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Heidel-Wechsel nach Schalke: Sein bester Transfer

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Er prägte Mainz 05 ein Vierteljahrhundert lang, jetzt endet mit Christian Heidels Wechsel zum FC Schalke 04 eine Ära. Warum der ehemalige Autohändler für den neuen Klub ein Coup ist.

Getty Images

Am Sonntag hatte Christian Heidel einen Termin im westfälischen Werl. Er saß dort in einem Hotel zehn Menschen gegenüber, deren Job es ist, Präsentationen kritisch zu hinterfragen. Das haben die Schalker Aufsichtsräte dann sicher auch getan, nachdem ihnen der Mainzer Manager erläutert hatte, wie er sich ab Sommer die Zukunft des Vereins vorstellt. Kurz darauf stieg weißer Rauch auf: Die Räte hatten sich ohne Gegenstimme für ihn als "Vorstand Sport und Kommunikation" entschieden. Es lief also mal wieder so wie es oft läuft, wenn Heidel mit Menschen zu tun hat: Er hat sie für sich eingenommen.

Das dürfte in diesem Fall niemandem lieber sein als Clemens Tönnies. Aus Sicht des Schalker Aufsichtsratsbosses war das erfolgreiche Werben um Heidel ein Coup. Heidel hat sich in den vergangenen Jahren, begleitet von meist exzellenten Trainern, den Ruf als hervorragender Einkäufer erarbeitet. Seine Maxime: Transfers müssen nicht nur finanzierbar sein, sondern dürfen auch ein mühsam austariertes Gehaltsgefüge im Team nicht sprengen.

Sollte er auch an neuer Wirkungsstätte so verfahren, wären Fehlgriffe wie Kevin-Prince Boateng, Chinedu Obasi oder Sidney Sam künftig unwahrscheinlich. Heidel passt auch mental zu Schalke. Der Klub ist vielseitig und vielschichtig. Auch außerhalb der Spieltage liefert der Verein seinen Fans gerne Gesprächsstoff.

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Passt Christian Heidel nach Schalke?

Da trifft es sich gut, dass Heidel ein kommunikativer Mensch ist, der kein Problem damit hat, seine Politik gegenüber Journalisten und Funktionären zu erklären - und Fans. Wenn er nach den Mainzer Heimspielen auf einen Weißwein in die Vereinsgaststätte Haasekessel geht, wirkt das alleine deshalb schon authentisch, weil er es bereits so praktiziert hat, als der Verein noch vor 2300 Zuschauern gegen Fortuna Köln spielte. In seiner Geburtsstadt Mainz scheint es zuweilen, als werde Heidel von jedem Zweiten der rund 200.000 Einwohner geduzt. Wenn er nun sein Biotop verlässt, betritt er eine viel größere Bühne. Auf der man aber auch größere Fehler machen kann.

Auch die Tönnies-Kritiker hoffen auf Heidel

Für Tönnies ist Heidel strategisch ein gelungener Transfer: Er hat eine starke Persönlichkeit installiert, hinter verschlossenen Türen dürfte es zwischen den beiden auch mal zur Sache gehen. Der auf Schalke oft gehörte Vorwurf, Tönnies umgebe sich am liebsten mit Claqueuren, ist so entkräftet. Gut möglich, dass ein Teil der Schalker Räte für Heidel stimmte, weil er Tönnies' Mann ist. Aber ein anderer Teil erhofft sich vielleicht auch, dass er ein echtes Gegengewicht zum Aufsichtsratsboss werden kann.

Die Personalie barg für Tönnies auch ein Risiko: Hätte Heidel doch noch abgesagt (beispielsweise, weil es ihn nachdenklich gemacht hätte, dass mal wieder so gut wie alle Interna aus dem Schalker Inner Circle nach außen gedrungen sind), wäre Tönnies auch vor seinen Getreuen blamiert gewesen. Und auch eine andere Debatte wäre wohl geführt worden: Die, ob es nicht unanständig war, den amtierenden Manager Horst Heldt über Monate im Regen stehen zu lassen.

Heidel wiederum hat bei Mainz 05 zwar nicht nur Freunde hinterlassen, er hat es aber tunlichst vermieden, in den letzten Wochen seiner 24-jährigen Amtszeit Wunden aufzureißen. Als Präsident Harald Strutz wegen geheim gehaltener Honorarzahlungen in die Kritik geriet, sprang er ihm öffentlich so bei, dass es überzeugend klang.

