktritt Uhligs hinzugefügt.

krä



insgesamt 250 Beiträge
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Seite 1
Ruhrtime 10.03.2019
1. Chemnitzer FC halt
Dabei stellt man sich eigentlich nur noch zwei Fragen. 1. Kuscht der FC einfach nur vor seinen "Fans"? 2. Oder sind sie einfach ideologisch auf einer Linie? Man darf zwar auch für Nazis trauern, aber man muss dies nicht in so einer Form unterstützen.
spon-3zk-ln5i 10.03.2019
2. "So geht sächsisch"
Eine neue Folge aus der allseits beliebten Standortkampagne des Freistaates Sachsen. Diesmal: "Wir können auch Querfront: Nazihools - Splitterpartei SPD"
Andy091965 10.03.2019
3. CFC Nazi Club
Der CFC war schon immer ein Nazi Club. Gans Chemnitz ist eine Nazi Hochburg das sage ich als ex Chemnitzer. Schönen Sonntag aus einem besseren Teil Deutschlands Andy
s-achte 10.03.2019
4.
Persönliche Trauer und das, für was der ansonsten stand, läßt sich im öffentlichen Raum nicht trennen! Einerseits benennen wir Straßen um, die bisher nach Typen benannt waren, die mehr oder weniger im Nazitum involviert waren, andererseits gibt es politische Kräfte, die so eine Aktion wie diese jetzt verharmlosend zu rechtfertigen versuchen? Geht mMn gar nicht.
belohoubek 10.03.2019
5. Unfassbar..
Hier ist der DFB aufgerufen, die Verantwortlichen des Vereins zu bestrafen und vom Spielbetrieb auszuschließen. Ansonsten sind die Bekundungen gegen Rassismus und Gewalt im Fußball reine Lippenbekenntnisse.
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