Taktikanalyse: So kann Bayern Juve schlagen

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Drei Systeme zur Auswahl, torgefährliche Mittelfeldspieler und Stürmer, die mit Rotation kein Problem haben: Bayerns Champions-League-Gegner Turin ist unter Trainer Conte dank seiner Flexibilität zum Titelanwärter geworden. Die Abwehr ist das Prunkstück - aber man kann sie knacken.

Stars von Juventus Turin: Mehr als nur Pirlo Fotos
AFP

Zwei Dinge sollte man vor dem Anpfiff heute Abend gleich vergessen: Das 9:2 der Bayern vom vergangenen Samstag und Berichte, laut denen Juventus Turin einzig von Andrea Pirlo abhänge. Weder sagt die unglaubliche Torausbeute gegen den Hamburger SV etwas aus über die Chancen der Bayern am Abend im Champions-League-Viertelfinale gegen Juve (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) - noch wird die Reduzierung Turins auf den 33-jährigen Spielmacher der größten Stärke der Mannschaft gerecht. Und die heißt Flexibilität.

Trainer Antonio Conte ist in der kommoden Situation, dass er die Systeme zwischen 4-4-2, 4-3-3 und 3-5-2 wechseln kann. Das 3-5-2 mit Dreierkette passt offensichtlich am besten zum Team: Juve ist in der Champions League seit acht Spielen ungeschlagen und hat die vergangenen fünf Partien ohne Gegentreffer gewonnen.

Wie flexibel der italienische Rekordmeister ist, zeigt sich nicht nur beim System, sondern auch an den Spielern, die es ausfüllen. Für das Spiel bei den Bayern ist es durchaus möglich, dass der 19-jährige Franzose Paul Pogba ins Mittelfeld rückt, Conte dafür einen Stürmer opfert und Arturo Vidal zwischen Angriff und Mittelfeld pendelt - also etwas vorgezogener als sonst auftreten wird.

Torgefährliche Mittelfeldspieler - und wie man sie stoppt

Wer bei Juventus im Sturm spielt, ist übrigens nicht von Belang: Fabio Quagliarella, Alessandro Matri, Sebastian Giovinco oder Mirko Vucinic sind allesamt nicht Weltklasse, aber sie treffen regelmäßig sowohl in der Liga als auch international. Und wichtiger noch: Sie fügen sich ohne großes Murren jener Rotation, die Antonio Conte im Angriff seit zwei Jahren je nach Gegner vollzieht. In der Dreierabwehr sind Chiellini, Barzagli und Bonucci vor Gianluigi Buffon nur schwer zu überwinden.

Juves wichtigste Akteure spielen allerdings im Mittelfeld. Neben Andrea Pirlo.

Da ist zum einen Arturo Vidal. Jupp Heynckes wollte den 25-jährigen Chilenen vor zwei Jahren aus Leverkusen mit nach München nehmen, doch Vidal wechselte nach Turin. Er ist laufstark, technisch und taktisch stark, außerdem ist er für einen Mittelfeldspieler überproportional torgefährlich (drei Treffer, ein Assist in acht Spielen).

Und da ist Claudio Marchisio. Der 27-Jährige spielt ein wenig zurückgezogener als Vidal, ist aber ebenso wie sein chilenischer Teamkollege laufstark, technisch und taktisch stark und auch torgefährlich (zwei Treffer, drei Assists in nur sechs Spielen). Und: Marchisio - übrigens ein ehemaliger Balljunge bei Juventus-Spielen - ist defensiv noch zweikampfstärker als Vidal, neigt dabei aber zu ungestümen Aktionen und sah in dieser Saison in der Champions League bereits viermal Gelb.

Die gute Nachricht: Bei allen Stärken des Gegners aus Turin bieten sich Bayern München durchaus Lösungsmöglichkeiten. Diese:

  • Die Bayern sollten versuchen, Juve hoch, also bereits im Spielaufbau, zu attackieren, um damit das Mittelfeldzentrum zu beherrschen. Dabei könnte Toni Kroos wie im Halbfinale der EM auf Andrea Pirlo treffen und versuchen, den Rhythmusgeber der Italiener zu stören.
  • Bayerns Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba könnten Franck Ribéry und Thomas Müller offensiv unterstützen und so Federico Peluso und den Schweizer Stephan Lichtsteiner auf der Seite offensiv doppeln und damit binden. Sollte das effektiv gelingen...
  • ...müssten jeweils Juve-Spieler aus dem Zentrum auf die Seite herausrücken, um dort mitzuhelfen. Dies wiederum schafft Lücken in der üblicherweise sehr gut geschlossenen Defensive der Italiener, in die die Bayern heute Abend erfolgreich hineinstoßen sollten.

Neun Tore werden es nicht werden. Aber zwei würden ja schon reichen.

Christian Brand ist ehemaliger Bundesliga-Profi und trainiert derzeit die U21 des Schweizer Erstligisten FC Luzern. Für SPIEGEL ONLINE analysiert er regelmäßig wichtige Spiele des internationalen Fußballs.

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