Rouven Schröder passt nach Mainz

In Mainz gibt es niemanden, der Heidel keine gute Arbeit attestieren würde. Das ist schon mal bemerkenswert bei jemandem, der fast ein Vierteljahrhundert in verantwortlicher Position bei einem Profiverein war. Noch bemerkenswerter ist vielleicht nur, dass es auch fast niemanden gibt, der ihn unsympathisch findet. Heidel hat offenbar das Everybodys-Darling-Gen. Allein deswegen ist eigentlich kein Ersatzkandidat um sein Schicksal zu beneiden.

Der designierte Nachfolger Rouven Schröder hat es genau deshalb gar nicht so schwer - Heidels Schuhe sind so groß, dass er sie gar nicht komplett ausfüllen kann. Folgerichtig erwartet das in Mainz auch niemand. Schröder ist übrigens seinerseits eine geradezu logische Wahl. Der Mann hat seit seinem Karriereende 2010 als Videoanalyst, Scout und sportlicher Leiter in Nürnberg und Fürth gearbeitet, ehe er im vorletzten Sommer als "Direktor Profifußball" nach Bremen wechselte. Und Schröder ist ein offener, eher kumpelhafter Typ. Im Haasekessel kann man ihn sich prima vorstellen.

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1.
JW2008 22.02.2016
Neben all seinen teuren totalen Transferflops (wie Fuchs, Obasi, Hildebrand, Marica, Pukki, Barnetta, Santana, Affeley, Bastos, Szalay, Clemens, Sam, Boateng u.a.) sind auch die anderen Profis fast alle von Heldt völlig überteuert hinsichtlich Ablöse und/oder Gehalt verpflichtet worden. Damit muss endlich Schluss sein! Denn gemessen am Lizenzspieleretat, also dem Geld, das Heldt in den letzten fünf Jahren Saison für Saison zur Verfügung hatte und ausgab für die Mannschaft (konstant 80 Mio., jetzt über 90 Mio. Euro), müsste Schalke längst alleiniger und unangefochtener Bayernjäger sein. Gerettet haben Heldt und Schalke finanziell alleine die Transfers von Neuer und Draxler und die anderen Schalker Eigengewächse, also die herausragend gute Arbeit der sog. Knappenschmiede. Und mir fällt spontan kein einziger Spieler ein, der unter Heldt geholt und mit finanziellem Gewinn verkauft wurde. Stattdessen zahlt Schalke Spielern, die ausgeliehen werden, regelmäßig auch noch teilweise das Gehalt weiter: Bestes Indiz dafür, dass auf Schalke nicht marktgerechte (völlig überhöhte!) Gehälter gezahlt werden. Neben einer katastrophalen Außendarstellung hat Heldt ansonsten nur ein völlig konzeptloses und mieses hire and fire mit sämtlichen Trainern (insbes. mit Stevens und Keller) praktiziert, die er den Medien immer dann sofort zum Fraß vorgeworfen hat (auch schon Rangnick mit den bekannten Folgen: die Krankheit während der Demontage kam wohl einem Rauswurf zuvor), wenn es ihm darum ging sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Davon, dass Heldt zuletzt sogar die Schalker Mitgliederversammlung mit einer von einem externen Kommunikationsexperten verfassten (und vom Zettel abgelesenen) Rede angelogen hat (Sam spielt nie mehr für Schalke, so lange er Manager ist) um Applaus zu bekommen, und vom totalen Fehlgriff Di Matteo und dem Debakel um die Einkommensmillionäre Santana und Boateng, die ein halbes Jahr für´s Nichtstun alimentiert wurden (im Falle Boateng wohl mehr als eine halbe Mio. Euro monatlich!), will ich gar nicht erst anfangen.
2. egal wie
FX922 22.02.2016
bei dem Chaos auf Schalke wird es sehr sehr schwer für Heidel, dem Verein Substanz zu geben. sobald der erste Misserfolg eintritt, fangen die nimmer zufriedenen Fans an zu pfeifen...
3. @JW2008 - Gut formuliertes Stammtischgerede
wrobby 22.02.2016
Ich weiß nicht was das jetzt soll, die ersten 4 Jahre unter der Leitung von HH, waren sportlich gesehen so erfolgreich für S04 wie keine andere vergleichbare Zeit. Vorwerfen kan man ihm die Trainer Keller und Di Mateo, aber auch ein Heidel hat bei seiner Trainerwahl mal danebengelegen(mit deutlich weniger Erfolg). Der Gehaltsrahmen bei S04 hat ein HH geerbt und ein einmal eingeschlagener Weg der Hochlohnpolitik ist innerhalb eines Unternehmens schwer zurückzu-drehen. Mittlerweile ist Schalke hier (gehaltstechnisch) aber schon lange nicht der Verfolger Nr. 1 der Bayern, sondern höchstens die Nummer 4 . Auch waren nicht alle aufgezählten Transfers Flops oder es wurde nur mit Verlust gearbeitet und meistens waren zum Zeitpunkt der Verpflichtung seiner Transfers diese nachvollziehbar, mit ganz wenigen Ausnahmen. Es ist jetzt müßig alles zu belegen, aber mit HH an der Spitze hat der S04 erstmals kräftig Schulden abgebaut und trotzdem noch eine schlagkräftige Truppe aufgestellt, so gut, das Schalke aktuell Platz 11 der UEfa-5-Jahreswertung belegt(Letztes Jahr sogar Platz 7 ). Auch HH hätte sicherlich gerne mal Transfers der Größe von Da Costa, De Bruine, Schürrle oder auch nur Kagawa oder Mikhitarian abgeschlossen, allein dafür waren nie die Mittel vorhanden. Und wenn man Spieler ablösefrei verpflichtet kann, ist das Gehalt ein wenig höher. Fragen Sie einfach mal bei J. Matip nach. Ein Christian Heidel muss erstmal beweisen das er Schalke kann. Hier bin ich gespannt wie der bekennende Watzke-Freund und BVB- Sym*pa*hisant auf Schalke klar kommt. Und zum Schluss, ich sage auch nicht, das ein HH fehlerfrei gearbeitet hat, aber man muss seine Leistungen auch nicht mit aller Gewalt schlecht reden, sondern ihn einfach fair behandeln, das hat er auf jeden Fall verdient.
4. Wurst- oder Lügenbaron?
irina_petersen 22.02.2016
C. Tönnies hat Horst Heldt auf der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 e.V. 2015 klar den Rücken gestärkt. Heidel erklärte heute auf seiner PK, dass sich CT im Juni bei ihm gemeldet hat. Dies war ganz klar VOR der MV. Das war alles eine abgekartete Sache. Heldt's Zukunft stand bereits auf der MV fest.
5. Bitte keine Experimente mehr
calvincaulfield 22.02.2016
Zitat von wrobbyIch weiß nicht was das jetzt soll, die ersten 4 Jahre unter der Leitung von HH, waren sportlich gesehen so erfolgreich für S04 wie keine andere vergleichbare Zeit. Vorwerfen kan man ihm die Trainer Keller und Di Mateo, aber auch ein Heidel hat bei seiner Trainerwahl mal danebengelegen(mit deutlich weniger Erfolg). Der Gehaltsrahmen bei S04 hat ein HH geerbt und ein einmal eingeschlagener Weg der Hochlohnpolitik ist innerhalb eines Unternehmens schwer zurückzu-drehen. Mittlerweile ist Schalke hier (gehaltstechnisch) aber schon lange nicht der Verfolger Nr. 1 der Bayern, sondern höchstens die Nummer 4 . Auch waren nicht alle aufgezählten Transfers Flops oder es wurde nur mit Verlust gearbeitet und meistens waren zum Zeitpunkt der Verpflichtung seiner Transfers diese nachvollziehbar, mit ganz wenigen Ausnahmen. Es ist jetzt müßig alles zu belegen, aber mit HH an der Spitze hat der S04 erstmals kräftig Schulden abgebaut und trotzdem noch eine schlagkräftige Truppe aufgestellt, so gut, das Schalke aktuell Platz 11 der UEfa-5-Jahreswertung belegt(Letztes Jahr sogar Platz 7 ). Auch HH hätte sicherlich gerne mal Transfers der Größe von Da Costa, De Bruine, Schürrle oder auch nur Kagawa oder Mikhitarian abgeschlossen, allein dafür waren nie die Mittel vorhanden. Und wenn man Spieler ablösefrei verpflichtet kann, ist das Gehalt ein wenig höher. Fragen Sie einfach mal bei J. Matip nach. Ein Christian Heidel muss erstmal beweisen das er Schalke kann. Hier bin ich gespannt wie der bekennende Watzke-Freund und BVB- Sym*pa*hisant auf Schalke klar kommt. Und zum Schluss, ich sage auch nicht, das ein HH fehlerfrei gearbeitet hat, aber man muss seine Leistungen auch nicht mit aller Gewalt schlecht reden, sondern ihn einfach fair behandeln, das hat er auf jeden Fall verdient.
Unter Jens Keller stand Schalke in der Saison 2013/14 auf dem 4. Tabellenplatz, und hatte 7 Punkte mehr auf dem Konto, als in der aktuellen Saison unter Breitenreiter. Diese neue Entwicklung beschreibe ich als konstante Mittelmässigkeit. Schalke hat es in der aktuellen Saison kein einziges Mal geschafft, ein ganzes Spiel konzentriert durch zu spielen. Und oft, wie am letzten Sonntag, fehlen der Mannschaft Kraft und Wille zu gewinnen. Und das sind imho alles Aufgaben des Trainers.
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